"Phthalate können durch Kontakt mit Blut oder Infusionslösungen leicht aus dem Kunststoff herausgelöst werden, da sie nicht fest an diesen gebunden sind", sagt der Toxikologe Holger Koch von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Bekommen etwa Frühgeborene viele Infusionen, können sie den Stoff DEHP in bedenklichen Konzentrationen aufnehmen. Magensaftresistente Kapselüberzüge oder Nahrungsergänzungsmittel enthalten oft die Substanz DBP. Nehmen Schwangere solche Präparate ein, kann dies im Mutterleib bei männlichen Nachkommen zu Störungen der sexuellen Entwicklung führen. Phthalate stören die Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron, was später zu Fruchtbarkeitsproblemen führen kann.

Hormonell aktive Phthalate wurden schon oft im Urin der Allgemeinbevölkerung nachgewiesen. "Die aufgenommenen Mengen übersteigen zum Teil die empfohlene Obergrenze", betont Koch. Zudem zeigen Studien, dass sich unterschiedliche Phthalate in jeweils geringer Konzentration in ihrer schädigenden Wirkung summieren. Wichtig angesichts dieser Erkenntnisse ist, dass phthalathaltige Medizinprodukte durch phthalatfreie ersetzt werden", fordert Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Zumindest Medizinprodukte, die den Weichmacher DHEP enthalten, sind inzwischen in der EU gekennzeichnet. AP