Irgendwann geschah in dieser Woche dann auch beim 1. FC Nürnberg das, was bei so ziemlich allen Bundesligaklubs irgendwann einmal geschieht, wenn der Verein zu wenige Tore erzielt: Initiiert von ein paar Fans tauchte der Name Claudio Pizarro wenig überraschend in den sozialen Netzwerken des Clubs auf. Stolze 191 Bundesligatreffer hat der Peruaner im Laufe seiner Karriere erzielt, der inzwischen für einen Fußballer stattliche 38 Jahre alt und seit Kurzem vereinslos ist. Eine Option für den Club? Eher nicht. Doch die Diskussion zeigt, wo die Probleme des Zweitligisten in seiner aktuellen Verfassung liegen.

Der guten Vorbereitung mit sieben Testspiel- und dem noch besseren Saisonstart mit drei Pflichtspielsiegen in Serie folgten zuletzt enttäuschende Ergebnisse und am Montag ein Heimspiel gegen St. Pauli, das der Club zwar über weite Strecken dominierte, bei dem es ihm aber trotzdem nicht gelang, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. "Wer soll am Ende die Tore schießen", fragte sich nicht nur Trainer Michael Köllner. Der Club, der gegen die Hamburger im 3-4-3-System und ohne echten Stürmer aufgelaufen war, ist aktuell auf der Suche nach der offensiven Durchschlagskraft.

Und in Nürnberg landet man bei diesem Thema dann auch recht schnell beim Namen Guido Burgstaller. "Dass uns einer wie er fehlt, darüber brauchen wir nicht zu reden", sagt Linksverteidiger Tim Leibold. "Wir waren verwöhnt von ihm. Einen solchen Knipser haben wir momentan nicht", weiß auch Innenverteidiger Georg Margreitter. Sein österreichischer Landsmann, der jetzt für Schalke 04 in der Bundesliga trifft, hätte aus einer Halbchance ein Tor gemacht. "Jetzt brauchen wir wahrscheinlich drei Vollchancen für einen Treffer", so Margreitter. Der potenzielle Burgstaller-Ersatz Mikael Ishak hat in fünf Ligaspielen noch nicht getroffen. Auch Cedric Teuchert und Edgar Salli sind bislang offensiv zu harmlos. Mit Rurik Gislason steht nach seiner Erkrankung zumindest eine weitere Alternative wieder zur Verfügung.

Michael Köllner möchte vor dem Auswärtsspiel in Duisburg (Samstag, 13 Uhr) nun "an ein paar Stellschrauben drehen", vor allem in Sachen Torgefahr. "Wir müssen uns weiter Chancen erspielen und dann auch mal ein Ding über die Linie bringen", sagt der Trainer, für den die Aufgabe aber nicht leichter wird. Am Montag musste Kevin Möhwald nach einer halben Stunde mit Oberschenkelproblemen raus. Man könne keine seriöse Prognose über dessen Rückkehr treffen, betont Köllner. "Wir werden am Samstag jedenfalls kein Risiko eingehen." Fällt Möhwald aus, fehlt den Nürnbergern ihr derzeit torgefährlichster Offensivspieler (drei Tore in fünf Spielen). Als der Club vor fünf Wochen schon einmal in Duisburg gewann, trafen Hanno Behrens und Margreitter per Kopf zum 2:1-Sieg in der ersten Pokalrunde. Die Vorarbeit kam jeweils von Sebastian Kerk, der mit seinem Achillessehnenabriss langfristig fehlt. Ein weiterer Teil des Club-Offensivdilemmas.

"Trotzdem haben wir mit diesem Gegner in jüngster Zeit gute Erfahrungen gemacht", betont Köllner vor der Auswärtspartie in Duisburg, weiß aber auch, "dass der MSV seitdem in der Liga angekommen ist." Nach dem besagten Pokalspiel im August holte der Aufsteiger in drei Zweitligapartien sechs Punkte, der Club nur einen einzigen Zähler.

In den kommenden acht Tagen trifft Köllners Mannschaft außerdem noch auf den VfL Bochum, es folgt das Derby in Fürth. "Es ist die Chance, ergebnistechnisch ein paar Dinge zu regeln", sagt Köllner, der sich mit seiner Mannschaft während der englischen Woche "im oberen Drittel festsetzen" möchte. Dazu muss seine Mannschaft in erster Linie Tore erzielen. Und die Nürnberger müssen es alleine regeln. Pizarro jedenfalls wird ihnen nicht helfen.