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13.08.2009 18:44 Uhr | 219x gelesen
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Amerikaner denken ökologisch


Bild: Amerikaner denken ökologisch .  Ingolstadt (DK) Drei aus Kalifornien, eines aus der Schweiz: Elektromotorräder sind auf dem Vormarsch. Das Zero-Trio und das Quantya sind on- und offroad emissionsfrei unterwegs, bieten einen Blick auf die zweirädrige Zukunft. Leise und sauber, denn laut ist out.

Ingolstadt (DK) Drei aus Kalifornien, eines aus der Schweiz: Elektromotorräder sind auf dem Vormarsch. Das Zero-Trio und das Quantya sind on- und offroad emissionsfrei unterwegs, bieten einen Blick auf die zweirädrige Zukunft. Leise und sauber, denn laut ist out.



Emissionsfrei und spektakulär: Die Zero X taugt für waghalsige Aktionen im Gelände. - Fotos: Zero/Quantya

Zero bietet ab sofort seine S (Straße/9790 Euro), seine MX (Motocross/7990) und die X (Gelände/7290) an, Quantya baut auf die Track (9121,35 Euro) und die Strada (9609,25). Schauen wir uns drei Modelle genauer an:

Elektrospaß im Gelände

Noch vor ein paar Jahren war es undenkbar, jetzt Realität: Motocross- und Enduromaschinen mit Elektroantrieb. Der Beginn dieses Trends kommt – wie so viele ökologische Innovationen – aus Kalifornien, und zwar aus Santa Cruz.

Zero Motorcycles heißt die Firma, die sich unter der Leitung von Neal Saiki daran machte, Crosser und Enduristen für den Elektroantrieb im Motorrad zu begeistern – inzwischen mit großem Erfolg. Derzeit werden 200 Bikes pro Monat gefertigt und auch nach Europa exportiert.

Saiki ist ein Techniker der Extraklasse mit einem Diplom in Luft- und Raumfahrttechnik. Ihm gelang es, ein Elektrobike mit einem Gewicht von gerade mal 69 Kilogramm auf die Räder zu stellen. Die Zero X besticht mit einem Drehmoment von 67,5 Nm, einem superleichten Alurahmen und einer Leistung von 23 PS die einem Lithium-Ionen-Akku entspringt. Nach zwei Stunden Ladezeit geht es für die selbe Zeit ins Gelände, ehe wieder geladen werden muss.

Man wählt zwischen zwei Fahrstufen – einer für schwieriges Gelände mit bis zu 45 km/h und einer für flotte Passagen mit bis zu 80 km/h. Selbst unter Volllast sind Reichweiten von bis zu 65 Kilometer machbar.

Wer über Crosserfahrung verfügt, weiß jedoch, dass eine Stunde im Gelände sehr oft reicht. Unerfahrene Biker haben bereits nach 15 Minuten dicke Unterarme.

Der Akku hält nach Herstellerangaben rund 1000 Ladungen stand – so wird die Sache selbst dann finanziell interessant, wenn ein neuer Akku rund 2000 Euro kostet. Rechnen wir einfach einmal: 50 Kilometer pro Ladung ergeben 50 000 Kilometer Laufleistung – für 2000 Euro. Das wären vier Cent pro Kilometer. Gut, dazu kommen noch die Stromkosten. Aber für was gibt es Photovoltaik- und Solaranlagen?

Keine Emissionen, keine Betriebsstoffe – fehlt eigentlich nur das krasse Geräusch. Den könnte ja ein MP3-Player direkt in den Gehörgang pumpen. . . 7290 Euro sind viel Geld. Aber eine gute Investition in eine Zukunft, die bereits begonnen hat und sich nicht mehr aufhalten lässt.

Der Straßenstromer

Neu auf dem Markt ist auch die Zero S. Keine Kupplung, kein Schalten, kein Leerlaufsuchen. Einfach den Schalter umlegen, und los geht’s. Und wie es abgeht: von null auf 50 in zwei Sekunden. Einfach unglaublich, wie handlich dieses 100 Kilogramm leichte Gerät ist. Ohne Geräusch – mit Ausnahme des Rasselns der Kette und des Abrollgeräuschs der Reifen – schiebt die Maschine nach vorne. Ein Drehmoment von 69 Nm reicht vollkommen aus.

Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 101 km/h ist der Fahrer allemal für eine Überlandfahrt gerüstet und kommt dabei immerhin 100 Kilometer weit. Überzeugend präsentieren sich auch Bremsen, Fahrwerk und Design.

Geladen wird an der Steckdose, am besten natürlich mit regenerativer Energie. Sonst kostet die volle Ladung (vier kWh) rund 80 Cent – das bedeutet weniger als ein Cent pro gefahrenem Kilometer.

Der Anschaffungspreis von 9790 Euro relativiert sich, weil es kein Nachtanken, keinen Ölwechsel – und keine Steuer geben wird. Durch die gewichtsabhängige Besteuerung wären höchstens sechs Euro Steuer pro Jahr fällig. Diese entfiele aber nach derzeitigem Stand, weil Beträge unter zehn Euro nicht erhoben werden. Erste Anmeldungen werden Licht ins Dunkel der Besteuerung bringen – in diesen Tagen werden erste Zero-Modelle ausgeliefert.

Die Versicherungen werden eher im unteren Bereich einstufen, da für sie die Dauerleistungsabgabe eine Rolle spielt. Sie fällt beim Elektrobike geringer aus als beim Benzinbetrieb. In anderen Ländern ist die Einstufung als 125er-Maschine bereits amtlich.

Der Vertrieb wird in Deutschland über lokale Servicecenter gesteuert, in denen den Kunden die gesamte Modellpalette zur Probefahrt zur Verfügung stehen wird. Dem umweltfreundlichen und lautlosen Motorradfahren mit 30 PS steht nach einer Ladedauer von vier Stunden nichts mehr im Wege.

Wie ein Motorrad

Hans Eder, Quantya-Importeur für Deutschland und Österreich, hat eine Vision. Er will die Elektro-Bikes aus der Schweiz nicht nur verkaufen, sondern mit so genannten Quantya-Parks (Quantyaparx) für jeden die Möglichkeit schaffen, sich mit dieser neuen Technologie vertraut zu machen.

Was ist die Quantya? Sie ist eine Enduro mit einem Gewicht von rund 85 Kilogramm, Kunststoffteilen von Husqvarna und Reifen, die eher an ein Downhill-Bike als an eine Enduro erinnern. Wer aber nun glaubt, es handle sich hier um ein Spielzeug, der irrt. Mit einem Drehmoment von 38 Nm und einer Leistung von 21 PS kann dieses Bike locker mit einer 250er Cross mithalten. Im Unterschied zur Zero ist die Sitzposition hier sehr gewohnt, nicht so "downhill-like". Den Schlüssel drehen und – Stille. Es wird einem wieder bewusst, dass eine neue Ära des Cross- und Endurofahrens beginnt. Eine lautlose. Schon beim Millimeter-Dreh am Gasgriff schiebt die Quantya gewaltig an. Der Spaß beginnt. Auch hier kein Schalten, kein Kuppeln. Volle Konzentration aufs Fahren.

Den größten Fahrspaß bieten Singletrials, aber auch sonst kommt Freude auf. Die Quantya-Macher bauen auf Lithium-Polymer-Akkus und nicht auf Lithium-Ionen-Technik wie bei der Zero. Der Quantya-Weg ist innovativer, und trotz des Mehrgewichtes sind die Fahrleistungen sehr gut. Der wesentliche Unterschied zur X aus den USA liegt spürbar darin, dass sich die Quantya wie ein Motorrad anfühlt und nicht wie ein Downhill-Bike.

Dazu gesellt sich eine professionelle Gabel und ein absolut korrekt arbeitendes hinteres Federbein. Der Hersteller gibt hier eine Garantie von zwei Jahren und spricht von 1000 möglichen Ladevorgängen pro Akku, die jeweils zwei Stunden Fahrfreude erlauben. Übrigens gibt es das Ganze auch als Straßenvariante mit Zulassung, welche mit B-Schein (125er) gefahren werden darf.

Fazit: Vorurteile beiseite schieben und ausprobieren. Mit Elektrobikes scheint die Zukunft des Motorsports auf zwei Rädern im Gelände gesichert. Emissionsfreier Fahrspaß ist garantiert. Da müsste es auch möglich sein, geeignete Gelände – selbst in direkter Stadtnähe – zu finden.


Von Kurt Sigl und Oliver Konze

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