Ingolstadt: Hasenhüttls Psychotricks
Im richtigen Moment auf dem Posten: Nach einer verhaltenen Vorbereitung zeigte Alfredo Morales (links) beim Rückrundenstart gegen Mainz eine starke Leistung. Prompt lobte Trainer Ralph Hasenhüttl den US-Nationalspieler. - Foto: Witters
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Hasenhüttl musste selber ein wenig grinsen, als er nach dem Spiel gegen Mainz auf seine Gewinner der Vorbereitung angesprochen wurde. Elias Kachunga, Max Christiansen oder Maurice Multhaup hatte er selbst vor dem Rückrunden-Auftakt gegen Mainz immer wieder öffentlich gelobt. Zum einen sicher, um die positiven Ansätze bei den angesprochenen Akteuren zu loben. Dann aber verriet er, dass er damit auch noch eine andere Idee verfolgt hatte. Und ausgerechnet bei zwei seiner besten Akteure am vergangenen Samstag ging dieser Plan auf.

Angefangen bei Alfredo Morales, der seinen Platz schon an Christiansen verloren zu haben schien. "Wenn ihr ihn in der Zeitung dann auch noch richtig runterbuttert, dann habe ich den ,Alfi' genau da, wo ich ihn haben will", sagte Hasenhüttl. Soll heißen: Morales, der immer mal den Eindruck erweckt, dass es ihm an der notwendigen Zielstrebigkeit mangelt, sollte bewusst angestachelt werden. Hasenhüttls Idee ist nicht neu, schließlich arbeitet er schon über zwei Jahre mit dem US-Nationalspieler zusammen. "Ich habe es schon einige Male so mit ihm gemacht. Dieses Mal war es knapp, denn Christiansen war in der Vorbereitung eigentlich der Bessere."

Hasenhüttl nominierte trotzdem Morales - weil er den 25-Jährigen kennt. "Im Wettkampf erwarte ich von ihm immer, dass er noch ein paar Prozent drauflegt. Und genauso war es." Tatsächlich sprühte der Mittelfeldakteur vor Spielfreude, warf sich in die Zweikämpfe und war lange Zeit der auffälligste Ingolstädter. Hasenhüttl: "So gefällt mir ,Alfi'. Er war heute griffig und präsent, dann ist er am wertvollsten für uns."

Einmal in Stimmung, verriet der Trainer, dass er bei Siegtorschütze Moritz Hartmann die gleiche Taktik anwendet. Hartmann, seit der 3. Liga im Klub, weiß, dass ihm manch einer den Sprung in die Bundesliga nicht zugetraut hat. Jetzt ist er mit vier Treffern - alle anderen Ingolstädter Torschützen haben nur einmal getroffen - der Toptorjäger des Klubs. "Jedes Jahr werden neue Stürmer geholt, und die Leute denken, ich falle raus. Genau dann zeige ich aber, dass ich noch da bin", hat Hartmann am Spieltag gesagt.

Hinter seiner Entwicklung steckt indes auch viel Arbeit. "Moritz hat es nicht leicht bei mir. In der Vorbereitung ist er schnell mal hinten dran, aber ich muss auch ihn kitzeln, denn genau dann fängt er an zu fighten", erzählt Hasenhüttl. "Dann sehe ich ,Mo' plötzlich im Kraftraum schuften, sehe, wie er an seiner Schnelligkeit arbeitet. Das tut ihm gut, denn sonst hätte er in der Bundesliga wohl auch keine Chance." Multhaup, der in der Vorbereitung Hartmann zu verdrängen schien, muss sich wohl noch etwas gedulden.

Zumindest eine positive Tendenz war bei Kachunga auszumachen. Auch wenn ihm noch nicht alles gelang, so verdrängte der 25-Jährige zum Rückrundenstart mit Lukas Hinterseer und Stefan Lex immerhin zwei Etablierte. Der Trainer erklärt, warum: "Ich wollte mit seiner Nominierung auf die Leistungen der Vorbereitung Rücksicht nehmen. Und da ist von Elias eben mehr gekommen. Aber Lukas und Stefan wissen, dass es bald auch wieder anders ausschauen kann." Ein weiterer Konkurrent ist natürlich Neuzugang Dario Lezcano, der bei seinem halbstündigen Debüt gegen Mainz einen engagierten Eindruck hinterließ.

Dabei scheint der Paraguayer das laufintensive Spielsystem Hasenhüttls sofort akzeptiert zu haben. Das ist wichtig, denn in diesem Punkt lässt der Trainer nicht mit sich reden. "Wir sind mit dieser Spielweise hierhin gekommen, die werden wir nicht ändern. Solange ich hier Trainer bin, jedenfalls nicht", stellte er klar. Offenbar müssen sich die Fans darauf einstellen, dass sich die Ingolstädter selbst nach einem frühen 1:0 - der FCI ging zum ersten Mal schon in der ersten Halbzeit in Führung - zunächst einmal auf die Ergebnissicherung konzentrieren. Warum, erklärt Torwart Ramazan Özcan: "Die nächsten Aufgaben für uns werden pickelhart. Wir wissen, dass wir noch 16 Schlachten zu schlagen haben."