Die Partie in Ingolstadt ist der Auftakt einer Reise, die die DFB-Auswahl am Ende in das Finale der Weltmeisterschaft 2019 in Frankreich führen soll. Mit dem Quali-Spiel gegen Slowenien beginnt auch die zweite Chance für Steffi Jones. Die Bundestrainerin wurde für das EM-Aus im Viertelfinale im Juli hart kritisiert. Dennoch sprach der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Jones das Vertrauen aus und verlängerte sogar ihren Vertrag bis zur WM.

Neben den sportlichen Defiziten zeigten sich bei der EM auch Mängel in der Einstellung der Spielerinnen. 2007 triumphierte eine deutsche Mannschaft zum bisher letzten Mal bei einer Weltmeisterschaft und begeisterte mit ihrem Spiel. Zehn Jahre später kämpft Jones darum, diesen bedingungslosen Ehrgeiz, den Birgit Prinz, Nadine Angerer und Ariane Hingst damals hinlegten, in ihren heutigen Spielerinnen zu wecken und eine Führungspersönlichkeit zu finden. "Ich brauche mehr Spielerinnen, die den Mund aufmachen, lautstärker werden und vorangehen. Diese Typen zu finden, wird eine wichtige Aufgabe bis zur nächsten WM", sagte die 44-Jährige.

Eine Kandidatin dafür kehrt nun zurück: Simone Laudehr wird das DFB-Team nach ihrer 13-monatigen Verletzungspause wieder verstärken und am Samstag wohl ihr 100. Länderspiel absolvieren. Was Kapitänin Dzsenifer Marozsan, Abwehrchefin Babett Peter oder Torhüterin Almuth Schult bei der EM noch nicht gelungen war, soll jetzt Laudehr vollführen: Vorangehen, ein Vorbild an Leidenschaft und Einsatzbereitschaft sein, Dinge ansprechen, die nicht laufen. "Sie ist eine sehr agile Spielerin, die im Training immer sehr lautstark mitredet, die einfach diesen Offensivdrang lebt und für uns eine Unterstützung sein kann für die Spielerinnen, die noch nicht diese Länderspielerfahrung haben", sagte die Bundestrainerin.

Davon stehen reichlich genug im Kader: Jones hat mit Carina Schlüter, Joelle Wedemeyer und Lea Schüller drei Neulinge nominiert, elf weitere Spielerinnen haben bisher weniger als 20 Länderspiele absolviert. "Simone ist eine enorm wichtige Spielerin, auf dem Platz und auch außerhalb des Platzes. Auch durch ihre enorme Erfahrung, die sie mitbringt. Sie ist ein richtiger Typ", sagte Mittelfeldakteurin Sara Däbritz.

Mehr Ehrgeiz fordern, weniger Wohlfühloase bieten - damit will Jones den achtmaligen Europameister und zweimaligen Weltmeister zum Erfolg zurückführen. "Die Analyse und Besprechung am ersten Tag waren sehr deutlich", erzählte Däbritz. "Jede Spielerin weiß, was das Trainerteam will, und wir versuchen, das jetzt bestmöglich umzusetzen. In den Trainingseinheiten hat man das auch durchaus gesehen. Jede Spielerin hat den absoluten Willen mitgebracht."

Sportlich gesehen dürfte der Weg bis zur WM wenig steil sein. Vor vier Jahren gewann die DFB-Elf gegen Slowenien in der WM-Quali auswärts 13:0 und gab sich auch zu Hause mit einem 4:0 keine Blöße. Nach dem Spiel in Ingolstadt, für das bisher rund 3000 Tickets verkauft wurden, geht es schon am Dienstag (18 Uhr/ARD) auswärts gegen Tschechien weiter, im Oktober folgen die Duelle gegen Island, den einzigen Gegner auf Augenhöhe, und den absoluten Außenseiter Färöer. Dennoch: Nur der Gruppensieger ist qualifiziert. "Willensstärke und Zielstrebigkeit sind das Ziel für die Qualifikation. Das haben sich die Spielerinnen auch vorgenommen", fordert Jones. "Es ist wichtig, dass wir jedes Spiel nutzen und da jetzt auch Tore schießen." Oder auf Bairisch: "Pack mer's!"