Eichstätt: Zittern und feiern
Glücksmomente, auf die Spieler, Trainer Markus Mattes und Fans des VfB Eichstätt lange gewartet hatten. Mit Verbissenheit und großem Kampfgeist (rechts unten Sebastian Graßl) rangen die Domstädter die zweite Vertretung des FC Augsburg nieder und feierten anschließend voller Euphorie den ersten Sieg in der Regionalliga. - Fotos: Traub (3)/VfB Eichstätt
Eichstätt

Die Zuschauer hinter den Werbebanden reckten nach einer mitreißenden und nervenaufreibenden Partie ihre Hände in die Höhe und jubelten. Abteilungsleitungsleiter Hans Benz lief derweil zu den Klängen von "Tage wie diese" freudestrahlend über den gesamten Platz, stemmte zunächst Florian Grau in die Höhe und umarmte dann jeden Spieler, der ihm über den Weg lief. Die Erleichterung über den ersten Sieg am fünften Spieltag war spürbar. Denn spätestens jetzt weiß man: Der Liganeuling kann nicht nur mithalten, sondern auch gewinnen.

Wer dachte, dass die Partie in der Vorwoche gegen den FC Pipinsried, als in der Schlussphase zwei Treffer fielen, schon alles bot, was an Dramatik und Spannung möglich ist, wurde belehrt. Denn erneut zehrte die Partie an den Nerven und war spannend bis zur letzten Sekunde. "Solche Spiele brauche ich nicht jedes Wochenende, denn dann werde ich nicht alt", sagte der VfB-Vorsitzende Thomas Hein und meinte: "Aufgrund der großartigen Leistung in der zweiten Halbzeit hat sich die Mannschaft den Sieg absolut verdient."

Im ersten Spielabschnitt agierten die Hausherren vor 850 Zuschauern in der Vorwärtsbewegung noch viel zu ängstlich und waren vornehmlich auf Sicherheit bedacht. Die defensive Spielweise war aber auch der Plan. Trainer Markus Mattes hatte gegen die Zweitvertretung des FC mehrere Veränderungen in der Startelf vorgenommen und bot in einem 4-3-3-System mit Philipp Federl, Jonas Fries und Stefan Liebler gleich drei "Sechser" auf. Der FCA tat sich dann auch schwer, Torchancen zu kreieren. Für den Führungstreffer musste ein Standard herhalten: Thomas Stowasser staubte nach einer Ecke zum 1:0 für den FCA ab (32.). Wenig später ließen die Gäste ihr Können aufblitzen und kombinierten sich mit einem schnellen und direkten Spielzug vor das VfB-Tor. Thomas Bauer war aber auf dem Posten und kam vor Julian Günther-Schmidt an den Ball - allerdings verletzte sich der Torhüter in dieser Szene (36.). "Muskuläre Probleme. Irgendetwas an den Adduktoren", sagte Bauer später.

Für ihn kam nach der Halbzeit der letztjährige Stammkeeper Jonas Herter. Zudem wurde Lucas Schraufstetter eingewechselt; und mit dem 22-Jährigen, der sich im Mittelfeld mit Ex-Profi Markus Feulner erbitterte Zweikämpfe lieferte, kam Feuer in das Spiel. Der VfB dominierte nun das Geschehen, schaltete bei Balleroberung blitzschnell um und drehte mit einem Doppelschlag innerhalb von zwei Minuten die Partie.

Beide Male war Schraufstetter der Ausgangspunkt: Zunächst passte er von der linken Seite nach innen, Julian Kügel legte auf Yomi Scintu ab und dessen platzierter Schuss aus 17 Metern schlug mit Hilfe des Innenpfostens zum 1:1 ein (57.). Dann behauptete Schraufstetter mit einem beherzten Körpereinsatz gegen Feulner erneut den Ball und schickte Scintu auf die Reise. Dessen Hereingabe konnte Philipp Federl, der an Torwart Ioannis Gelios scheiterte, nicht verwerten, doch Fabian Eberle (58.) reagierte gedankenschnell und drückte den Abpraller per Kopf über die Linie - 2:1 für den VfB Eichstätt. Das Stadion bebte und die Zuschauer gingen bis zum Schlusspfiff weiter frenetisch mit. Jeder gewonnene Zweikampf wurde bejubelt, jede gelungene Aktion beklatscht. Und als Feulner einen Freistoß weit über das Gehäuse setzte, wurde auch dies mit Applaus quittiert. Mit dem 3:1-Kopfballtreffer durch Kapitän Benjamin Schmidramsl (76.) nach einer Ecke von Jonas Fries schien die Partie entschieden.

Doch dann blieb der eingewechselte Herter urplötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden liegen und musste fünf Minuten lang behandelt werden. Es schien zeitweise so, als müsste ein Feldspieler ins Tor. Der 29-Jährige biss allerdings auf die Zähne und humpelte bis zum Schlusspfiff zwischen den Pfosten umher. Beim 2:3-Anschluss durch Günther-Schmidt (90.+4) war er machtlos. Mehr bekam er glücklicherweise nicht mehr zu tun.