Den Ruf, unersetzlich zu sein, hat sich Mikael Ishak beim 1. FC Nürnberg in dieser Saison bereits redlich verdient. Alleine seine eigene Ausbeute spricht mit zwölf Treffern in 22 Spielen eine eindeutige Sprache. Fünf Tore hat der Schwede noch dazu seinen Teamkollegen aufgelegt. Und weil Ishak mit seiner Ruhe und seiner Präsenz am Ball ganz unabhängig von diesen Statistiken dazu beiträgt, dass das Club-Offensivspiel in dieser Saison so erfolgreich funktioniert, hat seine Mannschaft in 22 Zweitligaspielen mit ihm durchschnittlich zweimal pro Partie getroffen. Ohne ihn nur weniger als halb so oft (0,8 Tore pro Partie).

Die Hoffnung war also riesengroß, als in Nürnberg in dieser Woche die Runde machte, dass Ishak ab Montag wieder gemeinsam mit der Mannschaft auf dem Platz stehen würde und damit sogar eine Option für das Auswärtsspiel in Dresden sei. Sechseinhalb Wochen sind vergangen, seit der Stürmer in St. Pauli ausnahmsweise nicht das Tor, sondern nur den Pfosten getroffen hatte. Doch was noch viel schlimmer war: Im Nachsetzen, bei einem Schuss aus spitzem Winkel, riss sich der Schwede das Innenband im linken Knie und fällt seitdem aus. Seit diesem Abend sehnen alle beim Club die Rückkehr des Torjägers herbei.

Die Voraussetzung dafür, dass es nun schon am Samstag in Dresden geklappt hätte, wäre gewesen, dass Ishak "gut durch die Woche kommt", wie sein Trainer Michael Köllner zuvor erklärt hatte. Man werde dann sehen, wie es vor dem Auswärtsspiel aussieht. Diese Aussagen und die Aussage, dass Ishak läuferisch und konditionell "voll belastbar" sei, machten Hoffnung. Der bisherige Verlauf der Trainingswoche, in der Ishak bislang doch nur individuell trainierte, spricht nun aber eher gegen einen Einsatz. Beim Club möchte man wohl kein Risiko eingehen. Und so geht der Tabellenzweite wohl zunächst ohne seinen unersetzlichen Stürmer in die entscheidende Saisonphase, die "Schlussetappe", wie sie Köllner bezeichnet. "Und wir haben eine Pole Position", sagt er. Der 48-Jährige ist nach wie vor zuversichtlich. Auch wenn das komfortable Acht-Punkte-Polster auf den Tabellendritten Holstein Kiel inzwischen auf nur noch zwei Zähler zusammengeschrumpft ist und der Rückstand auf Tabellenführer Fortuna Düsseldorf inzwischen sieben Punkte beträgt. Während Düsseldorf (neun Punkte) und Kiel (sieben) in den vergangenen drei Spielen mit kurzen Zwischensprints ihre Ambitionen untermauerten, ist der Club seit vier Spielen sieglos. "Wir haben ja aber nichts zu verlieren, weil unser Saisonziel ein ganz anderes war. Das sollte man sich immer wieder vor Augen halten", sagt Köllner.

Die Länderspielpause kam deshalb wohl auch gerade zum richtigen Zeitpunkt: einerseits als Gelegenheit für die Spieler, sich in zwei freien Tagen auch noch einmal mental zu erholen. Andererseits als Möglichkeit für den Trainer, die etwas aus dem Tritt gekommene Mannschaft spielerisch und taktisch vor dem Endspurt wieder in die Spur zu bringen.

Vor allem im Offensivbereich muss sich der Club steigern. In den vergangenen drei Begegnungen traf nur Verteidiger Georg Margreitter zum 1:1 gegen Darmstadt. In Fürth (0:2) und Bielefeld (0:1) blieben die Nürnberger dagegen über weite Strecken harmlos. "Ich hoffe, dass wir es bald wieder gemeinsam besser machen können", sagt der vermisste Ishak, der am Samstag seinen 25. Geburtstag feiert. Und er betont: "Dass wir zuletzt nicht so oft getroffen haben, kann man nicht an einem Spieler festmachen. Wir haben als Mannschaft einfach nicht so gut gespielt." Bescheiden ist der Club-Stürmer, aber für seine Mannschaft eben trotzdem kaum zu ersetzen.