Man denke nur an all die Möglichkeiten, die sich ergeben. Nun haben wir endlich den Platz, unsere Ideen und Gedanken in vollständigen Sätzen und noch dazu grammatikalisch korrekt mit anderen Menschen zu teilen – beinahe wie in einem richtigen Gespräch, so wie in der guten, alten Zeit. Also wer darin keinen Quantensprung für die Entwicklung unserer Zivilisation sieht . . .

Ein echter Vorteil ist zweifelsohne, dass auch die Polizei im Ernstfall detaillierter informieren kann. Auf der anderen Seite muss man zugeben, dass viele in die Welt gezwitscherte Botschaften nicht das volle Potenzial des menschlichen Intellekts widerspiegeln. So twitterte ein Nutzer am 30. Oktober folgende Idee: „Ein Dorf an der Ostsee gründen und es Ackerpulkow taufen.“ Einfach toll. Auf diesen Impuls haben die Nutzer lange gewartet. Wenn man sich vorstellt, Menschen mit genügend Freizeit können solche Dinge künftig auf der doppelten Länge ausformulieren, kommt man ins Grübeln. Aus kurzen Botschaften – mit schlechter Sprache zwar, aber dafür auf den Punkt gebracht – könnte sich ein ausgewachsenes Geschwafelgewitter entwickeln. Einer, der diese Ansicht nicht teilen wird, ist freilich US-Präsident Donald Trump. Er ist bekanntlich der mächtigste Fan des Netzwerks mit dem kleinen blauen Vogel. Gleich gestern hat er seine erste präsidentielle Botschaft mit mehr als 140 Zeichen abgesetzt. Durch die Aufstockung auf 280 Zeichen hat Trump seine Produktivität verdoppelt – einfach so. Das muss dem Republikaner mal jemand nachmachen.

Doch die Kritiker von Trumps zwitschernder Kommunikation ängstigt vor allem, dass er und ähnlich polemische Machthaber nun doppelt so viel Raum haben, um Andersdenkende und so manche Minderheit verbal anzugreifen. Oder auch um neue Drohungen und sogar Kriegserklärungen zu versenden, die wieder bittere Krisen à la Nordkorea zur Folge hätten. So gesehen ist die Nachricht über längere Tweets also keineswegs nur eine Bagatelle. Und dennoch: Unterm Strich muss man sicher festhalten, dass eine Kurznachricht – egal wie lang – nicht über Frieden und Krieg entscheiden wird. Zündeln konnte der US-Präsident auch mit 140 Zeichen – indem er sich etwa mit ganzen Salven von Botschaften meldete. Und wenn die Raketen wirklich irgendwann fliegen sollten, wird auch der US-Präsident mal wieder eine richtige Pressemitteilung versenden. Für das in Europa unpopuläre und weltweit mit schwachem Wachstum kämpfende Unternehmen Twitter ist Trump aber ein Glücksfall. Es gilt eben: Jede Werbung ist gute Werbung.