Mittwoch, 30.05.2012 |

 

04.02.2012, 16:24 Uhr | 333x gelesen
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Oral tanzt den Favre


Liebe 70 Millionen Fußballfans, lieber Gerd, ich erinner mich mit Freuden an die Zeit, als auch wir Alus – danke, Calli! - noch kein Moos auf dem Rücken hatten. Bereits ein Jahr vor Absolvierung der Reifeprüfung 1989 wurde in weiser Voraussicht feste vorgefeiert, vorzugsweise am Baggersee-Einlauf, im Reich der Schanzer Biber.

Besagte Biber hatten damals echt keinen leichten Stand. Der große Blonde schmetterte in jenen Tagen gerne auch noch bei Sonnenaufgang und nach vier leichten Weizen den alten Manowar Klassiker „Carry on“ in die Wildnis und hinterließ bei Fuchs, Gans und Kollegen bleibende Schäden. Einige der putzigen Viecher hatten offenbar die Schnauze ob unserer Metal-Orgien gestrichen voll und verzupften sich Richtung Altstadt – ja, ein ganz schlauer Biberschlaumeier wurde sogar am alten Rathaus vorstellig, weil ihm das ewige Maiden-Motörhead-Metallica-Gedöns mächtig auf seinen Bibersack ging. 1990 wurden wir dann im Englwirt Weltmeister, und altersmilde. Und nix mehr mit alkoholbedingtem Rumgegröhle nachts um halb 1.
 
Liebe 70 Millionen Fußballfans, ja, ich weiß, Ihr wollt was über das Fortuna-Spiel lesen, aber etz lassts mi hoid no a bisserl erzähln, ist doch erst 5 vor 12, ist doch noch mächtig Zeit bis zum Untergang. Also, ich hab ja den ganzen Januar die Gestaltung der neuen Plakate, und natürlich auch die Transfergeschäfte unseres Vereins mit Spannung verfolgt und gebe folgendes Fazit zum Besten: Tief im Süden Felix Magath Reloaded, Geld spielt keine Rolle, wir ham das Pulver, und jetzt werden unsere Gegner im Abstiegskampf mal sauber spitzen.
 
Denn mit dieser neu formierten Wundertruppe holen wir trotz der sensationell bek(n)ackten Jagd-Plakate – ich lehn mich da mal weit aus dem Fensterl - die nötigen Punkte garantiert, da hat Herr Linke ganze Arbeit geleistet, auch wenn die Schäfflers, Hellers und Nemecs in ihren ehemaligen Clubs dieses Jahr nicht sonderlich ausgiebig Spielpraxis sammeln konnten.
 
Und außerdem, kurz obacht bitte, lasst Euch mal die Bedeutung der Vornamen auf der Zunge zergehen!
Manuel: „Gott mit uns“, kommt aus dem Hebräischen. Passt zu unserem Sturm…
Adam: „der von roter Erde genommene Mensch.“ Geil, Nemec kommt vom Betze!!
Florian: „blühen, glänzen, im blühenden Alter“. Perfekt. Die Bombe im rechten Mittelfeld!
Ralph: in diesem Vornamen fließen die Wörter „Schild“ und „Wolf“ zusammen. Was bitteschön passt besser zu nem kompromißlosen Grätscher in der Abwehr? Aber auch gar nix, genau! Auf geht’s Ralle, mach sie nieder, die geschniegelten Gomez und Konsorten, hau die Burschen sauber um, kämpfe wie ein Wolf und sei unser Abwehrschild in der Schlacht gegen böse Mächte aus Rostock, Karlsruhe und Frankfurt!!
 
Und überhaupt, Ralle. Dieser Transfer hat am Dienstag rund um das Schanzenviertel ein genuines Erdbeben ausgelöst. Bereits am Mittag vier (!!) Blogs in den einschlägigen St. Pauli Foren, Trauer allerorten, die Fanszene erschüttert. Gemeinsamer Tenor: Wir verlieren einen großen Charakter, eine Identifikationsfigur, ein weiterer Mosaikstein der legendären Pokalgarde von 2006 geht verloren.
 
