Ingolstadt: Vom Strand der US-Westküste zur weltweiten Verbreitung
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Ingolstadt
  • Die Sportart: Ultimate Frisbee ist ein Laufspiel, wobei es eine Outdoor- und eine Indoorvariante gibt. Verbreiteter ist die Variante, bei der sich zwei Teams à sieben Spielern auf einem Feld der vollen Länge (100 Meter) und der halben Breite (37 Meter) eines Fußballfeldes gegenüberstehen. An beiden langen Enden des Spielfeldes befinden sich zwei 18 Meter lange Endzonen. In der Halle wird auf einem kleineren Spielfeld Fünf-gegen-Fünf gespielt. Ziel des Spiels ist es, entweder in 90 Minuten zuerst 15 Punkte zu erreichen oder, falls nach 90 Minuten keine Mannschaft diesen Spielstand erreicht hat, einen Punkt mehr zu erspielen, als das zu diesem Zeitpunkt führende Team. Das Spielgerät ist eine 175 Gramm schwere Kunststoffscheibe.

 

  • Die Regeln: Punkte erreicht eine Mannschaft, in dem sie die Frisbeescheibe in der gegnerischen Endzone fängt. Da derjenige Spieler, der die Scheibe in der Hand hält, nicht laufen darf, werden Raumgewinne durch Zupassen erzielt. Sobald man die Scheibe gefangen hat, darf man ungefähr drei Schritte machen, um einen festen Stand zu bekommen. Danach darf man einen vom Basketball bekannten Sternschritt ausführen und hat zehn Sekunden Zeit, um die Scheibe weiterzuspielen. Alle anderen Spieler dürfen sich frei bewegen. Der Scheibenbesitz wechselt, wenn die angreifende Mannschaft die Scheibe ins Aus spielt, die Scheibe auf dem Boden landet oder von der Verteidigung aus der Luft auf den Boden geschlagen wird, der Passgeber länger als zehn Sekunden braucht oder die verteidigende Mannschaft die Scheibe abfängt. Nachdem die Scheibe gewonnen wurde, wird sofort die andere Endzone angegriffen. Nach jedem erzielten Punkt dürfen beide Mannschaften beliebig viele Spieler auswechseln.

Ultimate Frisbee ist eine körperlose Sportart. Kommt es dennoch zu einem Körperkontakt, der dem angreifenden Spieler verhindert, die Scheibe zu fangen, bekommt der Angreifer, der die Scheibe nicht fangen konnte, trotzdem die Scheibe. Nach jedem Punktgewinn werden die Seiten gewechselt.

 

  • Spirit of the Game: In den Regeln ist der faire Umgang der Spieler verankert. Konkret heißt das, dass es nicht zwingend einen Schiedsrichter braucht, stattdessen bezeichnet sich die Flugscheibensportart als einzige selbstregulierende Teamsportart der Welt. Wenn ein Spieler denkt, dass er gefoult wurde, ruft er "Foul". Sofort wird das Spiel eingefroren und alle Akteure bleiben stehen. Akzeptiert der foulende Spieler die Entscheidung, bekommt der Angreifer die Scheibe, obwohl er sie nicht fangen konnte. Bestreitet der Gegenspieler aber das Foul, bekommt der Passgeber die Scheibe zurück, die Scheibe bleibt also trotzdem bei der angreifenden Mannschaft. Diese Regel fördert das faire Verhalten und das Prinzip der Gegenseitigkeit. Auf die Einhaltung der Regeln vonseiten der Spieler wird vertraut, auch wenn kämpferischer Einsatz nicht untersagt ist.

 

  • Das Ligensystem: Gespielt wird in den drei Divisionen Damen, Mixed und Open, wo in der Regel nur Männer antreten, weibliche Teilnehmer aber prinzipiell erlaubt wären. Diese Divisionen werden unterteilt in Junioren mit verschiedenen Altersklassen und Masters, wo Frauen ab 30 Jahren und Männer ab 33 Jahren antreten. Die Deutschen Meisterschaften werden in einem Turnier über ein Wochenende mit zehn Mannschaften in zwei Fünfer-Gruppen und K.-o.-Spielen ausgetragen. In der Region Süd-Ost (Bayern und Thüringen) gibt es drei Ligen und separate Relegations-Turniere, die die Teilnahmeberechtigung an der jeweiligen Liga regeln. Auch in der Hallenvariante gibt es für die Klassen Open, Damen und Mixed drei Ligen. Zudem tragen Vereine und Nationalmannschaften Welt- und Europameisterschaften aus.

 

  • Die Geschichte der Sportart: Den Anfang nahm die Flugscheibensportart an US-amerikanischen Universitäten, wo auch heute die Sportart noch am verbreitetsten ist. Bereits 1964 wurde die International Frisbee Association (IFA) gegründet. 1978 wurden die ersten allgemeingültigen Regeln aufgestellt, seit 1983 organisiert der Welt-Frisbeesport-Verband Weltmeisterschaften. Aktuell gibt es im Deutschen Frisbeesport-Verband, der 1990 gegründet wurde, und seinen 16 Landesverbänden mehr als 10 000 aktive Spieler in rund 130 Vereinen.