Eichstätt: "Ein bockstarker Gegner"
Foto: Johannes Traub
Eichstätt

Es gab schon Trainer in der laufenden Spielzeit, die in der Pressekonferenz die Ursache für die Niederlage in den schlechten Platzverhältnissen des VfB suchten. Schweinfurts Trainer Gerd Klaus dagegen bekam viel Applaus für seine fundierte und ehrliche Spielanalyse. Er dachte gar nicht daran, das tiefe und unebene Spielfeld als Argument für den schwachen Auftritt seiner Schützlinge heranzuziehen; nach mittlerweile acht sieglosen Spielen in der Fremde hätte ihm das auch keiner abgekauft. Es war am Samstagsnachmittag vielmehr ein Qualitätsunterschied auszumachen - und das erkannte der Gäste-Trainer an.

"Eichstätt hat mehr als verdient in dieser Höhe gewonnen. Sie haben uns vorgemacht, wie man die widrigen Verhältnisse annehmen muss", sagte er und führte weiter aus: "Die Hausherren waren uns in den Zweikämpfen klar überlegen, sie waren präsenter und haben auch besser Fußball gespielt." Kurzum: "Der VfB war ein bockstarker Gegner. Ich bin von der Leistung beeindruckt."

Klaus wird seinen Spielern - nachdem sie die Chance verpasst haben, bis auf sechs Zähler an den Spitzenreiter TSV 1860 München (0:2-Pleite in Burghausen) heranzurücken - deutlichere Worte an den Kopf geworfen haben. Denn die Mannen um die beiden Top-Torjäger Adam Jabiri und Steffen Krautschneider, die bei der VfB-Abwehr bis auf einige wenige Ausnahmen komplett abgemeldet waren, lieferten eine über weite Strecken gleichgültige Darstellung ab; auf den Rängen war gar von Arbeitsverweigerung die Rede.

Allerdings machten es die Hausherren dem ehemaligen Zweitligisten auch nicht leicht. Mit großer Laufbereitschaft und Leidenschaft zwangen sie die Schweinfurter mit ihrer mitunter giftigen, aber nie unfairen Spielweise zu Fehlern und kamen so immer wieder gefährlich vor das Tor. Mit frechem Offensivfußball hielten sich die Eichstätter die "Schnüdel" also von der eigenen Gefahrenzone fern.

Alleine Lucas Schraufstetter scheiterte in der Anfangsviertelstunde dreimal. Nachdem dann Krautschneider (29.) bei der ersten Chance der Gäste eine Volleyabnahme weit über das Tor setzte, behauptete Yomi Scintu mit seiner schlaksigen Art im Mittelfeld den Ball. Er ging in das Dribbling mit weiteren Gegenspielern und schlug - als man schon befürchtete, er würde das Spielgerät vertändeln - eine maßgenaue Flanke auf Sturmpartner Fabian Eberle (32.). Der nahm die Kugel gekonnt an, düpierte seinen Gegenspieler Philip Messingschlager und schloss aus kurzer Distanz zur 1:0-Halbzeitführung ab.

Der zweite Durchgang begann für den VfB Eichstätt bei weiterhin nasskaltem Wetter mit einer Schrecksekunde. Nach einem Stellungsfehler von Markus Waffler traf Adam Jabiri (46.) per Kopf den Außenpfosten. Und es ging munter weiter - allerdings wieder auf der Gegenseite: Benjamin Schmidramsl (49.) zielte nur ganz knapp am rechten Pfosten vorbei.

Das 2:0 wenig später resultierte aus einer einstudierten Eckball-Variante. Fabian Schäll stand schon zur Ausführung bereit, ehe er Schraufstetter lautstark auf den ersten Pfosten beorderte. "Wir haben uns das Verhalten der Schweinfurter bei Eckstößen in der Videoanalyse und auch beim Live-Spiel auf Sport1 gegen Nürnberg angeschaut. Da haben wir eben diese kleine Schwäche entdeckt, dass sie bei kurz geschlagenen Ecken oftmals nicht so stabil sind", sagte der Vorlagengeber. Und so war es dann auch: Ecke Schäll, Kopfball Schraufstetter (51.) ins lange Eck, Tor!

Schweinfurts Trainer Gerd Klaus setzte nun alles auf eine Karte und stellte in der Abwehr von einer Vierer- auf eine Dreierkette um. Am bis dato wenig druckvollen Spiel seiner Schützlinge änderte sich dadurch kaum etwas, auch wenn Florian Pieper (64.) nach einem Tohuwabohu im Eichstätter Strafraum bei einer aussichtsreichen Chance den Anschlusstreffer auf dem Fuß hatte. Beim folgenden Konter über Scintu und Schäll sorgte Eberle (56.), der schneller als Herbert Paul und Lukas Billick war, und auch noch Keeper Alexander Eiban umkurvte, mit dem 3:0 für die Entscheidung. Am verdienten VfB-Sieg änderte auch die Gelb-Rote Karte für Sebastian Graßl (84.) nichts mehr.

Bezeichnend für eine geschlossene Eichstätter Mannschaftsleistung war noch eine Szene in der 85. Minute, als Scintu energisch nachsetzte und Nikola Jelisic bei einem blitzsauberen Tackling den Ball abluchste. Spätestens jetzt waren auch seine Stutzen - wie die der anderen Eichstätter auch - nicht mehr weiß, sondern braun vor Dreck.

"Wir arbeiten Fußball" ist eigentlich eine Hommage an den Arbeiterverein 1. FC Schweinfurt. Doch umgesetzt hat diesen Slogan am Samstagnachmittag einmal mehr der VfB Eichstätt.

"Gegen Schweinfurt werden nicht so viele Mannschaften in dieser Liga gewinnen. Deshalb macht mich dieser Tag heute sehr stolz und der Sieg war extrem wichtig. Die Mannschaft hat über 90 Minuten hervorragend gespielt und gut verteidigt. Das ist natürlich an die Substanz gegangen. Aber wir haben das wirklich klasse gemacht", resümierte Eichstätts Trainer Mattes (kleines Foto links).