Wieder einmal ausgeschlossen von der Neuerung sind die Amateurfußballer und Schiedsrichter. Sven Laumer ist als Wirtschaftsinformatiker voll in seinem Beruf eingespannt, fungiert aber nebenbei als Schiedsrichterobmann im Fußballkreis Neumarkt/Jura. "Ich habe nicht alle Bundesligaspiele sehen können, aber ich bin positiv gestimmt, dass der Videobeweis seine Berechtigung hat. Vorausgesetzt ist natürlich, dass die Technik funktioniert", sagt Laumer. "Ich bin guter Dinge, dass bald alles wunschgemäß abläuft und die Macken verschwinden." Eingreifen in das Spielgeschehen kann der Videoassistent nur bei spielrelevanten Szenen wie Toren, Elfmetern, Roten Karten und Spielerverwechslungen. "Das ist ausreichend", sagt der 34-Jährige. "Es kann natürlich sein, dass sich etwas entwickelt, dass man noch mit einbeziehen kann."

Dennoch steht der Schiedsrichter immer mehr unter Beobachtung und könnte sich einer zusätzlichen Kontrolle unterzogen fühlen. Das sieht Laumer allerdings nicht so. "Die Schiedsrichter bilden ein Team mit der Verständigung des Headsets. Letztendlich entscheidet der Referee in eigener Verantwortung und wird in seinen Kompetenzen nicht beschnitten." Aus Sicht des Amateurschiedsrichters beschreibt er seine Arbeit wie folgt: "Natürlich haben wir die Technik nicht. Ich berate mich in kniffligen Situationen mit meinen Assistenten und habe, so glaube ich, immer die richtige Lösung gefunden. Wir können uns verbessern, indem wir uns Partien der Bayernliga nachträglich komplett ansehen." Dabei hätten sein Gespann und er die Möglichkeit, bestimmte Aktionen zu studieren. Sie könnten prüfen, ob man vielleicht bessere Laufwege wählen oder sich entwickelnde Spielszenen besser antizipieren könne. "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass einmal, sagen wir ab der Kategorie Landesliga, ein vierter Assistent eingesetzt wird." Bleibt noch zu ergänzen, dass kein Spieler den Videobeweis anfordern darf. Doch wie verhält es sich, wenn ein Amateurspieler den viereckigen Rahmen symbolisch für ein TV-Gerät anzeigt? "Dann würde ich ihm sagen, dass wir beide viel besser sein müssten, um dies überhaupt thematisieren zu können", sagt Laumer.

Fast ausnahmslos gegen den Videobeweis sind die Trainer und Funktionäre aus der Region. Das ergab die nachfolgende Umfrage des HK.

 

  • Ludwig Beer, Bezirksspielleiter Mittelfranken: "Der Videobeweis ist wieder etwas für die Showbühne der Millionäre auf dem Rasen. Ich sehe keinen Sinn dahinter. Warum muss man immer etwas Neues erfinden? So kann man den Fußball kaputt machen. Es reicht doch schon, dass im Fernsehen jede knifflige Szene so lange zerrupft wird, bis feststeht, dass die Entscheidung des Unparteiischen falsch war. Ich halte von den ganzen Neuerungen gar nichts. Sollen doch die Profis machen, was sie wollen. Ich gehe schon seit Jahren zu keinem Profifußballspiel. Ehrlichen Fußball gibt es nur bei den kleinen Amateurvereinen.

 

  • Jürgen Prüßner, Trainer des Kreisligisten TSV Heideck: "Langsam reicht es einmal mit diesen Neuerungen. Du jubelst über ein Tor, aber leider umsonst. Ich finde die Torlinientechnik richtig gut, aber mit dem Videobeweis kann ich nichts anfangen. Ich frage mich, was noch kommt."

 

  • Jürgen Wellert, Trainer des Kreisligisten TV Hilpoltstein: "Ich halte nichts davon. Ich bewundere aber die Assistenten, was die alles sehen, Respekt. Das Phantomtor von Thomas Helmer damals, das geht allerdings nicht und wäre nicht anerkannt worden."

 

  • Tobias Kratzer, Trainer des Bezirksligisten TSV Greding: "Ich bin dagegen, weil es einfach nicht funktioniert, die Technik noch nicht ausgereift ist. Außerdem sind es lästige Unterbrechungen. In Ordnung finde ich, dass Schwalbenkönige auffliegen. Gott sei Dank gibt es bei uns keine Technik, es ist gut so."

 

  • Dominik Pöllet, Trainer des Kreisligisten TSV Wolfstein: "Ich kann nicht erkennen, was positiv sein soll. Es ist doch gar nicht ausgereift, die Erkennung der Linie ist nicht gegeben. Lasst es bei den Tatsachenentscheidungen des Schiris, es gleicht sich doch alles aus."