Pfaffenhofen: "Bewegung ist ein Stück Gesundheit"
Mit Eifer dabei: Der 3000-Meter-Lauf (oben) ist die letzte Disziplin für die Teilnehmer. Das Feld (unten) setzt sich dabei von Mal zu Mal bunt aus Alt und Jung zusammen.
Pfaffenhofen

Samstagnachmittag, es nieselt in Pfaffenhofen und der Herbst macht klar, dass mit ihm von nun an zu rechnen ist. Und trotzdem stehen 15 Menschen in Sportbekleidung neben der Tartanbahn des Sportplatzes der Realschule und warten darauf, dass es losgeht. Dabei ist weniger die Tatsache bemerkenswert, dass trotz des eher ungemütlichen Wetters Sport an der frischen Luft für einige Landkreisbürger eine Alternative darstellt, sondern vielmehr die Zusammensetzung der Gruppe. Buben und Mädchen machen sich hier warm, genauso wie Männer und Frauen mittleren Alters. Und sie alle haben dasselbe Ziel: Sie wollen das Deutsche Sportabzeichen ablegen.

"Vor acht Jahren hat meine ganze Familie angefangen, hier mitzumachen", sagt Eva Wohlers. "Es ist jedes Jahr nett hier und macht Spaß." Ein besonderes Trainingsprogramm spult die 16-Jährige im Vorfeld nicht ab, vielmehr ist es die Freude an der Bewegung - sie hat schon Abzeichen in Bronze, Silber und Gold erhalten. "Beim zehnten Mal bekommt man ein besonderes Zeichen überreicht", erklärt sie.

Es ist diese Mischung aus Spaß an der Bewegung und dem Ehrgeiz, vorgegebene Weiten und Zeiten zu erreichen, auf die sich hier alle einigen können. "Ich habe früher schon viel Sport gemacht", sagt Gerlinde Heinzinger. "Mit sieben Jahren habe ich beim MTV Pfaffenhofen mit Leichtathletik angefangen und später viel Handball und Fußball gespielt. Ich bin heute das erste Mal da und würde gerne alle Disziplinen in einem Rutsch absolvieren."

Wer das Deutsche Sportabzeichen erhalten möchte, muss aus den vier Bereichen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination je eine Sportart in einer dem Alter entsprechenden Zeit oder Weite absolvieren. Dabei können die verschiedenen Disziplinen aber zu mehreren Terminen abgeleistet werden.

Als die Gruppe mit den Schnelligkeitsdisziplinen beginnt, hat es passenderweise vorerst aufgehört zu regnen. 50- und 100-Meter-Sprints stehen auf dem Programm: Der Anblick einer Frau mittleren Alters im Startblock neben einem neunjährigen Jungen erinnert an Bundesjugendspiele. Generationenübergreifende Bundesjugendspiele besser gesagt. "Ich mag die Disziplin Sprint sehr gerne", sagt Lilly Düren. "Ich strebe hier schon das Goldabzeichen an, aber wenn es Silber oder Bronze wird, ist es auch in Ordnung."

Für den älteren Teil des Teilnehmerfeldes rückt auch ein anderer Aspekt in das Motivationsportfolio. "Bei manchen Krankenkassen kann man das Sportabzeichen einreichen und bekommt Boni in Form von Geldauszahlungen oder Gesundheitsdividenden", sagt die 55-jährige Pfaffenhofenerin Heinzinger.

An der Sprunggrube kommt das Bundesjugendspiele-Flair dann vollends rüber. Beim Stand- und Weitsprung werden die Weiten gemessen und es geht um jeden Zentimeter. Denn schließlich werden die Leistungen bei jeder Disziplin mittels eines Rasters bewertet, wodurch sich am Ende entscheidet, ob man das Abzeichen bekommt und ob es Bronze, Silber oder Gold wird. Ein kleiner metallischer Anstecker als konkretes Ziel vor Augen scheint die Menschen auch im gesetzteren Alter noch zu motivieren. "Ich wollte auf jeden Fall das Goldabzeichen schaffen", sagt Gerdewan Jacobs. Der 46-Jährige geht jede Woche joggen, die Motivation das Sportabzeichen abzulegen, kam durch eine geschlossene Familienteilnahme. "Man muss sich im Leben Ziele setzen."

Pünktlich zum Abschluss der Leistungsabnahme für das Deutsche Sportabzeichen ist aus dem Nieselregen ein normaler, richtig unangenehmer Regen geworden. Der 3000-Meter-Lauf wird freilich dennoch nicht modifiziert und so drehen die Teilnehmer ihre Runden um den Sportplatz an der Realschule. "Ich bin sieben Jahre nicht mehr Laufen gewesen", sagt Heinzinger. Zufrieden ist sie trotzdem mit ihrer Leistung, auch wenn die letzte Disziplin noch einmal alles abverlangt.

Das Abzeichen sei gerade für Erwachsene wichtig, meint Max Hartl, der seit zehn Jahren für den MTV Pfaffenhofen die Sportabzeichen abnimmt. "Bewegung ist ein Stück Gesundheit. Das motiviert mich, wenn Menschen an der frischen Luft Sport treiben." Und so ist es seine Motivation, die Motivation in anderen zu entfachen. Auch Bürgermeister Thomas Herker habe er animiert, das Sportabzeichen abzulegen. "Ihm fehlt nur noch der 3000-Meter-Lauf für das Goldabzeichen", sagt Hartl.