Während Schalke-Trainer Domenico Tedesco seinen Winterneuzugang Cedric Teuchert bereits in den höchsten Tönen lobt, hat man beim Club mit Neuverpflichtungen auf den Abgang reagiert. Nachtrauern wird man dem wechselwilligen Stürmer jedenfalls nicht, schließlich hat man in Nürnberg reichlich Erfahrung damit, aussichtsreiche Talente an größere Vereine abzugeben. Ein Überblick der vergangenen zehn Jahre:

 

  • 2008/09, 2. Liga: Nach dem Absturz in die Zweitklassigkeit verließen den Club in der Sommerpause 2008 kaum hoffnungsvolle Talente, sondern vielmehr gestandene Leistungsträger der erfolgreichen Vorjahre: Unter anderem die Abgänge von Zvjezdan Misimovic (VfL Wolfsburg), Robert Vittek (OSC Lille), Ivan Saenko (Spartak Moskau) oder Jan Koller (KS Samara) leiteten einen Umbruch ein, der letztlich zum sofortigen Wiederaufstieg führte.

 

  • 2009/10, 1. Liga: Auch in der Saison nach dem Wiederaufstieg musste der Club keines seiner größten Talente ziehen lassen.

 

  • 2010/11, 1. Liga: Dennis Diekmeier, Hamburger SV, 2,2 Millionen Euro: Gemessen an der Anzahl seiner Einsätze (197) ist Diekmeier, der noch immer auf seinen ersten Treffer wartet, inzwischen der torungefährlichste Bundesliga-Spieler aller Zeiten. Dennoch ist der 28-jährige Außenverteidiger, der zwei Jahre lang für den Club aktiv war, seit seinem Wechsel zum HSV dort schon im achten Jahr eine gesetzte Erstliga-Stammkraft.

 

  • 2011/12, 1. Liga: Ilkay Gündogan, Borussia Dortmund, 5,5 Millionen Euro: Das Paradebeispiel für einen Wechsel eines Club-Talents mit großen Auswirkungen. Nach drei Jahren in Nürnberg begann für den Mittelfeldspieler mit seinem Wechsel zum BVB eine internationale Karriere, die nur durch Gündogans Verletzungspech bislang nicht noch erfolgreicher ausfiel (Stichwort: verpasste WM 2014). Beim Weiterverkauf zu Manchester City profitierte der Club 2016 mit einem Anteil von weiteren 4,5 Millionen.
 
  • 2012/13, 1. Liga: Philipp Wollscheid, Bayer Leverkusen, sieben Millionen Euro: Als der damals 23-jährige, 1,94 Meter große Innenverteidiger nach Leverkusen wechselte, schien sich eine große Karriere anzubahnen, für die zunächst auch zahlreiche Bundesliga-, Champions-League- und Europa-League-Einsätze sprachen. Nach mehreren Wechseln löste Wollscheid jedoch erst vor wenigen Tagen seinen Vertrag beim FC Metz auf und ist seitdem vereinslos.
 
  • 2013/14, 1. Liga: Alexander Esswein, FC Augsburg, 250 000 Euro: Aus der 3. Liga holte der Club den schnellen Außenstürmer, der prompt in der Bundesliga zum Stammspieler wurde. Nach drei Jahren ging Essweins Entwicklung in Augsburg und inzwischen bei Hertha BSC weiter, wo er jeweils auch internationale Erfahrung sammelte.

 

  • 2014/15, 2. Liga: Josip Drmic, Bayer Leverkusen, 6,8 Millionen Euro: 17 Treffer in 33 Spielen reichten nicht. Nach dem Abstieg war nach nur einer Saison auch der erst 21-jährige Torjäger weg. Immerhin gab es für den Club eine stattliche Ablöse. In 60 Bundesliga-Spielen für Leverkusen, den HSV und Borussia Mönchengladbach ließ der Schweizer Nationalspieler allerdings nur noch acht Treffer folgen.

Marvin Plattenhardt, Hertha BSC, 500 000 Euro: Sogar über einen Transfer zum FC Bayern wurde im vergangenen Sommer spekuliert. Der Linksverteidiger, der aus dem Club-Nachwuchs kommt und nach dem Abstieg 2014 zum "Schnäppchenpreis" nach Berlin wechselte, hat es weit gebracht. Plattenhardt ist absolute Stammkraft in der Bundesliga und Europa League. Darüber hinaus wurde der 25-Jährige unter Joachim Löw zum fünffachen Nationalspieler.

 

  • 2015/16, 2. Liga: Alessandro Schöpf, FC Schalke 04, fünf Millionen Euro: Der Österreicher machte den Auftakt und wechselte (wie später Burgstaller und Teuchert) in der Winterpause nach Gelsenkirchen. Aufgrund diverser Verletzungen kam der Nationalspieler in der laufenden Saison selten zum Einsatz, 2016/17 lief Schöpf in Bundesliga, Europa League und DFB-Pokal dagegen 42-mal für die Schalker auf (acht Treffer, vier Vorlagen).

Niklas Stark, Hertha BSC, drei Millionen Euro: In erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen mussten die Club-Fans im August 2015 den Verkauf eines ihrer größten Talente schlucken. In der Hauptstadt ist der gebürtige Mittelfranke, der seit 2004 beim Club spielte, längst eine feste Größe. Mit der U 21-Nationalmannschaft wurde der heute 22-Jährige im vergangenen Jahr Europameister.

 

  • 2016/17, 2 Liga: Niclas Füllkrug, Hannover 96, 2,2 Millionen Euro: Mit 14 Treffern hatte "Fülle" großen Anteil daran, dass der Club nach einer tollen Saison 2015/16 erst in der Relegation an Eintracht Frankfurt gescheitert war. Trotzdem wechselte der heute 24-Jährige zum Liga-Konkurrenten, stieg mit den Niedersachsen in die Bundesliga auf und ist dort inzwischen Stammspieler (17 Spiele und fünf Tore in dieser Saison).

Guido Burgstaller, FC Schalke 04, 1,5 Millionen Euro: Nein, als hoffnungsvolles Talent geht der inzwischen 28-jährige Österreicher nicht mehr durch, doch mit Burgstaller verließ in der Winterpause 2016/17 der beste Zweitliga-Torjäger und damit die letzte Aufstiegshoffnung den Club. Für den Stürmer selbst zahlte sich der Wechsel aus: Er steuerte für die Königsblauen in 44 Pflichtspielen schon 20 Tore und acht Vorlagen bei.

 

  • 2017/18, 2. Liga: Abdelhamid Sabiri, Huddersfield Town, 1,5 Millionen Euro: Ähnlich wie jetzt Teuchert hatte auch der erst kurz zuvor von der U 21 beförderte Sabiri im Sommer 2017 seinen Wechsel forciert und sich damit in Nürnberg nicht gerade beliebt gemacht. Ähnlich wie Teuchert wird auch dem 21-Jährigen ein gewisser Hang zur Selbstüberschätzung nachgesagt. In der Premier League bringt es das große Talent bisher nur auf vier Einsätze.