Eishockey-Bundestrainer Marco Sturm gibt sich Mühe, sein Torhüter-Problem vor dem Start des Olympia-Turniers öffentlich nicht einzugestehen. Es sind die Zwischentöne, die keinen Zweifel daran lassen: Die Weigerung der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL, die weltbesten Spieler für Olympia freizugeben, trifft die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auf keiner anderen Position so hart. Erstmals in seiner Amtszeit hat Sturm in Pyeongchang nicht mindestens einen der beiden NHL-Goalies Philipp Grubauer (Washington Capitals) und Thomas Greiss (New York Islanders) bei einem großen Turnier zur Verfügung.

"Sicher waren Greiss und Grubauer immer eine Bank. Das brauchen wir auch hier", sagte Sturm vor dem ersten deutschen Spiel am Donnerstag (4.10 Uhr MEZ/ARD und Eurosport) gegen Finnland und fügte hinzu: "Ich bin aber schon davon überzeugt, dass einer von den Dreien, die hier sind, das hier auch machen kann." Sehr überzeugt klang Sturm dabei aber nicht.

Einer dieser Dreien ist ERC-Goalie Timo Pielmeier. Zudem stehen aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) Dennis Endras von den Adler Mannheim und Danny aus den Birken vom EHC München zur Verfügung. Sturm nennt dieses Trio "solide". In überragender Form ist niemand von ihnen. "Alle drei sind bei ihren Vereinen nicht die klare Nummer eins", sagte selbst Sturm.

Dies spricht durchaus für sich, denn recht hat der Bundestrainer damit eigentlich nicht. Lediglich beim Meister München teilt sich aus den Birken den Job zwischen den Pfosten mit US-Olympia-Keeper David Leggio. Daher hat der 33-Jährige mit nur 1500 Spielminuten in der Deutschen Eishockey-Liga auch die geringste Einsatzzeit des Trios, bei nur 727 Schüssen auf sein Tor aber die beste Fangquote (92,9). Der 28-jährige Ingolstädter Pielmeier liegt mit 92,5 Prozent nur unwesentlich dahinter, bekam in 1935 Spielminuten aber 972 Schüsse auf sein Tor.

Mit seinem früheren Mitspieler aus den Birken dürfte Sturm aber nun ins Turnier starten. "Ich kenne Danny noch aus meiner Kölner Zeit. Wenn ich sehe, wie weit er jetzt ist, hat er wirklich schon einen Fortschritt gemacht", lobte Sturm trotz aus den Birkens Patzern bei der Heim-WM im vergangenen Mai, die eine bessere Vorrundenplatzierung verhindert hatten. Damals war aus den Birken eingesprungen, als sich Greiss verletzt und Grubauer noch nicht zur Verfügung gestanden hatte. "Meine Entwicklung geht nach oben", befand aus den Birken jedoch selbst.

Im Olympia-Test beim 2:1 in der Vorwoche in der Schweiz setzte Sturm bereits auf aus den Birken. "Das ist natürlich ein gutes Zeichen", sagte der gebürtige Düsseldorfer. Praktischerweise nahm Sturm mit Patrick Dallaire auch aus den Birkens Torwarttrainer aus München gleich mit.

Offiziell entscheiden will Sturm erst morgen, doch vieles spricht dafür, dass Deutschlands WM-Held von 2010, Dennis Endras, erneut leer ausgeht. "Wir sind uns alle darin einig, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Egal, wer spielt", sagte Endras, der mit 2075 Minuten von allen drei DEB-Torhütern die meiste Zeit auf dem Eis stand, allerdings die schwächste Fangquote (90,2 Prozent) aufweist. Im Nationaltrikot hat er zudem die meiste Erfahrung.

Unvergessen, wie der heute 32-Jährige bei der Heim-WM vor acht Jahren Deutschland sensationell ins Halbfinale geführt hatte und zum besten Spieler des Turniers gewählt worden war. "Bei Dennis weiß ich auch, was er kann", sagte Sturm zwar. Unerschütterliche Rückendeckung, die Endras für Top-Leistungen indes benötigt, gibt es aber nicht. Schon im vergangenen Jahr wollte sich Endras bei der erneuten Heim-WM nicht als dritter Keeper auf die Bank setzen.

Dass Greiss und Grubauer deutlich besser als das aktuell verfügbare Trio sind, wird auch im Team nicht geleugnet. "Es gibt schon einen Grund, warum die Jungs sich drüben durchgesetzt haben", sagte Kapitän Marcel Goc. "Aus unserer Sicht ist es aber egal, wer hinten drin steht."