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31.01.2012 12:30 Uhr | x gelesen
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Viel Aufregung um wenig Ahnung


Berlin (dk) Die Aufregung hat sich gelegt und Ansgar Heveling dümpelt wieder der Unbekanntheit entgegen. Was bleibt, ist die Frage, wie ein junger CDU-Bundestagsabgeordneter dazu kommt, einen der wohl unsachlichsten und am wenigsten hilfreichen Artikel zum Thema Digitale Gesellschaft zu schreiben.

Um in Hevelings Bild zu bleiben: Der "Schlachtennebel" hat sich verzogen. Allerdings liegen keine Leichen auf dem Feld. Nur ein einsamer Mann steht da mit gezogenem Schwert. Er hat sich den "digitalen Horden" mutig entgegenstellen worden. Doch die haben ihn keines Schwerthiebs für würdig befunden und sind einfach an ihm vorbeigestürmt auf der Suche nach echten Gegnern.

Auf Hevelings kruden Artikel im Handelsblatt kam kein Kontra. Kein Streit brach vom Zaun. Keine Gegenargumente wurden geäußert. Denn Heveling hat sich mit seinen Zeilen völlig disqualifiziert. Der Süddeutschen Zeitung sage er, bei seinem Artikel habe es sich um einen "prononcierten Diskussionsbeitrag" gehandelt. Doch was gilt ein Diskussionsbeitrag, der in keiner Weise ernst genommen wird?

Unter dem Stichwort #hevelingfacts sammelten Internetnutzer Anachronismuswitze zum Thema Heveling. Der vielleicht Beste: "Der kleine Ansgar will aus dem Internet abgeholt werden". Dieser Spruch könnte den Kern treffen. Aus Hevelings Artikel spricht Unverständnis und Angst. Verzweifelt klammert er sich an Althergebrachtes und verdammt das Neue. Das ist sein Recht. Schließlich hatten viele Leute anfangs Angst vor der Eisenbahn. Kutschen ohne Pferd wurden zu Beginn misstrauisch betrachtet. Und selbstredend muss man nicht alles Neue toll finden, nur weil es neu ist.
 
Das Traurige ist aber, dass Heveling der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" des Bundestags angehört. Er soll helfen, Themen wie Daten-, Privatsphäre- sowie Urheberrechtsschutz aufzuarbeiten. Das sind Themen, die von existenzieller Bedeutung nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, sondern auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sein werden. Ein Politiker, der durch aus Unwissen resultierender Angst motiviert ist, ist hier denkbar fehl am Platze.

Freilich muss man als CDU-Politiker in Sachen Internet nicht auf einer Linie mit der Piratenpartei liegen Man kann auch für einen strengen Urheberrechtsschutz eintreten. Aber ein bisschen Ahnung von der Materie, weniger Schwarz-Weiß-Malerei und mehr Gespür für die Knackpunkte sollten schon sein. Heveling mag anderweitig ein qualifizierter Politiker sein. Doch vom Thema "digitale Gesellschaft" sollte er die Finger lassen, bis er die Angst davor verloren hat. Dann wird er vielleicht auch ernst genommen.

Und wie er dazu kommt, solch einen Artikel für das Handelsblatt zu schreiben? Bisher ist die These, dass das Handelsblatt ihn bewusst hat auflaufen lassen, um zusätzliche Klicks auf das eigene Portal zu generieren, nicht widerlegt.




tomwebel
 
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