Eichstätt: "Macht weiter so. Echt toll"
Foto: Von Gerhard Kapff
Eichstätt

Ein Lob freilich, das dem VfB nichts nützt. Denn nach dem sechsten Spieltag in der Regionalliga Bayern steht der Aufsteiger mit nur einem Sieg, zwei Remis, drei Niederlagen und fünf Punkten auf dem 14. Tabellenplatz. Grundsätzlich wäre das eine gar nicht so üble Bilanz für einen Aufsteiger. Wenn sie denn der tatsächlichen Stärke der Domstädter entsprechen würde. Doch abgesehen von der 1:4-Niederlage beim 1. FC Schweinfurt waren die Eichstätter ihren Gegnern zu ihrer eigenen Überraschung in allen anderen Partien mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen.

Die Gründe, warum heute nur fünf und nicht die durchaus mögliche, doppelte Anzahl von Punkten auf dem Konto steht, sind allerdings nahezu identisch - und fast immer in den letzten Spielminuten zu suchen. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherige Saison, dass entscheidende Gegentreffer vor allem kurz vor dem Schlusspfiff fallen. Beim Auftaktspiel in Unterföhring gelang den Gästen der Ausgleich in der 79. Minute, der entscheidende Treffer zum 1:2 bei den Club-Amateuren fiel in der 89. Minute, das 3:3 gegen Pipinsried in der 93. Minute und am Freitag das 3:2 für die Münchner Bayern in der 90. Minute.

"Das ist auch für die Mannschaft langsam nicht mehr nachvollziehbar", fürchtete der völlig frustrierte Eichstätter Abteilungsleiter Hans Benz nach dem Spiel gegen die Münchner um die Moral seiner Truppe: "Die haben so viel gearbeitet, so viel Energie investiert, und wieder kurz vor dem Ende die Punkte verloren."

Dabei war der VfB gerade in den Schlussminuten drauf und dran, den 2:2-Zwischenstand noch zu einem Sieg zu verwandeln. Zwei Mal standen Eichstätter alleine vor Leo Weinkauf, zwei Mal verhinderte der Bayern-Keeper einen Rückstand seiner Mannschaft. Es war bezeichnend für diese Parte, dass letztlich eine Energieleistung von Niklas Dorsch (90.) zum Bayern-Sieg führte.

"Mir tut es vor allem leid für meine Jungs, die wirklich alles gegeben haben", sagte VfB-Trainer Markus Mattes: "Aber wir müssen uns das auch selbst ankreiden. Wir stehen zwei Mal alleine vor dem Tor und treffen beide Male nicht. Dafür wirst du im Fußball bestraft."

Dennoch war Eichstätt alles andere als chancenlos gegen eine Mannschaft, die Mattes sehr beeindruckt hatte: "Die Bayern haben eine super Qualität an Spielern auf dem Feld. Wenn du das von Außen siehst, das ist wirklich klasse." Umso beachtlicher war daher die Leistung der Eichstätter, die den FC Bayern II in einem packenden Spiel bis zur letzten Minute alles abverlangten. "Die Zuschauer haben ein absolut begeisterndes Fußballspiel gesehen", meinte auch Mattes und grübelte dann, warum es seinem Team so oft nicht gelingt, die letzten Spielminuten zu überstehen. "Als ich hierher kam, war das nach der Winterpause eine ähnliche Situation" erinnert er sich.

Torwart Jonas Herter, der erstmals in dieser Saison von Beginn an zum Einsatz gekommen war, spekulierte nach der Partie darüber, ob es die spezielle Eichstätter Spielweise sein könnte, die am Schluss für Fehler sorgt: "Wir spielen mit sehr viel Aufwand und Energie. Vielleicht fehlt dann am Ende manchmal ein bisschen die Kraft oder die Konzentration." Es ist eine durchaus denkbare Theorie, nur können die Eichstätter derzeit recht wenig dagegen tun. So lange die Abwehr in Notbesetzung spielt, müssen die anderen Mannschaftsteile versuchen, diese Defizite mit kräftezehrendem Mehraufwand zu egalisieren.

Eine Taktik, die mittelfristig dennoch, und schon deshalb funktionieren wird, da allenfalls ein Teil der anderen Regionalliga-Teams die spielerische Qualität der Bayern besitzt - es werden also auch leichtere Gegner im Eichstätter Stadion auflaufen. Davon abgesehen ist jedes Spiel in der für die Domstädter neuen Regionalliga eine Lehrstunde, die sich gegen die einfacheren Kontrahenten in Punkten auswirken könnte.

Auch Bayern-Coach Walter erkannte das Regionalliga-Potenzial des VfB an. Sein Schlusssatz, "Ihr habt ne super Leistung gebracht. Macht weiter so. Echt toll", klang jedenfalls ehrlich, und nicht wie das übliche Kompliment eines Gegners, das dem Geschlagenen helfen soll, irgendwie doch noch das Gesicht zu wahren.