Baden gegangen: Andreas Schwarz, der Juniorchef des Langenmosener Stalls MS Diamanten, feierte den Gewinn des Deutschen Traberderbys 2017 auf eine ganz besondere Weise ? nämlich mit einem gekonnten Sprung in den Rennbahnteich..
Baden gegangen: Andreas Schwarz, der Juniorchef des Langenmosener Stalls MS Diamanten, feierte den Gewinn des Deutschen Traberderbys 2017 auf eine ganz besondere Weise – nämlich mit einem gekonnten Sprung in den Rennbahnteich.
Marius Schwarz/imago
Berlin/Langenmosen

Da nämlich ließ Tsunami Diamant (mit dem Niederländer Robin Bakker im Sulky) all seine Kontrahenten gnadenlos stehen, zog auf den letzten Metern auch noch um wenige Zentimeter am bisher führenden Flying Fortuna vorbei – und sorgte dadurch für regelrechte Jubelstürme bei seinen Besitzern. „Wir sind am Ziel unserer Träume“, so Seniorchef Max Schwarz – gerührt, ergriffen, überglücklich: „Dieser Triumph war uns noch abgegangen. Er ist das Größte, was man als Züchter erreichen kann.“

Dabei war heuer nicht unbedingt mit einem Derbysieg für den Stall aus dem Altlandkreis Schrobenhausen zu rechnen, Tsunami Diamant hatte bestenfalls nur als Mitfavorit gegolten (Quote: 46:10). Dass es letztlich doch anders kam, lag nicht zuletzt an Robin Bakker: Der niederländische Erfolgsfahrer, der das wichtigste deutsche Trabrennen bereits in den vorherigen vier Jahren dreimal gewonnen hatte, wählte auch diesmal wieder exakt die richtige Taktik. „Man muss zunächst im Rücken der Konkurrenten sein, um sie genau beobachten zu können“, erklärt Max Schwarz: „Das machte Robin Bakker mit Tsunami Diamant ganz hervorragend – um ihn dann, auf der Zielgeraden, genau im richtigen Moment herauszunehmen und mit ihm an allen restlichen Pferden förmlich vorbeizufliegen.“

„Wir haben uns den Erfolg nicht irgendwieerkauft, sondern mit viel Fleiß sowie auchGeduld erarbeitet.“

Seniorchef Max Schwarz

 

Nur waren’s wirklich alle? Denn als sich die Familie Schwarz unmittelbar nach Rennende freudetrunken in den Armen lag, dröhnte plötzlich eine Durchsage durch die Lautsprecher, dass die Zielfotoanlage in Berlin-Mariendorf ausgefallen sei. „Eigentlich war ich mir ja sicher, dass Tsunami Diamant ganz vorne lag. Aber da ich während des Rennens rund 400 Meter von der Bahn weggestanden war und es dadurch nur auf der Leinwand verfolgen konnte, kamen dann plötzlich doch wieder Zweifel auf“, berichtet Max Schwarz.

So begannen Minuten des Bangens und des Zitterns, die sich für die Delegation aus Langenmosen sowie Mitbesitzer Johann Holzapfel (München) wie Stunden anfühlten – erst recht, nachdem nach rund einer Viertelstunde das Gerücht die Runde machte, dass das Deutsche Traberderby 2017 als „Totes Rennen“ gewertet werden würde. Das hätte bedeutet, dass laut der Rennleitung Tsunami Diamant und Flying Fortuna exakt gleichauf die Berliner Ziellinie überquert hätten. Die 120704 Euro an Siegprämie sowie die 60000 Euro für den Zweitplatzierten wären in diesem Fall geteilt worden, jeder hätte also rund 90000 Euro bekommen.

„Lieber einer von gleich zwei Siegern als gar kein Sieger“, dachte sich Max Schwarz in diesem Moment – um weitere acht Minuten später eben komplett am Ziel seiner Träume zu sein. Da nämlich wurde nach Auswertung der Rennverfilmung definitiv entschieden, dass Tsunami Diamant doch eine halbe Länge Vorsprung besaß. Der erste Rang ging damit allein an den dreijährigen Hengst aus Langenmosen.

Da ließ sich Andreas Schwarz nicht mehr lumpen – sondern schritt zur Tat: Der Juniorchef beziehungsweise Züchter hatte im Vorfeld ja versprochen, dass er bei einem Derbysieg spontan in den Rennbahnteich in Mariendorf springen würde – und das machte er jetzt auch, in kompletter Bekleidung, mit einem technisch durchaus hochwertigen Sprung. Sein Vater Max verfolgte es mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „Vor zwölf Jahren, als unser Gustav Diamant Dritter beim Deutschen Traberderby geworden war, hatte ich genau das Gleiche getan. Ich weiß also, wie sich das anfühlt.“

Ganz vorne in Mariendorf: Tsunami Diamant mit Robin Bakker im Sulky.
Ganz vorne in Mariendorf: Tsunami Diamant mit Robin Bakker im Sulky.
Marius Schwarz/imago
Berlin/Langenmosen

Heuer verzichtete der Seniorchef auf eine spontane Abkühlung – und genoss einfach den Triumph in vollen Zügen. Dass Tsunami Diamant in 1:12,6 Minuten zudem einen neuen Rekord für Deutschen Traberderbys aufgestellt hatte – es machte den Tag für die Familie Schwarz noch perfekter.

„Wir sind Besitzer von Gustav Diamant – also dem Vater – sind Besitzer der Mutter und sind Besitzer von Tsunami Diamant selbst. Er wurde in unserem Stall in Eppertshofen geboren und machte dort seine ersten Schritte“, erzählt Max Schwarz stolz: „Wir haben uns den Erfolg also nicht irgendwie erkauft, sondern mit viel Fleiß sowie auch Geduld erarbeitet.“

In seinen Rennen zuvor hatte Tsunami Diamant insgesamt rund 21000 Euro eingefahren. Jetzt, an diesem Sonntagabend, kam gleich die fast sechsfache Summe hinzu. Aber das interessiert seine Besitzer nur am Rande. Für sie zählt einfach nur dieser besondere Moment, das traditionsreiche Derby gewonnen zu haben. „Endlich, endlich, endlich!“, jubelt Max Schwarz erleichtert: „Wir hatten zuvor zwar schon neunmal das deutsche Züchterchampionat für Trabrennpferde gewonnen – und wir werden’s im Jahr 2017 ziemlich sicher das zehnte Mal tun – aber dieser Derbytriumph in Mariendorf fehlte einfach noch in unserer schönen Sammlung. Er musste unbedingt her – und jetzt ist er da.“

Bloß das heißt noch lange nicht, dass bei MS Diamanten nun irgendwie ein Gang zurückgeschaltet wird. „Warum sollte es im nächsten Jahr eigentlich nicht gleich mit einer Titelverteidigung beim Derby klappen?“, fragt der Seniorchef lächelnd: „Wir haben auch sehr gute Zweijährige im Stall, und wir werden definitiv mit großer Leidenschaft weiterarbeiten.“

Damit Andreas Schwarz 2018 wieder in den Rennbahnteich in Mariendorf springen kann? Heuer tat es der Juniorchef übrigens sogar zweimal – denn nach der großen Siegerehrung (stolz mit einer bayerischen Fahne) sprang er auf Wunsch der anwesenden Fotografen nochmals ins Nass. Damit es von der überschwänglichen Langenmosener Freude auch ausreichend Bildbeweise für die Nachwelt gibt.