Unser Gegengeraden-Gerd erinnert an Gyros-Ralles legendäres Tunnel-Tor gegen Hoffenheim (Im Tor: Ramat Özcan!!): „Er läuft los – er lässt sich einfach nicht stoppen. Ein Mann der schneller rennt als sein Schatten, getrieben von 20.000 Zuschauerstärken. Kein Audi kann da mithalten. Solo auf Links. Schuss nach Rechts. Massenekstase.“ April 2008 am Millerntor. Und ich nehme „Alles drin“ zur Hand, das Meisterwerk unserer Hamburger Freunde Michael Pahl und Christoph Nagel. Kapitel 124: „Und am Ende ließ Ralph Gunesch die versammelte „Bundesliga“ wie Schaufensterpuppen stehen und hämmerte den Ball sehenswert ins Netz. Der Rest war Feiern.“
 
Pahl gab seinen Senf bei Facebook ab: „Gäbe es eine Wahl zur menschlichen Jahrhundertelf, all die Lechners und Egers und Morenas und Bolls und Guneschs wären mit Sicherheit dabei.“
 
Und dieser legendäre Ralle nun in Süddeutschland, im Herzen Bayerns, ganz nah bei seinen geliebten Audis? Alles klar, du Legende, welcome aboard!! Wir werden Dir und den anderen Neuzugängen die Zeit in Ingolstadt so angenehm wie möglich machen. Wenn Ihr was bringt, auf’m Platz, da wo die Wahrheit rumliegt. Also zeigt was und erobert unsere Herzen. Und zwar jetzt, um 13 Uhr, bei gefühlten 33 Grad unter Null. CU later…
 
Und sollte mich jetzt um 15 Uhr 30 einer fragen, ob es sinnvoll war, sich bei dieser Saukälte ein Fußballspiel anzutun, dem sag ich frank und frei: Ja freilli!!! Schön war’s! Ein Punkt gegen Spitzenreiter Düsseldorf und Rumpelstielzchen Meier? Ja prima! Heute geht wirklich jeder zufrieden heim, außer vielleicht der Schiri, denn der Elfer für Dü’dorf war wohl eher ne Fehlentscheidung.
 
Aber okay, dafür hat der Beister ein wenig später einen Hundertprozentigen versiebt, und dafür hat der Herr Schiri dann den Lambertz in die wärmende Kabine geschickt, und dafür durften wir auch noch den Rösler beschimpfen weil der halt manchmal ein Kasperlkopf ist. Hat schon alles gepasst so.
 
Ingolstadts Neuzugänge wirklich erfreulich, großes Lob an Thomas Linke! Andi Buchner und Stefan Leitl gefielen mir auch ganz gut, besonders der Buchi in Halbzeit 1 mit ein paar wunderhübschen Aktionen. Und was war für mich das Beste? Der Flankenlauf des Andi Görlitz, inklusiver schöner Flanke? War sehr ansprechend, eigentlich sogar fast ein Wunder. Ikengs Tor, nachdem ich ihn in Minute zwei und vier schon wieder mal lautstark verflucht hatte?
 
Nein, liebe 70 Millionen Fans! Der Oral, dieser alte Fuchs. Der hat mir am besten gefallen. Tanzt der doch tatsächlich seit seinem Amtsantritt in annähernder Perfektion den Lucien Favre!! Hinten sauber dicht mit sechs, sieben Mann hinter dem Ball. Und viele in Ingolstadts Abwehr ja mittlerweile saubere Ochsen wie einst Briegel und Terry Butcher. Und vorne ein paar Zauberer die schön auf Konter lauern und dann zustechen wie die Hornissen.
 
Zugegeben, Reus und Nemec in einem Atemzug zu nennen, da braucht man schon ein paar Hochprozentige hinter der Binde, aber ich red ja auch erstmal nur vom Prinzip. Und das passt! Hinten steht seit Monaten höchstens mal ne 1, und das obwohl im Vergleich zu Möhlmanns Volksfestabwehr fast das gleiche Personal werkelt und blutgrätscht. Außer bereits dem oben erwähnten Ralph Gunesch.
 
Mann Ralle, wennste das Ding in der 90. in der Offensive versenkt hättest, dann wärste hier schon heut ne echte Legende. Unsere Freunde aus St. Pauli haben wahrlich nicht übertrieben, dein Einsatzwille ist vorbildlich, in der Abwehr ein Turm und bei Eckbällen ein Unruheherd in des Gegners Gefahrenzone. So wollen wir das sehn, so macht uns das Spaß.
 
So, jetzt lebt euch mal schön ein auf der Schanz, ihr lieben Neuzugänge. Und wenn ihr euch dann mal eingelebt habt, dann könnten wir ja vielleicht auch mal Freunde werden, ihr und 19er Alu. Und dann könnt der Ralle ja auch mal seinen Fanclub aus Hamburg hier in den Süden einladen, und dann gehen wir mal alle an die Donau und schocken unsere Biber. Oder wir lassen die Viecherl in Ruh und lassen uns ein Getränk oder nen Mykonos Teller mit viel Souvlaki kredenzen, in der Schwalbe, in der Aphrodite, am Baggersee oder im Englwirt, da wo der Lars, der Bernhard, der Klausi, der Alois und viele andere im Sommer 1990 Weltmeister wurden. Habt’s Lust?
 
Servus Eure Buben von 19er Alu



 
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