Neuburg: Achtbar aus der Affäre gezogen
Sie kämpften gegen die blaue Wand auf und neben dem Spielfeld: Die Bezirksligakicker des VfR Neuburg um Matthias Riedelsheimer (großes Bild, Mitte) haben die erste Hauptrunde des Toto-Pokals gegen den TSV 1860 München verloren. Der Regionalligist unter der Regie des Trainers Daniel Bierofka (unteres linkes Bild) fuhr mit einem 4:0-Erfolg in die Landeshauptstadt zurück. - Fotos: S. Hofmann
Neuburg

"Ich danke euch für dieses schöne Spiel. Ich bin stolz auf euch", sagte VfR-Präsident Karl-Heinz Bauer nach der Partie seiner Lila-Weißen gegen die Löwen aus München zu seinem Mannschaftstrainer Christian Krzyzanowski. Der Übungsleiter des VfR Neuburg schwankte sichtlich zwischen Stolz darauf, wie sich seine Truppe vor rund 3200 Zuschauern gegen den Regionalligisten verkauft hatte, und Ärger über die spielerischen Fehler. "Wir haben den Kampf manchmal nicht angenommen und es dem Gegner dadurch zu leicht gemacht", analysierte der 40-Jährige. Sein Pendant beim TSV 1860 München, Daniel Bierofka, hatte an der Darbietung seiner Truppe ebenfalls etwas auszusetzen: "Wir haben in der ersten Halbzeit zu wenig Tore gemacht", sagte er.


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Derweil ging es gestern Abend bei bombastischer Stimmung im Brandlstadion - von den 3200 Zuschauern waren gut 2500 Anhänger der Löwen - ziemlich schnell mit dem ersten Treffer. Zwar hatte Ray Bishop vom VfR Neuburg nach einem Sololauf durch das Mittelfeld einen klugen Pass auf Rainer Meisinger gespielt, doch dessen Schuss parierter Löwen-Schlussmann Alexander Strobl mit dem Fuß (5.). Stattdessen schepperte es quasi im Gegenzug auf der anderen Seite des Spielfelds. Felix Bachschmid verwertete eine Flanke Kilian Jakobs per Kopf zum 0:1 in der 6. Minute. Die vielen Löwenfans brüllten vor Freude, die Köpfe der Neuburger Spieler sanken kurz gen Rasen. Doch die Krzyzanowski-Elf schüttelte den Rückschlag ab und spielte nach dem Gegentreffer mutiger auf.
 

Fotostrecke: Totopokal: TSV 1860 München siegt 4:0 gegen VfR Neuburg

Vor allem Ray Bishop, Alexander Müller und Matthias Riedelsheimer in der Offensive sowie die beiden Abräumer Daniel Eisenhofer und Marco Bader zeigten sich kaltschnäuzig. Dass sie gegen einen der traditionsreichsten Fußballklubs Deutschlands antraten, ließen sie sich in ihrer Spielweise nicht anmerken. Der Klassenunterschied zum Regionalligisten war dennoch deutlich sichtbar - wobei beim TSV von den alten Recken nur Felix Weber auf dem Platz stand. Jan Mauersberger saß auf der Bank, Stürmer Sascha Mölders war gar nicht auf dem Spielberichtsbogen. Und dennoch zeigten die Sechzger ihren Gastgebern die Grenzen auf. Spielerisch und konditionell schafften sie es ein ums andere Mal vor das Neuburger Tor, der zweite Treffer war nur eine Frage der Zeit. Zuvor allerdings hatte Alexander Müller eine Riesenchance zum Ausgleich, nach einer Flanke in den Fünfmeterraum der Münchner brachte er aber nicht genug Druck hinter den Ball und köpfte das Spielgerät aus kurzer Distanz in die Arme des TSV-Keepers Strobl. Das 0:2 fiel schließlich in der 33. Minute. Kilian Jakob hatte sich auf der rechten Außenbahn gegen VfR-Verteidiger Niklas Uhle durchgesetzt und auf Bachschmid gepasst, der den Ball trocken in den Neuburger Maschen versenkte.

In Abschnitt zwei änderte sich nicht viel an den Verhältnissen. Die Neuburger mühten sich nach Kräften, aber die Münchner machten das Spiel. Die letzten Hoffnungen der Hausherren auf ein Pokalwunder zerstörte dann Aaron Berzel in der 55. Minute, als er eine Freistoßflanke mit dem Kopf verlängerte und der Ball zum dritten Mal an diesem Abend hinter VfR-Torhüter Michael Hierl einschlug. Es war spürbar, dass die Neuburger wenigstens den Ehrentreffer wollten. Die wohl beste Chance des Spiels hatte Rainer Meisinger durch einen schnell ausgeführten Freistoß, bei dem der Ball nicht gesperrt war. Aus rund 20 Metern Entfernung zum Tor traf er aber nur die Latte.

Dass Felix Bachschmid in der 88. Minute ein drittes Mal zuschlug und den 0:4-Endstand herstellte, war aus Neuburger Sicht nurmehr ein Nebengeräusch. Nach Abpfiff war den Spielern anzusehen, wie enttäuscht sie waren. "Wenn wir wenigstens ein Tor gemacht hätten, . . .", sagte Stürmer Alexander Müller resigniert und behielt den Rest des Satzes für sich. "Ich muss den Neuburgern ein Kompliment machen. Sie haben eine engagierte und fitte Truppe, die uns das Leben sehr schwer gemacht hat", lobte Löwen-Trainer Daniel Bierofka abschließend.

 

VfR Neuburg: Hierl, Klink (82. Labus), Uhle (46. Stegmeir), Bader, Eisenhofer, Egen (75. Aktas), Meisinger, Riedelsheimer, Müller, Habermeyer, Bishop. - TSV 1860 München: Strobl, Weeger, Weber (73. Gambos), Köppel (46. Andermatt), Aigner, Türk, Berzel, Helmbrecht (46. Karger), Jakob, Tempelmann, Bachschmid. - Tore: 0:1 Felix Bachschmid (6.), 0:2 Felix Bachschmid (33.), 0:3 Aaron Berzel (55.), 0:4 Felix Bachschmid (88.). - Schiedsrichter: Luka Beretic (TSV Friedberg; Regionalliga). - Zuschauer: 3200.