Das IOC steht unter Druck Das IOC steht unter Druck
Das IOC steht unter Druck
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Führende internationale Anti-Doping-Experten haben im Fall des russischen Staatsdopings erneut harte Konsequenzen vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gefordert. "Wir würden in Zukunft gerne wieder mit Russland zusammenarbeiten, aber es gibt noch eine Rechnung von Sotschi zu begleichen", sagte der Vorsitzende der dänischen Anti-Doping-Agentur Michael Ask.

Bei einer Podiumsdiskussion der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) am Donnerstag in Bonn zeigten sich die Vertreter der iNADO, dem Zusammenschluss von 68 Nationalen Anti-Doping-Agenturen, unzufrieden über die noch immer fehlenden Sanktionen des IOC gegenüber Russland. "Ich denke, dass die Sportgemeinschaft sich zu schwach verhalten hat. Die Sportorganisationen müssen Stärke zeigen und handeln", sagte Rune Andersen, Vorsitzender der IAAF-Taskforce für Russland.

Zwei IOC-Kommissionen befassen sich derzeit mit dem Skandal. Das IOC wollte ursprünglich im Oktober, noch vor Beginn der Wintersportsaison und rechtzeitig vor den Winterspielen, Maßnahmen treffen. Noch stehen die Ergebnisse aber aus.

Das IOC hatte eine Woche vor Beginn der Sommerspiele in Rio de Janeiro auf eine Kollektivstrafe gegen Russland verzichtet. Dass eine solche Maßnahme im Hinblick auf Pyeongchang getroffen wird, ist unwahrscheinlich. "Es ist, als wenn der Fuchs auf den Hühnerstall aufpasst", sagte Ask, der damit den vorhandenen Interessenkonflikt innerhalb der von IOC-Mitgliedern besetzten Kommissionen ansprach.

Für den Vorsitzenden der iNADO, Joseph de Pencier, muss die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA erst wieder an Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, bevor russische Sportler an Olympischen Spielen teilnehmen dürfen. Den Zeitraum bis zu den Wettkämpfen in Südkorea (9. bis 25. Februar) hält er dafür jedoch zu kurz: "Tokio 2020 ist ein angemesseneres Ziel als Pyeongchang 2018", sagte de Pencier dem SID.