Erlangen: "Wir müssen aus unseren Fehlern lernen"
Kaum ein Durchkommen gab es für Christopher Bissel (Mitte) und die Handballer des HC Erlangen im Heimspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt. Heute will der HCE in Lemgo bissiger agieren. - Foto: Rimmelspacher
Erlangen

Am Ende aber verwies das Top-Team der SG Flensburg-Handewitt die Gastgeber beim 29:20 (11:7)-Erfolg am vergangenen Donnerstag klar in die Schranken.

Die Analyse des Erlanger Übungsleiters Adalsteinn Eyjólfsson fiel im Anschluss entsprechend nüchtern aus: "Man muss neidlos anerkennen, dass sie heute einfach zu stark für uns waren", bilanzierte der Isländer - wohl wissend, dass seine Schützlinge die Punkte im Abstiegskampf gegen andere Kaliber holen müssen. Beispielsweise im wichtigen Duell gegen den derzeit neuntplatzierten TBV Lemgo, bei dem der HCE heute Abend (19 Uhr) antritt.

Auf jenem neunten Platz beendeten die Erlanger die vergangene Saison - und erzielten damit das beste Ergebnis eines Aufsteigers in den vergangenen zehn Jahren. Die Verantwortlichen beim HCE, aktuell Tabellen-13., geben sich aber in dieser Spielzeit bescheiden - kein Wunder: 2010 stand der Verein noch kurz vor der Pleite. Die Mittel sind auch heute noch begrenzt, das Team muss so im zweiten Liga-Jahr den Klassenerhalt ohne echten Superstar schaffen. Bekannteste Akteure im Kader sind Rechtsaußen und Europameister Johannes Sellin sowie Routinier Michael Haas, Weltmeister von 2007.

Und dennoch dürfte es Eyjólfsson insgeheim ein wenig gewurmt haben, wie sich seine Mannschaft im jüngsten Heimspiel präsentiert hatte. Denn trotz technischer Fehler und Unkonzentriertheiten im Angriff, die sich die Erlanger leisteten, blieben sie gegen keineswegs überragende Flensburger bis Anfang der zweiten Spielhälfte in Schlagweite.

Den Sieg hatten die Gäste letztlich vor allem einem Mann zu verdanken: Mattias Andersson. Der schwedische Torhüter, der seine aktive Karriere im Sommer nach 17 Jahren in der Bundesliga beenden wird, erwischte einen absoluten Sahnetag und zog den Erlangern mit teils unfassbaren Paraden den Zahn. 18 parierte Würfe standen für den 39-Jährigen am Ende zu Buche, darunter zwei gehaltene Siebenmeter. Mehr als 44 Prozent der Erlanger Versuche wehrte der Flensburger Keeper ab und machte dabei selbst freieste Würfe der Gastgeber zunichte. "Wenn Andersson im Tor so einen Tag erwischt, wird es für jeden Gegner schwer", urteilte dann auch HCE-Geschäftsführer René Selke nach der Partie.

Folglich war die Pleite schnell abgehakt - und der Fokus auf die Partie in Lemgo gerichtet. Der heutige Gegner des HC Erlangen ließ am vergangenen Spieltag durchaus aufhorchen - allerdings im negativen Sinne. Denn der TBV erlebte ein denkwürdiges Debakel. Beim Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen bekamen die Lemgoer kein Bein auf den Boden und lagen zur Halbzeit mit sage und schreibe 4:23 zurück. Erst nach 17 Minuten gelang den Gästen ein Tor, satte 14 hatten sie zu diesem Zeitpunkt bereits kassiert.

Dass die derbe Klatsche den Erlangern in die Karten spielt, glaubt beim HCE allerdings niemand. "Das macht es nicht einfacher", sagte Eyjólfsson. "Denn da treffen jetzt zwei Mannschaften aufeinander, die unbedingt ein anderes Gesicht zeigen wollen", prognostizierte der HCE-Coach. "Wir müssen in erster Linie aus unseren eigenen Fehlern lernen und das tun, was wir beeinflussen können. Etwas anderes bleibt uns auch nicht übrig." Eine Tatsache dürfte die Erlanger dann allerdings doch für heute Abend zuversichtlich stimmen: Einen solchen Hexer wie Mattias Andersson hat der TBV Lemgo zweifelsfrei nicht in seinen Reihen.