Aber hier und jetzt? Gerade kommen die deutschen Nationalspieler vom Eis, ein paar bleiben stehen, um Fragen zu beantworten. Eine Diplom-Übersetzerin aus Seoul ist wahrlich nicht notwendig - auch wenn der eine oder andere Bayer dabei ist.

Lee Seonyeong, in Deutschland geboren und aufgewachsen, bemerkt, dass sie nicht gebraucht wird. "Vielleicht kann ich ja bei anderer Gelegenheit helfen, wenn Sie eine Übersetzung aus dem Koreanischen benötigen", sagt sie und überreicht ihre Visitenkarte.

Doch, helfen könnte Sie schon. Nicht mit einer Übersetzung, aber mit einer Erklärung. Warum schwenkten bei den Spielen des vereinten koreanischen Frauen-Teams alle Zuschauer Einheitsfähnchen und riefen: "Wir sind eins"? Wollen die Südkoreaner wirklich die Wiedervereinigung mit dem Norden?

"Sie unterstützen die gemeinsame Mannschaft", sagt Lee, "das machen sie, weil es Olympia ist." Ob eine Mehrheit für einen koreanischen Staat ist? "Das ist eine Frage der Generation", erklärt Lee, "die Älteren wollen es, die Jüngeren eher nicht. Sie sind zufrieden mit dem, was sie haben. Außerdem provoziert der Norden immer wieder." Aber die Deutschen hätten die Wiedervereinigung doch auch geschafft, wendet der Berichterstatter ein. "Ja", sagt Lee, "das stimmt. Und ihr habt es gut gemacht." ‹Œsid