Pfaffenhofen: Mittendrin statt nur dabei
Der Kommentator und der Experte: Nico Seepe (links), der als Co-Trainer für den ST Scheyern die Fußballschuhe schnürt, und der ehemalige Ingolstädter Ralph Gunesch sind unter anderem für den Streamingdienst DAZN tätig. - Foto: privat
Pfaffenhofen

"Ja, es ist doch ganz gut gelaufen in den vergangenen Jahren", gibt Seepe zu, wenn er seine Stationen der vergangenen Jahre durchgeht. In Hamburg geboren, landete er nach der Zwischenstation Unterschleißheim mit seiner Familie in Pfaffenhofen. Nach seiner Zeit auf dem Schyren-Gymnasium absolvierte er auf der FOS das Fachabitur. Seine Fußballkarriere begann derweil schon früh, in den Jugendteams in Hettenshausen, Pfaffenhofen und Scheyern. "Es war immer klar, dass ich im Fußball bleiben will", sagt er. Zwar war er Teil von verschiedensten Auswahlmannschaften des DFB, doch irgendwann musste er sich eingestehen: "Das Talent reichte eben doch nicht."

Also versuchte er, auch außerhalb des Spielfelds im Fußballgeschäft Fuß zu fassen. Neben verschiedenen Praktika beim Münchner Radiosender NRJ oder dem PFAFFENHOFENER KURIER absolvierte er ein Studium - Sportjournalismus an der Medienakademie München, einer privaten Einrichtung. "Ich habe nebenbei gearbeitet, um das zu bezahlen", erzählt er stolz.

Für seinen Traum ackerte er genauso wie auf dem Feld - das Risiko zahlte sich aus. Seine ersten Erfahrungen als Kommentator machte er bei einem Streamingportal. Bei Sport1 war er Praktikant, mittlerweile ist er angestellt. Er kommentiert Fußball-Übertragungen, zudem schneidet, vertont und erstellt er Videobeiträge für verschiedene Formate. Als freier Journalist ist er auch für das ZDF-"Sportstudio", wo er die Zusammenfassung der 2. Bundesliga liefert, und den Radiodienst von Amazon sowie DAZN im Einsatz. Ob Kommentator oder Redakteur - die Mischung macht's. "Beides zusammen ist schon ganz geil", sagt Seepe. Für eine Sache entscheiden möchte er sich nicht.

Dennoch ist besonders die Arbeit beim aufstrebenden Streamingdienst DAZN, wo er Spiele aus verschiedenen Ligen wie der italienischen Serie A, der englischen Premier League oder der spanischen Primera Division überträgt, hervorzuheben. Der Respekt sei zu Beginn groß gewesen. "Am Anfang überlegt man, wie man einsteigt, aber mit der Zeit wächst die Freude auf das Spiel", erzählt er. Seepe weiß, dass ihm etwas Besonderes gelungen ist. Denn nicht viele Männer in seinem Alter üben den Traumjob des Fußballkommentators aus. "Das ist nicht alltäglich. Ich habe es in vier Jahren von null auf dieses Level geschafft." Deswegen ist er glücklich, wie es aktuell ist. Große Ziele gibt es nicht: "Ich wollte immer nur kommentieren."

Neben den eigenen Spielen mit dem ST Scheyern muss sich der Mittelfeldmann auch auf seine Live-Kommentare am Wochenende vorbereiten. "Das kann schon einen bis zwei Tage dauern - je nach Partie", erklärt er. Zu einigen Mannschaften erhält er Statistiken, selbst recherchiert er noch zusätzlich. Am Wochenende sitzt Seepe dann aber nicht live im Stadion, sondern im Medienzentrum Ismaning. Dort laufen die Fäden vieler Fußballübertragungen zusammen.

"Wir haben da mehrere Monitore, drei, vier verschiedene Einstellungen und ein Hauptsignal, über das ich dann spreche. Das ist eigentlich relativ unspektakulär", erzählt Seepe. Bei hochkarätigen Spielen stehen ihm Experten wie der Ex-Ingolstädter Ralph Gunesch, Benjamin Lauth oder Michael Hofmann zur Seite. "Sie haben schon einen anderen Blick, sehen Dinge, die ich nicht sehe."

Am Mikrofon wird Seepe auch mal emotional. Eine Premier-League-Partie zwischen Swansea City und Crystal Palace ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: "Das Spiel ging 5:4 aus, in den letzten zehn Minuten sind vier Tore gefallen. Ich war eh schon erkältet, nach dem Spiel war ich nicht mehr fähig, irgendetwas zu erzählen."

Solche Höhepunkte kommen auf Seepe womöglich bald öfter zu: Für die kommende Saison hat sich DAZN die Übertragungsrechte an der Champions League gesichert. Für ihn als Kommentator öffnet sich damit schon bald das Tor zur Königsklasse.