Donnerstag, 23. März 2017 |

 

20.03.2017 21:38 Uhr | x gelesen
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Einer wie du und ich


Bild: Einer wie du und ich. Köln Köln (DK) 129 Länderspiele, 48 Tore, acht Turniere, ein WM-Titel: Lukas Podolski hinterlässt tiefe Spuren in Deutschlands Fußball-Historie. Einer der letzten Nationalspieler, der noch auf dem Bolzplatz groß wurde, tritt ab. Der kleine Junge, der aus Polen kam, geht als Weltmeister.

Köln (DK) 129 Länderspiele, 48 Tore, acht Turniere, ein WM-Titel: Lukas Podolski hinterlässt tiefe Spuren in Deutschlands Fußball-Historie. Einer der letzten Nationalspieler, der noch auf dem Bolzplatz groß wurde, tritt ab. Der kleine Junge, der aus Polen kam, geht als Weltmeister.


Köln: Einer wie du und ich
Foto: DK

Geschichten über Lukas Podolski fangen in Köln an und enden in Köln. Köln und Podolski, das ist viel mehr als eine Erfolgsgeschichte im Fußball. Es ist eine Lebensgeschichte, obwohl der Weltmeister erst im Juni seinen 32. Geburtstag feiert. Das sagt viel über den Weltenbummler, der im Sommer nochmals seine Koffer packt und nach Japan geht.

Lukas Podolski ist vielleicht der letzte Straßenfußballer in der Nationalmannschaft. Er hat das immer betont. Und er hat es bewusst betont. Fußballfans besitzen ein feines Gespür dafür, ob ein Fußballmillionär einer von ihnen ist. Und bleibt. An Podolski haben sie nie einen Zweifel gelassen. Mit dem 130. Einsatz verabschiedet er sich beim Klassiker gegen England morgen Abend (20.45 Uhr/ARD), für den Kapitän Manuel Neuer gestern wegen Wadenproblemen absagen musste, aus der Nationalmannschaft.

2003 eroberte Podolski die Herzen der Kölner im Sturm. Es ist, als wäre es gestern gewesen. Der Schweizer Marcel Koller war Trainer in Köln, er sah Podolski und wusste sofort, das ist einer, das wird einer, der Junge ist außergewöhnlich. War er auch, auch wenn seine Interviews in der Anfangsphase noch ein wenig ungehobelt geklungen haben. Podolski war einer, der in den ersten Phasen seines Lebens stets nur an Fußball dachte. "Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen", sagt er.

Acht Turniere mit der Nationalelf hat Podolski gespielt, 130 Länderspiele sind es geworden. Keiner hat jemals so viel gute Laune verbreitet wie er. Gespräche mit ihm waren Highlights. Er trieb den Menschen, nicht nur den Fußballfreunden unter ihnen, die Tränen in die Augen. Bastian Schweinsteiger und er galten 2004 als die "jungen Wilden" des deutschen Fußballs, beim Sommermärchen 2006 standen sie im Mittelpunkt. Und haben sich trotzdem anders entwickelt. Freunde sind sie geblieben, da ist etwas, das bleibt. "Wir waren Teil einer neuen Generation damals", sagt Podolski. Vielleicht waren die zwei aber viel mehr. Junge Kerle, nach denen sich der deutsche Fußball gesehnt hat. Vermutlich war es viel emotionaler, als es heute ist. Und dabei ist es nur etwas mehr als ein Jahrzehnt, das vergangen ist.

Das Finale von Rio de Janeiro bezeichnet Lukas Podolski als "Krönung", obwohl er gar nicht spielte. Das "Sommermärchen" bleibt ewig in seinem Kopf, unabhängig davon. Diese Begeisterung im Lande, die geschaffen hat, was Generationen von Politikern nicht schafften: Ein neues, positives Deutschland-Bild in der Welt aufzubauen. Mehr geht nicht. Die Beziehung zwischen ihm und Bundestrainer Joachim Löw ist eine besondere. In keiner Phase hat die hundertprozentige gegenseitige Wertschätzung gelitten. Nie. Was sie aneinander besonders schätzen, ist Ehrlichkeit.

Sauer war Podolski eigentlich nie. Einzige Ausnahme war, als er in einigen Blättern bei der EM 2016 als "Pausenclown" und "EM-Maskottchen" beschrieben wurde. Das hat ihn verletzt. "Nicht jeder muss mich mögen. Es gibt eben immer Leute, die neidisch sind und nur das Schlechte sehen wollen. Ich brauche nur in die Gesichter der Fußballfans zu schauen, dann weiß ich, wie man über mich denkt", sagt Podolski.

Auch in Japan wird das vermutlich so sein. Auch die Fans in England, in Italien und vor allem auch bei Galatasaray Istanbul in der Türkei haben ihn stets gemocht, um nicht zu sagen: verehrt. Lukas Podolski hat sich nie verstellt, er ist immer authentisch geblieben. Allein das ist ein Wert an sich. Und deshalb wird er fehlen.

 

Die besten Sprüche


„So ist Fußball. Manchmal gewinnt der Bessere.“
Über das verlorene WM-Halbfinale gegen Italien 2006.

„Jetzt müssen wir die Köpfe hochkrempeln. Und die Ärmel natürlich auch.“
Zur Abstiegsgefahr seines Herzensklubs 1. FC Köln.

„Hat 15 Minuten gedauert. Sieht man ja auch.“
Über die Frisur von Bastian Schweinsteiger.

„80 Prozent von euch und ich auch kraulen sich auch mal an den Eiern.“
Zu DFB-Coach Joachim Löw, der bei der EM 2016 in pikanter Situation gefilmt worden war.

„Rein das Ding und ab nach Hause!“
Über seine Aufgabe als Stürmer.
Von Christoph Fischer

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