Mühlried: Hinter der Torlinie   oder nicht?
Eher kein Tor: Geht es rein nach diesem Foto, dann rettete Aresings Keeper Simon Irrenhauser in der 88. Minute deutlich vor der Torlinie. Aber in der Kreisklasse Aichach gibt es eben - im Gegensatz zur Ersten Bundesliga - keinen Videobeweis. - Foto: M. Schalk
Mühlried

Kreisklasse Aichach

Im deutschen Fußball-Oberhaus wäre das Ganze denkbar einfach gewesen. Der zuständige Schiedsrichter hätte in der 88. Minute schnell mal den Videobeweis angefordert, ein Kollege in Köln hätte sich die Situation nochmals mit technischen Hilfsmitteln angesehen - und dann zweifelsfrei darüber geurteilt, ob der Ball mit vollem Umfang hinter der BCA-Torlinie gewesen ist oder nicht. Referee Senol Aydogan aus Aichach stand gestern jedoch allein da - und musste darüber richten, ob Reiner Lohwassers Kopfball nun das 1:1 bedeutete. Nach Meinung aller Mühlrieder: natürlich, hundertprozentig. Während sich alle Aresinger einig waren: niemals. Aydogan machte noch zwei kurze Bewegungen zurück - warum auch immer - um dann doch Richtung Mittelkreis zu zeigen. Also Tor. Und der BCA gab hiermit noch einen schon sicher geglaubten Derbyerfolg aus der Hand.

Es spricht für BCA-Cheftrainer Florian Hergeth, dass er die Schuld für die "zwei verschenkten Punkte" nicht beim Unparteiischen suchte: "Der Schiedsrichter wird es schon richtig gesehen haben. Ich konnte es von meinem Standort jedenfalls nicht sagen, ob der Kopfball wirklich drin war." Was den 32-Jährigen viel mehr ärgerte, war die Tatsache, dass sich die Seinen nach dem 1:0-Führungstreffer durch Mathias Höß (47.) viel zu sehr nach hinten drängen ließen: "Wir verpassten es einfach, den Sack zuzumachen. Ich hätte mir da mehr Abgezocktheit, mehr Abgeklärtheit bei uns gewünscht."

Zugegeben, der BCA wirkte technisch versierter - aber die letzte Entschlossenheit, die letzte Genauigkeit fehlte in seinen Aktionen. Ganz anders die Mühlrieder, die es dank ihres bedingungslosen Einsatzwillens immer wieder schafften, sich klare Torchancen zu erarbeiten. So hatten sie bereits in der ersten Halbzeit Pech mit einem Lattenknaller von Marco Rechenauer (5.), zudem vergab Lohwasser gleich zweimal aus besten Positionen (29./38.) - während auf der anderen Seite Andreas Zeitlmair das Kunststück fertigbrachte, aus kurzer Distanz nicht ins leere SCM-Gehäuse zu treffen, sondern Plamen Nikolov anzuschießen (35.). Kurzum: Dass es nach 45 Minuten noch torlos stand, war nahezu unglaublich.

Der Hößsche Treffer kurz nach dem Seitenwechsel tat dem Match zusätzlich gut, es wurde dadurch noch intensiver. Aber wie es Lohwasser dann schaffte, die Kugel aus acht Metern Torentfernung freistehend in den Nachmittagshimmel zu jagen (49.)? Als der 35-Jährige dann einen Kopfball aus kurzer Distanz auch noch genau in die Arme von BCA-Keeper Simon Irrenhauser setzte (76.), schien er endgültig zum tragischen Helden an diesem Nachmittag zu werden. Ausgerechnet er, der zuvor in dieser Saison bereits viermal für die Blauweißen eingenetzt hatte.

Aber dann kam eben die 88. Minute, Lohwasser durfte doch noch jubeln - und mit ihm der gesamte SCM. "Kompliment an unser Team. Es hat diesmal sein wahres Gesicht gezeigt, nie aufgegeben und stattdessen gefightet bis zum Schluss", so das Fazit von Mühlrieds Fußballboss Harry Reisner: "Aufgrund des späten Ausgleichs war das Unentschieden vielleicht glücklich - aber wir hatten es uns absolut verdient."