Carlos Arthur Nuzman (Mitte) bleibt in Haft Carlos Arthur Nuzman (Mitte) bleibt in Haft
Carlos Arthur Nuzman (Mitte) bleibt in Haft
© 2017 SID

Die auf fünf Tage begrenzte vorläufige Festnahme des ehemaligen brasilianischen Olympia-Chefs Carlos Arthur Nuzman ist in eine unbefristete U-Haft umgewandelt worden. Der Bundesrichter, der für die Ermittlung im Skandal um vermeintlichen Stimmenkauf bei der Wahl Rio de Janeiros zum Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2016 zuständig ist, will damit verhindern, dass der 75-Jährige die Beweisaufnahme stört.

Richter Marcelo Bretas begründete seine Entscheidung zudem mit einer nun aufgetauchten E-Mail, in der Nuzman, der sich von seinen Ämtern als Chef des Nationalen Olympischen Komitees (COB) sowie des Organisationskomitees der Spiele 2016 freistellen ließ, das Rio-OK zur Zahlung von umgerechnet 1,46 Millionen Euro an die ihn verteidigende Anwaltskanzlei anwies. Laut OK stoppte der Aufsichtsrat die Überweisung in letzter Sekunde.

Der Fakt birgt Brisanz, da das OK selbst auf Schulden zwischen umgerechnet 30 und 35 Millionen Euro sitzt. Weil wegen der klammen Staatskasse von brasilianischer Regierungsseite keine zusätzlichen Gelder zu erwarten sind, hatte sich Nuzman mehrmals an das IOC gewandt, das aufgrund fehlender Details über die Außenstände aber eine erneute Finanzspritze verwehrte.

Nuzman, der bereits Anfang September nach einer Hausdurchsuchung polizeilich verhört worden war, musste am Donnerstag hinter Gitter antreten. Das IOC reagierte einen Tag später mit der Suspendierung seines Ehrenmitglieds und der Abberufung des altgedienten Funktionärs aus der Koordinierungskommission für die Sommerspiele 2020 in Tokio.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Zahlung von mindestens zwei Millionen Dollar an den senegalesischen Unternehmer Papa Massata Diack mit Verbindung zu afrikanischen IOC-Mitgliedern wenige Tage vor der Vergabe der 31. Olympischen Sommerspiele im Oktober 2009. Nuzman soll dabei die Kontakte zwischen Diack und der "kriminellen Organisation" (Zitat Staatsanwaltschaft) um den damaligen Rio-Gouverneur Sergio Cabral geknüpft haben.