Das Vergnügen dabei hält sich allerdings in Grenzen. Kienle startet in diesem Jahr zum sechsten Mal seit 2012 in Kona. Er war immer unter den Top Ten. 2014 erfüllte er sich seinen Lebenstraum mit dem Sieg auf Hawaii, dem bedeutendsten Ironman, gleichzeitig die Weltmeisterschaft der Extremsportler. Das hat sein Leben stark verändert. "Auch mein Bankkonto", schmunzelt Kienle, der immer zu einem Späßchen aufgelegt ist.

Wer Hawaii einmal gewonnen hat, wer einmal als Erster den Zieleinlauf auf dem Ali'i Drive in Kona passierte, hat eigentlich alles erreicht im Triathlon-Sport. Doch Sebastian Kienle ist trotz des historischen Triumphes immer noch heiß. Er brennt, und sein großes Ziel heißt auch 2017: King of Kona werden, noch einmal auf Hawaii gewinnen. Dazu muss er allerdings den Vorjahressieger und großen Favoriten Jan Frodeno schlagen. Einer von Kienles Konkurrenten kann nicht starten: Der Ironman-Rekordhalter Tim Don ist beim Radtraining verunglückt. Der 39-jährige Brite wurde gestern von einem Auto angefahren und erlitt einen Halswirbelbruch. Er müsse aber nicht operiert werden, berichtete er. Kienle sprach vor dem Rennen (ab Sonntag, 0.25 Uhr, live im ZDF) über...

 

  •  ...die Form und die letzte Vorbereitung vor Ort: "Die Form ist sehr gut, soweit man das vom Training her beurteilen kann", sagt Kienle. Die Vorbereitung sei fast reibungslos verlaufen. "Nach dem Sieg beim Ironman Frankfurt hatte ich doch ein paar Probleme. Es ist immer schön, wenn es dann die letzten Wochen vor einem Höhepunkt noch einmal richtig vorwärtsgeht", fiebert Kienle dem Start am kommenden Samstag (6.25 Uhr Ortszeit) entgegen.

 

  •  ...die Nervosität vor dem Rennen: "Ich bin sehr nervös", gibt Kienle zu. Nervosität sei aber auch wichtig, "sonst kann man keine Top-Leistung bringen. Auch Routine und ein gut eingespieltes Team helfen mir enorm", betont der Hawaii-Mitfavorit, der nicht nur seinem Freund Jan Frodeno, sondern auch noch seinem Landsmann Patrick Lange, 2016 immerhin Dritter auf Hawaii hinter Frodeno und Kienle, gute Chancen einräumt.

 

  •  ...den fünften Platz bei der 70.3-WM Anfang September: War das ein Dämpfer oder zusätzliche Motivation? "Weder noch", glaubt Kienle, der diese WM auf der Halbdistanz 2012 und 2013 gewonnen hatte. "Ich wusste, dass ich nicht schlecht in Form bin, aber vielleicht noch nicht bei 100 Prozent. Natürlich war ich mit dem Ergebnis bei der 70.3-WM nicht ganz zufrieden. Aber ich habe schon gemerkt, dass es in die richtige Richtung geht", glaubt sich der Profi, der als Perfektionist in seinem Sport gilt, gut gewappnet.

 

  •  ...Topfavorit Jan Frodeno, der Hawaii 2015 und 2016 gewonnen hat: "Ich sehe Jan auch in der Favoriten-Stellung", sieht Kienle die Ausgangslage realistisch, fügt allerdings selbstbewusst hinzu: "Ich bin aber der Meinung, dass gerade in diesem Jahr sehr viele Athleten auf einem sehr guten Niveau sind. Für einen Sieg kommen für mich noch Ben Hoffmann und Lionel Sanders infrage. Jan ist extrem stark, aber nicht unschlagbar. Und er hat in diesem Jahr noch keinen bedeutenden Wettkampf gewonnen", gibt Kienle zu bedenken.

 

  •  ...das Rennen: "Sicher muss ich an mein Limit kommen, um ihn zu schlagen, vor allem aber auch dran glauben", sagt Kienle. Aus Erfahrung weiß er: "In Kona kann viel passieren. Man kämpft nicht nur gegen die Gegner, sondern auch mit den Elementen und sich selbst, auch das ist ein Kampf, den Jan wieder gewinnen muss, wenn er alle schlagen will."