Mittwoch, 30.05.2012 |

 

29.11.2011 19:44 Uhr | 609x gelesen
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Was bringt das Jahr 2012?


Die Euro-Schuldenkrise wird uns noch mehrere Jahre begleiten – davon sind Finanzexperten überzeugt. Doch was bedeutet das für Privatanleger? Was erwartet sie im kommenden Jahr? Wir haben nachgefragt.




Die Weltwirtschaft kühlt sich ab. Die Schuldenkrise in Europa und den USA droht die gesamte Welt in eine Rezession zu stürzen – das berichtet die OECD in ihrem neuen Wirtschaftsausblick. Laut den Experten sind die Risiken enorm, unverblümt schreiben sie von einer möglichen „Katastrophe“. Keine guten Aussichten für Privatanleger, die Angst um ihre Ersparnisse haben. Was kommt auf sie zu? Wie können sie ihr Geld dennoch sicher anlegen?
 
„Die Euro-Schuldenkriste hat die Märkte nach wie vor fest im Griff. Wir erwarten auch für 2012 weiterhin sehr hohe Volatilitäten, also nervöse und von starken Schwankungen geprägte Kapitalmärkte“, lautet die Einschätzung von Thomas Schröpfer, Niederlassungsleiter der Top Vermögen in München. Die gute Nachricht: „Da die Unternehmen heute meist deutlich besser aufgestellt sind als bei der letzten Finanzkrise 2008, ist das Rückschlagspotenzial nach unserer Einschätzung aber relativ begrenzt.“
 



Was bedeutet das für den Privatanleger? Kann er es wagen, sein Geld in Aktien zu investieren? Ja, meint Frank Rüdiger Griep, Vorstand der Vermögensanlage AltBayern in Regensburg. „Ich glaube an Aktien, weil die Europäische Zentralbank nach meiner Einschätzung den Geldhahn aufdreht – und deshalb wird es zu einer Liquiditätshausse kommen. Allerdings können Inflationsgefahren nicht ausgeschlossen werden – deshalb bleiben Anlagen in Zinspapieren auch risikobehaftet. Anlagen in Gold sollten auch im nächsten Jahr wieder zu einer guten Rendite führen.“
 

2012 der Wendepunkt für Gold?

 
Wobei 2012 der Wendepunkt für Gold eingeleitet werden könnte, nachdem der Preis mehr als zehn Jahre gestiegen sei, meint Gottfried Urban, Vorstand der Neuen Vermögen in Altötting. Vorsichtig sollten Anleger seiner Meinung nach bei Investments in Rohstoffen sein: „Sie sind sehr konjunkturabhängig und damit risikoreich.“
 
Michael Reuss von der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München ist sich sicher, dass sich die Aktienmärkte in der ersten Jahreshälfte noch etwas schwächer zeigen, weil sich in den Firmen die weltweit rückläufige Konjunktur spürbar bemerkbar macht. „In diesem Umfeld wird es wahrscheinlich ab Mitte des Jahres interessante Investitionsmöglichkeiten geben, weil die Aktienmärkte dann auf sehr attraktiven Bewertungsniveaus angekommen sind.“
 
Ein bisschen vorsichtiger zeigt sich Wolfgang Köbler von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. „Wir halten uns bei Neu-Engagements zurück. Ein nachhaltiger Anstieg der Kurse ist erst dann zu erwarten, wenn von den europäischen Staaten klare Zeichen der Vertrauensfindung für die Märkte kommen. Dann sind Branchen wie Nahrung, Konsumgüter, Pharma, Rohstoffproduzenten, Agrar und Luxusgüterhersteller interessant. Bei Banken und Energiewerten allerdings ist nach wie vor Zurückhaltung angesagt.“
 
Und wie geht es in Europa weiter – wird Italien kippen? „Nein, Italien ist zu groß, um zu kippen“, sagt Gottfried Urban. Und Griechenland? „Griechenland wird in die Insolvenz gehen. Das kann aber erst passieren, wenn die Banken genügend Eigenkapital in den Bilanzen stehen haben, um einen eventuellen Dominoeffekt zu verkraften.“
 

 
Die Inflation wird sich wieder zurückbilden und relativ überschaubar bleiben wird, glaubt Michael Reuss. Dass keine tiefe Rezession kommt, davon sind alle Vermögensverwalter überzeugt. Zumindest Deutschland wird lediglich eine Wachstumsdelle erfahren, so Urban. Und wichtig etwa für Verbraucher, die sich ihren Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen wollen: „Die Zinsen werden über Jahre tief bleiben.“ Auch der Immobilienmarkt bleibe stabil, wobei man die demografische Belastung ab dem Jahr 2020 nicht außer Acht lassen dürfe. Sprich: In den nächsten Jahrzehnten ist in Deutschland mit einem Bevölkerungsrückgang zu rechen – was mittelfristig zu sinkenden Immobilienpreisen führen wird. Das ist gerade für den Aufbau der Altersvorsorge ein nicht zu vernachlässigender Punkt.
 
Gottfried Urban hat eine weitere Empfehlung für die Anleger: „Unternehmensanleihen gehören in jedes Depot als Ersatz für Bank- und Staatsanleihen.“ Und auch Michael Reuss setzt auf diese Anlageform. „Speziell im Bereich der Unternehmensanleihen rechnen wir aufgrund der abnehmenden Finanzierungstätigkeiten der Banken mit attraktiven Neuemissionen im kommenden Jahr.“
 
Unabdingbar ist auch, an die Flexibilität und die Streuung des Vermögens zu denken, um auf entsprechende Veränderung – nicht zuletzt durch die Einflussnahme der Politik – reagieren zu können. „Und bei jedem Anleger muss die persönliche Situation und die individuelle Chancen- und Risikowahrnehmung berücksichtigt werden“, betont Thomas Schröpfer.
 


Von Sandra Mönius
 
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