Rot steht ihm gut Rot steht ihm gut: Manuel Neuer steht wohl bald im Tor von Bayern München
Rot steht ihm gut: Manuel Neuer steht wohl bald im Tor von Bayern München. "Ich habe Manuel Neuer in einem weißen Trikot gesehen, in einem blauen Trikot gesehen. Aber ich habe ihn auch schon in einem roten Trikot gesehen. Und im roten hat er mir mit Abstand am besten gefallen", sagt Bayern-Manager Christian Nerlinger.
© 2011 SID
Ein Schalker Jung verlässt das traute Heim. Manuel Neuer ist in Gelsenkirchen geboren und lebte sein ganzes Leben dort. Früher stand er im Fanblock, später im Tor von Schalke 04. Eine solche Treue ist im modernen Profi-Fußball bemerkenswert.

Wie Manuel Neuer tickt, merkte man heute auf der Pressekonferenz: Unter Tränen verkündete er seinen Abschied von dem Verein, für den er über 20 Jahre lang im Tor stand. Neuer ist durch und durch Schalker, aber auch durch und durch Profi. Bisher hat der Schalker immer über den Profi in ihm gesiegt. Er blieb, obwohl Spitzenmannschaften lockten. Heute weinte der Schalker. Der Profi sprach: "Ich möchte mich weiterentwickeln, einen neuen großen Schritt in meiner Karriere machen."



Der 25-Jährige weiß: In seiner derzeitigen Form ist er der beste Torwart Deutschlands – wenn nicht Europas. Und weil Europa im Fußball das ist, was die USA im Basketball sind – auch der Welt. Der Schalker Jung Manuel will Neuer Titan werden.

Dass er das Zeug dazu hat, bewies er in der Vergangenheit nicht nur durch sensationelle Paraden. Auch beim Jubeln hat sich Neuer von Oliver Kahn einiges abgeschaut. Demonstrativ rannte er nach einem Sieg in München in die Ecke, riß vor der Fankurve die Fahne heraus, schmiss sich auf den Boden – und hätte die Fahne auch nur einen Funken Leben in sich gehabt: Er hätte sie erwürgt. Genau so hatte es einst der Titan getan.



Auch deswegen hat Neuer jetzt ein Problem: Die Fans auf Schalke sind sauer, dass er sie verlässt. Die Fans in München wollen ihn nicht. Zumindest die Schickeria-Ultras haben bereits klar gemacht, was sie von ihm halten: "Schalke-Schwein". Doch erstens sind das Wichtigtuer, zweitens nur eine kleine Gruppe unter vielen Südkurven-Gängern und drittens hat Oliver Kahn persönlich seinem designierten Nachfolger Mut gemacht: „Es wäre eine vernünftige Lösung, wenn er kommen sollte. Es dauert zwei bis drei Trainingseinheiten und einen gehaltenen Elfmeter, und alles ist auf deiner Seite“.

Also München. Dort reiht sich Neuer in eine Liste legendärer Keeper ein. Von "der Katze" Sepp Maier über Jean-Marie Pfaff bis zum "Titan Kahn": Das Bayern-Tor wird traditionell von ganz Großen gehütet. An diesem Erbe sind zuletzt gleich zwei Neulinge gescheitert: Rensing und Kraft. Doch Neuer spielt bereits in einer anderen Liga, wird unter Druck eher besser. Die Entscheidung für die Bayern ist also sicher nicht falsch.

Und trotzdem wäre eine andere Mannschaft in Rot die bessere Wahl gewesen. Manchester United hat bereits vor einiger Zeit Interesse am deutschen Nationaltorhüter bekundet. Wenn Edwin van der Saar aufhört, wird einer der begehrtesten Torwartposten Europas frei. Trainer Sir Alex Ferguson ist bekannt dafür, aus Spielern Ikonen zu machen. In der Schmiede der englischen Premier League hätte sich Neuer seinen Feinschliff holen können – ungestört von den Fan-Fehden in der Bundesliga.

Es gibt nur ein Problem dabei: Manuel Neuer will nicht auf die Insel. "Ich kann zweimal im Jahr ins Ausland fahren, im Winter und im Sommerurlaub", sagte der 25-Jährige dem "Kicker". Für den ganz großen Schritt ist er also doch noch nicht bereit. Er will nicht allzu weit weg von Gelsenkirchen.

Manuel Neuer wird immer der Schalker Jung bleiben.