Unterstall: Nur zehn Sekunden
Satter Kick: Kickboxerin Sophia Halbeis aus Unterstall mit ihrem Trainer Gentian Morina. - Foto: S. Hofmann
Unterstall

Zwei schnelle Schritte nach vorn, ein kräftiger Schlag in den Bauch, ein Schwinger gegen den Kopf. Und das war's. Tritte kamen gar nicht zum Einsatz. Keine zehn Sekunden hat es gedauert, bis der Richter den Kampf für beendet und Sophia Halbeis zur Weltmeisterin erklärt hat. Ihre Kontrahentin hält einen Handschuh schützend vors Gesicht und scheint froh, dass es vorbei ist. Die neunjährige Sophia Halbeis aus Unterstall ist damit die beste Kickboxerin bis 30 Kilogramm in der Kategorie Leichtkontakt, die der Verband WFMC zu bieten hat. Bis es so weit war, hat sie aber einigen unerwarteten Stress erdulden müssen.

Die Grundschülerin musste warten. Und warten. Und warten. Bei der Weltmeisterschaft des World-Fight-Sport-And-Martial-Arts-Council (WFMC) in Hagen (Metropolregion Rhein-Ruhr, Nordrhein-Westfalen) hatten sich insgesamt 1000 Kampfsportler angemeldet. In den Kategorien Kinder, Kadetten, Jugendliche und Erwachsene maßen sich die Besten des Verbandes. Dieser zählt zu den "vier Großen" auf der Welt, sagen Dardan und Gentian Morina. Der aktuelle mehrfache Profi-Weltmeister in fünf verschiedenen Verbänden und sein Bruder zeichnen für die Ausbildung der Unterstallerin verantwortlich. Seit fünf Jahren trainiert Sophia Halbeis mehrmals pro Woche bei Gentian Morina.

"Die Warterei hat bei Sophia schon Spuren hinterlassen", berichtet der 26-Jährige. "Irgendwann war sie vom vielen Rumsitzen ganz müde. Die Anspannung war ungewohnter Stress für sie."

"Ich war schon ein bisschen aufgeregt vor dem ersten Kampf", sagt die Neunjährige, die eher schüchtern ist. Am Wettkampf selbst lag es nicht, hatte die Unterstallerin doch bereits vor zwei Jahren an einer WM teilgenommen - und auch die gewonnen.

Wer ihr auf der Matte gegenüberstehen würde, wusste sie nicht. "Und das interessiert sie auch nie", sagt Trainer Morina und fügt lachend hinzu: "Sie geht einfach raus und kämpft, egal, gegen wen." Bei seinem Schützling betont er besonders stolz, dass man mit Sophia schon anders arbeiten könne als mit anderen gleichaltrigen Kindern. "Wir machen schon sehr viel mit Taktik und Schlagfolgen. Sie saugt alles auf, was man ihr beibringt und setzt es sofort um."

Der erste Kampf, zugleich das Halbfinale für Sophia, hat nicht ganz eine Minute gedauert. "Dann hat die Gegnerin aufgegeben. Sophia hat sie schlicht überrannt", beschreibt es Morina. Das Finale war, wie bereits beschrieben, sogar noch wesentlich kürzer.

Seit ihrer Rückkehr aus Hagen hat der gewonnene Weltmeistergürtel einen Ehrenplatz bei Vater Markus Halbeis in der Arbeit. Dieser betreibt in Ingolstadt ein Fitnessstudio und hat dort im Eingangsbereich für die Trophäen seiner Tochter eine Vitrine errichtet.