Wogegen Heveling genau ist, erfährt man bei der Lektüre seines Artikels nicht. Nur dass er auf jeden Fall massiv dagegen ist. Und dass er eine Vorliebe für martialische Sprachbilder hat. Eine Mischung aus Tolkien und SED-Parteitag. Ein Beispiel: "Die mediale Schlachtordnung der letzten Tage erweckt den Eindruck, wir seien im dritten Teil von „Der Herr der digitalen Ringe“ angekommen, und der Endkampf um Mittelerde stehe bevor. Das ist die Gelegenheit, schon jetzt einen vorgezogenen Nachruf auf die Helden von Bits und Bytes, die Kämpfer für 0 und 1 zu formulieren. Denn, liebe „Netzgemeinde“: Ihr werdet den Kampf verlieren."

Ansgar Heveling #hevelingfacts
Man darf davon ausgehen, dass nicht Ansgar Heveling selbst für die Nachricht verantwortlich ist, dass er die CDU verlasse.
Wen genau er mit "Netzgemeinde" meint, führt Heveling nicht näher aus. Aber vermutlich zählt für ihn auch die Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel dazu, die sich regelmäßig per Youtube-Podcasts an die Bürger wendet. Erst recht meinen dürfte er seine Kollegin Dorothee Bär. Die junge CSU-Bundestagsabgeordnete hat bisher mehr als 6700 Tweets per Twitter versendet. Aktuell ist sie dank Heveling damit beschäftigt, sich und ihre Partei zu rechtfertigen. Zitat: "So süß der Geifer in meiner Timeline. Wenn ein Pirat, Grüner, Roter Scheiß erzählt, dann ist das ein tragischer Einzelfall - in der Union Methode".

Damit reagiert sie souverän. Also anders als Heveling, der drauf und dran ist, zum befackelten Sturm auf Rechenzentren zu rufen: "Auch wenn das Web 2.0 als imaginäres Lebensgefühl einer verlorenen Generation schon bald Geschichte sein mag, so hat es allemal das Zeug zum Destruktiven. Wenn wir nicht wollen, dass sich nach dem Abzug der digitalen Horden und des Schlachtennebels nur noch die ruinenhaften Stümpfe unserer Gesellschaft in die Sonne recken und wir auf die verbrannte Erde unserer Kultur schauen müssen, dann heißt es, jetzt wachsam zu sein. Also, Bürger, auf zur Wacht!"

Unter dem Stichwort "#hevelingfacts" sammelt die so verdammte Schar der Twitter-Nutzer Anachronismus-Witze zum Thema. Eine kleine Auswahl:
  • Herr Heveling ist definitiv kein Internetausdrucker. Er lässt sich interessierende Webseiten per Hand abschreiben.
  • Ansgar Heveling warnt: Wer den Seeweg nach Indien sucht, fällt nur über den Rand der Welt.
  • Herr Heveling kann Ihre Anfrage derzeit nicht beantworten,er ist auf dem Weg zu einer Sitzung in der Frankfurter Paulskirche.
  • Ansgar Heveling besitzt kein Auto, denn eine Kutsche ohne Pferd wird sich nie durchsetzen
  • Ansgar Heveling ist in Eile, er muss das Drei-Uhr-Drehflügelflugzeug nach Belgisch-Kongo erreichen.
  • "homo erectus" ist nur eine gefährliche Modeerscheinung
  • Eil +++ Bureau von Ansgar Heveling bestellt Schreibmaschine. Papst stimmt zu. Exorzist steht für Notfall bereit.
  • "Soziale Netze? Brieffreundschaften trainieren die Feinmotorik und fördern die Bundespost!"
  • Photos klauen den Dingen ihre Seele!
  • Der Dieselmotor wird sich NIE gegen die Dampfmaschine durchsetzen!
  • Die Entsorgung des Pferdemistes in den Städten wird das größte Problem für das 21. Jahrhundert darstellen.
  • Niemand hat die Absicht, ein Internet zu errichten.

Tim Pritlove, einer der bekanntesten deutschen Podcaster, hat Hevelings Artikel gar eingelesen, als "gebundenes Hörbuch".
 
Selten hat sich ein Mitglied des deutschen Bundestages in so kurzer Zeit so sehr zur Witzfigur gemacht. Weniger Wissen über das komplexe Thema "digitale Gesellschaft", mehr Vereinfachung und weniger rhetorisches Gespür wurden selten bewiesen.
 
Unterstellt man Heveling, dass sein eigentliches Anliegen ist, einen konstruktiven Dialog über Daten-, Privatsphäre- und Copyright-Schutz im Internet-Zeitalter zu führen, dann hat er diesem Anliegen einen Bärendienst erwiesen. Weniger wäre mehr gewesen. Für die Zukunft sei ihm deswegen Twitter empfohlen: 140 Zeichen Maximallänge verhindern gewisse Ergüsse. Zudem sollte gerade Heveling als analoger Mensch wissen: Es gibt nicht nur Null und Eins, nicht nur Schwarz und Weiß, sondern eine Menge Grautöne. Auch und gerade in diesem komischen Ding namens Internet.