Es müssen ja nicht immer die Moralpredigten von PETA sein! „Einen Tag in der Woche kein Fleisch essen?“ „Warum sollte ich?“ „Und was bringt das bitte schön?“ Berechtigte Fragen, die Antwort ist erdenklich einfach: Die Aktion „Donnerstag Veggietag“ soll zeigen, wie wichtig es ist, den Fleischkonsum zu reduzieren. Sie macht darauf aufmerksam, was man mit nur einem vegetarischen Tag in der Woche bewirken kann. Außerdem zeigt die Aktion den Restaurants, dass es ohne Aufwand möglich ist, vegetarische Gerichte auf die Karte zu setzten. Die Fleischesser stört es nicht und die Vegetarier freut es, mal etwas anderes als Käsespätzle und Knödl mit Soße auf der Speisekarte zu finden.

Donnerstag Veggietag
http://www.donnerstag-veggietag.de/
Die vier wichtigen Argumente für eine fleischfreie Ernährung - Tiere, Umwelt, Weltbevölkerung und die eigene Gesundheit – habe ich bereits in meinem letzten Blog aufgeführt. Um diese Argumente zu verbreiten, haben verschieden Vegetarierorganisationen wie der VEBU, PETA, die Albert Schweizer Stiftung, Planet for the Planet, etc., die Initiative ergriffen und nach amerikanischem Vorbild einen Tag in der Woche als fleischfrei erklärt. Allein was man an Wasser und CO2 einsparen kann, wenn man nur einen Tag in der Woche kein Fleisch isst, ist enorm. In dem Werbe-Video für den Veggietag wird gezeigt, dass Deutschland an nur einem fleischfreien Tag in der Woche mehr CO2 einsparen könnte, als wenn sechs Millionen Autos von der Straße genommen würden. Die Aktion hat bis jetzt großen Anklang in der Bevölkerung gefunden. Mittlerweile gibt es den Veggietag in 17 deutschen Städten, diversen Schulen,Unis, sowie Unternehmen. Auch die Mehrheit der Mitglieder im Bundestag sind dafür.

Angefangen hat alles mit einer Kampagne der in Amerika sehr bekannten Farm Animal Rights Movement (FARM), die sich stark für Tierschutz und eine fleischfreie Ernährung einsetzt. FARM hat es geschafft, 1985 den ersten „Meatout Monday“ in Amerika einzuführen. Die Teilnahme ist einfach. Man registriert sich online für den Meatout Monday Newsletter und verspricht so, jeden Montag auf Fleisch zu verzichten. Der Erfolg ist groß. 30 Millionen Amerikaner haben bereits mitgemacht. Weiter ging es 2009 mit einer Aktion des Sängers und bekennenden Vegetariers Paul McCartey. Er hat es geschafft in Großbritannien den „Meat Free Monday“ einzuführen. Seine Botschaft ist klar: „Less Meat, less heat!

2010 war Bremen die erste Stadt Deutschlands, die den Veggietag einführte. Dem Beispiel folgten weitere Städte wie Magdeburg, Wiesbaden, Freiburg, Hannover, Köln, etc. Insgesamt 100 Städte wurden von den Initiatoren der Aktion „Donnerstag Veggietag“ angeschrieben. Leider haben noch nicht alle darauf reagiert. Denn selten fühlt sich die Stadt für eine solche Aktion verantwortlich. Deshalb hat auch Hans Grabendorfer die Sache selbst in die Hand genommen.

Der überzeugte Vegetarier und Gründer des Freundeskreises der Vegetarier in Ingolstadt hat es geschafft, dass seit dem 23. Februar die Aktion „Donnerstag Veggietag“ auch in Ingolstadt stattfindet. Nach Schweinfurt, Deggendorf und Straubing ist Ingolstadt die vierte bayrische Stadt mit Veggietag. Mit 30 teilnehmenden Restaurants ist Ingolstadt ganz vorne mit dabei. Die Wirte hat Grabendorfer alle selbst angesprochen. Fast alle waren auch sofort von der Idee begeistert. Mittlerweile kommen die Restaurantbesitzer schon von selbst auf Grabendorfer zu und wollen mitmachen.

