Herr Radoki, Sie fahren einen Golf und wohnen in einem Ein-Zimmer-Apartment. Warum so bescheiden?

Janos Radoki: Weil ich nicht mehr brauche zum Leben.

 

Ist das auch ein Signal an die jungen Spieler?

Radoki: Ich will kein Signal geben, das ist mein Lebensgefühl. Ich definiere mich nicht über ein Auto, ich definiere mich nicht über eine Wohnung. Die Wohnung hier kann ich so gut wie nie nutzen, weil ich, wenn ich in Fürth bin, auf der Anlage bin. Zum Schlafen brauche ich nicht mehr als ein Bett. Das Gleiche gilt fürs Auto. Ich sitze alleine in dem Golf. Meine Familie lebt in Augsburg und da haben wir noch ein größeres Auto.

 

Raten Sie den jungen Spielern, es Ihnen nachzumachen?

Radoki: Nein, das muss jeder für sich selbst entscheiden, welches Bild er nach außen abgeben will. Wenn er der Meinung ist, er muss einen Sportwagen fahren, dann soll er diese Erfahrung für sich machen. Dann kann er entscheiden, ob ihm die Erfahrung gefällt, oder, dass man vielleicht dieses dicke Auto nicht braucht.

 

RB Leipzig verbietet seinen Spielern, protzige Sportwägen zu fahren, und teilt ihnen Dienstwägen zu. Was halten Sie von dieser Maßnahme?

Radoki: Die Idee ist gut. Aber sie ist nicht übertragbar auf einen Verein wie Fürth, weil bei uns jeder Spieler für sein Auto selbst verantwortlich ist.

 

Gibt es bei Ihnen Regeln, wofür die Spieler ihr Geld nicht ausgeben dürfen?

Radoki: Nein, sie sind selbst dafür verantwortlich. Ich gebe auch keine Ratschläge. Die Spieler haben alle Berater. Ein guter Berater zeichnet sich dadurch aus, dass er den Spieler auch in seiner Lebensplanung berät, nicht nur in puncto Verträge. Die Berater sind dafür da, dass sich die Spieler auch im Privaten weiterentwickeln.

 

Welchen Einfluss hat das Geld auf den Charakter der Spieler?

Radoki: Die Spieler, die ich in der U 19 hatte und die jetzt bei uns im Profikader sind, haben sich nicht verändert. Patrick Sontheimer wohnt immer noch im Jugendinternat. Er hat nicht mal einen Führerschein. Das finde ich super. Auch David Raum ist total klar im Kopf, genauso wie Dominik Sollfrank, der noch zur Schule geht und im Sommer sicher den Abschluss schaffen wird. Das freut einen Trainer natürlich.

 

Der Wettbewerb zwischen den Vereinen scheint seit einiger Zeit immer ungleicher zu werden. In den USA gibt es eine Gehaltsobergrenze für Vereine. Wäre das auch ein Modell, das Sie sich im europäischen Fußball vorstellen könnten?

Radoki: Es ist mir völlig egal, ob es eine Gehaltsobergrenze gibt oder nicht. Jedes Land und jede Sportart muss selbst entscheiden, ob man so eine Reglementierung braucht. Wir leben in einer freien Marktwirtschaft. Angebot und Nachfrage regeln den Preis, fertig.

 

Es wäre aber doch vor allem für kleinere Vereine einfacher, oder?

Radoki: Einfach kann jeder. Sich mit viel Geld eine Mannschaft zusammenkaufen kann jeder. Das Schwere ist das Arbeiten und das Ausbilden.

 

Welche Spielidee verfolgen Sie mit der Mannschaft?

Radoki: Flach spielen, hoch gewinnen (lacht). Ich will aggressives Anlaufverhalten gegen den Ball. Ich nenne es aktives Verteidigen, um möglichst schnell in Ballbesitz zu kommen. In Ballbesitz ist das Erkennen von freien Räumen wichtig. Die Spieler sollen die freien Räume erkennen und nutzen.

 

Sie haben über Jahre hinweg erfolgreich mit die U 19 ausgebildet. Haben Sie sich den Schritt, Profitrainer zu werden, gut überlegt?

Radoki: Mir ist keine Zeit geblieben zu überlegen. Der Präsident und der Manager sind gekommen und haben gesagt, sie brauchen Hilfe. Dadurch, dass ich nicht nur als Trainer lange im Verein bin, sondern auch als Spieler im Verein war, war das für mich kein Thema. Was gibt €˜s da zu überlegen? Für mich hat sich nichts geändert.

 

Die Gefahr ist ja immer, dass man, wenn es nicht so gut läuft, nicht mehr zurück in den alten Job kann. Hat das für Sie keine Rolle gespielt?

Radoki: Ich kann als A-Jugend-Trainer genauso rausfliegen. Vielleicht nicht in dieser Geschwindigkeit, wie es jetzt im Profibereich ist. So ist einfach das Geschäft. Das mache ich jetzt seit ich 18 bin. Warum muss man sich immer Gedanken machen, was wäre wenn? Ich versuche in der Gegenwart zu leben und sie so gut wie möglich zu beeinflussen.

 

Würden Sie wieder eine U 19 trainieren, wenn es irgendwann nicht mehr läuft?

Radoki: Fußball ist mein Hobby. Das Hobby habe ich schon in der Jugend zu meinem Beruf gemacht. Da geht es nicht darum, ob ich in einem Stadion vor 20 000 Zuschauern spiele oder mit der U 19 vor 200 Zuschauern spiele. Es geht darum, die Jungs besser zu machen. Das macht Spaß.

 

Sie können es sich also vorstellen, wieder Jugendarbeit zu machen?

Radoki: Ich kann mir alles vorstellen, auch eine Damenmannschaft (lacht).

 

Bedeutet es Ihnen etwas, am Ende in der Tabelle vor dem 1. FC Nürnberg zu stehen?

Radoki: Nein, wir sind die SpVgg Greuther Fürth. Mich interessiert nicht der Club. Jede Trainingseinheit, die wir bestreiten, bestreiten wir nicht für Nürnberg, sondern für uns. Wir wollen besser werden. Wenn wir alles rüberbringen, sind wir auch noch vor anderen Vereinen und nicht nur vor Nürnberg.

 

Das Gespräch führte

Georg Sonnenberger.