Dass die Aktion erfolgreich ist, zeigt sich auch an dem steigenden Interesse am Freundeskreis für Vegetarier. Seit dem Start des Veggietages kommen immer mehr Interessierte zu den Treffen, die jeden letzten Montag im Monat um 19.30 Uhr im Bürgerhaus stattfinden. „Es kommen jetzt auch mehr Jugendliche. Zuvor lag der Altersdurchschnitt bei etwa 50 Jahren“, sagt Grabendorfer. In Städten wie Freiburg und Tübingen machen bereits die Uni-Mensen und andere Großküchen beim Veggietag mit. Das ist auch das Ziel von Hans Grabendorfer. Bis jetzt hat sich noch nicht viel ergeben, aber Grabendorfer ist sich sicher, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen wurde. Zumindest bei Audi ist schon mal das Interesse da.

Er sei zwar selbst sehr patriotisch, aber ein Missionar sei er nicht, meint Grabendorfer. „Wer nicht überzeugt werden will, den muss man nicht mit aller Gewalt dazu bringen.“ Gesetze und Vorschriften findet er sinnlos. „Die Einstellung muss von Innen heraus kommen. Man muss den Leuten einfach das Positive am Vegetarismus zeigen. Ein bisschen Offenheit zu dem Thema sollten man dann natürlich auch mitbringen.“ Fleisch schmeckt gut, Fleischlos aber eben auch!

Um das zu beweisen, gibt es auch heute wieder eine Veggietag-Veranstaltung in der Antonius-Schwaige. Dort fand schon der Auftakt am 23. Februar statt, mit positiver Resonanz. Etwa 120 Leute kamen zu der Veranstaltung.

Viele Städte in Deutschland haben die Aktion „Donnerstag Veggietag“ aber auch abgelehnt. Die Gründe: „Wir tun schon viel für den Klimaschutz: Wir setzten auf regionale Produkte und Bio und versuchen den Verkehr zu reduzieren.“ Man könne den Bürgern nicht vorschreiben, was sie essen sollten.

Doch am Veggie-Donnerstag wird keiner gezwungen, kein Fleisch zu essen. Es reicht, wenn die Leute darauf aufmerksam gemacht werden. Aber das passiert zu selten. Warum? Vielleicht weil es einfach zu bequem ist. Wenn die Leute trotz des Bewusstseins sagen, sie können nicht auf Fleisch verzichten, ist das ja auch okay. Aber muss es wirklich die 99-Cent-Packung Schnitzel sein? Unser Fleischkonsum ist nicht ohne Grund in den letzten Jahren um das vierfache gestiegen.

Das Thema ist also noch längst nicht vom Tisch. Wie heißt es doch so schön? Wir haben nur eine Erde. Die sollten wir nach Möglichkeit schützen. Umweltfreundlichere Autos, Solarenergie, etc.: Der Fantasie und den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Es muss aber nicht so ausgefallen und vor allem teuer sein. Warum nicht im kleinen Stil anfangen, dafür aber Großes bewirken? Mit einer bewussten Ernährung, kann jeder Einzelne zum Umweltschutz beitragen. Fleischfrei also nicht nur fürs Gewissen sondern auch für die Tiere und die Umwelt.

Aber etwas Gutes hat ja auch die Trotzreaktion der Fleischesser mit ihren ganzen doofen Vegetarier-Sprüche: die Leute denken über ihren Fleischkonsum nach, ob sie es wollen oder nicht. Es müssen ja nicht immer die Moralpredigten von PETA sein, die etwas bewirken können. „Donnerstag Veggietag“ ist das beste Beispiel.