Ingolstadt: "Es wird Zeit, dass der Knoten platzt"
Feierte sein Comeback in der Nationalmannschaft: FCI-Torwart Örjan Nyland gewann mit Norwegen 1:0 gegen Nordirland. - Foto: Bösl
Ingolstadt

Ingolstadts Cheftrainer Stefan Leitl warnt allerdings vor dem um zwei Plätze besser platzierten Tabellenzehnten: "Dresden ist eine sehr hohe Hürde. Sie haben eine Mannschaft, die gerade bei eigenem Ballbesitz sehr flexibel agiert und aggressiv nach vorne verteidigt. Entsprechend wird es für uns nicht viele Räume geben, die wir bespielen können."

An den eigenen Ambitionen wird dies freilich nichts ändern. "Wir wollen nach dem Sieg gegen Darmstadt nachlegen und fahren dorthin, um zu gewinnen", sagt Leitl. Seine Spieler hat er auf eine raue Auseinandersetzung eingestellt. "Wir werden physisch an unsere Grenze gehen müssen", prophezeit der FCI-Coach.

Dabei dürfte die Atmosphäre im mit rund 27.000 Zuschauern ausverkauften Dresdner Stadion erneut eine ganz besondere sein. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil mit FCI-Stürmer Stefan Kutschke ein Spieler zurückkehrt, der in der vergangenen Saison noch für die Sachsen auf Torejagd gegangen war. Dem Vernehmen nach haben nicht alle Dynamo-Fans verstanden, warum der mit 16 Treffern dritterfolgreichste Zweitligastürmer der Vorsaison nach Ingolstadt gewechselt ist. Der Empfang für den 28-Jährigen könnte also frostig werden.

Torwart Örjan Nyland, der bislang noch nicht in Dresden gespielt hat, freut sich auf eine emotionale Auseinandersetzung. "Ich habe schon in Polen in der Europa League gespielt und kenne solche Situationen. Ich finde es gut, wenn richtig Stimmung im Stadion ist."

Der 27-Jährige geht ohne Zweifel gestärkt ins Spiel, nachdem er in der zurückliegenden Länderspielpause beim 1:0-Sieg gegen Nordirland nach fast zwei Jahren Pause sein Comeback in einem Qualifikationsspiel der norwegischen Nationalmannschaft feiern durfte. "Es gab einen Sieg, ich habe zu null gespielt und ein paar gute Bälle gehalten - natürlich ist das gut für das Selbstbewusstsein", sagt der FCI-Torwart.

Um auch mit dem FC Ingolstadt dauerhaft in die Erfolgsspur zurückzukehren, hält Nyland einen weiteren Punkt für entscheidend. "Wir haben gemerkt, dass wir nur gewinnen, wenn wir alle gemeinsam verteidigen. Das haben wir zuletzt auch gut hinbekommen, da müssen wir weitermachen." In sechs Spielen mit den Ingolstädtern blieb Nyland bislang dreimal ohne Gegentor.

In personeller Hinsicht können die Schanzer am Samstag indes nahezu aus dem Vollen schöpfen. Lediglich Tobias Schröck, dessen Muskelverhärtung doch noch nicht ganz ausgeheilt ist, und Moritz Hartmann (Erkältung) fallen für das Duell in Dresden aus.

Prompt berichtet Leitl breit grinsend auch von "schönen Kopfschmerzen", die er und sein neuer Co-Trainer André Mijatovic beim Festlegen der Aufstellung haben werden. Spannend wird dabei die Frage, wer als Sturmspitze beginnt und wer im defensiven Mittelfeld den Vorzug erhält.

In der Offensive hat sich Kutschke zuletzt gegen Darmstadt durch seine gute Leistung und den Treffer zum 1:0 gegenüber Dario Lezcano in den Vordergrund gespielt. Dass der 1,94-Meter-Mann als gebürtiger Dresdner auf einen Einsatz brennt, versteht sich ohnehin von selbst.

Ähnlich ist die Situation für Christian Träsch, der nach seinem gelungenen Auftritt gegen die "Lilien" im Zentrum ebenfalls erneut erste Wahl sein könnte. In diese Richtung deutet auch eine Aussage Leitls, der Träsch-Vertreter Tobias Levels auf der Rechtsverteidigerposition bescheinigte, seine Sache gegen Darmstadt "richtig gut" gemacht zu haben.

Für wen er sich entscheidet, ließ Leitl allerdings offen, wohl auch, um den Konkurrenzkampf nicht zu früh aufzulösen. "Es wird die eine oder andere harte Entscheidung geben. Wer spielt, werden wir frühestens am Freitag nach dem letzten Training in Ingolstadt festlegen", erklärte er.

Ansonsten liegt der Fokus im Ingolstädter Lager merklich auf dem Bemühen, mit einem erneuten Erfolgserlebnis eine kleine Serie zu starten und den Abstand zu den vorderen Rängen endlich zu verkürzen. "Es wird Zeit, dass der Knoten platzt", sagt Leitl sehr deutlich. An Keeper Nyland soll es nicht liegen. "Ich bin bereit", sagt der Norweger.
 

Positive Reibung

Mit der Verpflichtung von André Mijatovic als neuen Assistenztrainer habe ihm der Verein einen Wunsch erfüllt, sagte FCI-Chefcoach Stefan Leitl gestern. „André ist der Co-Trainer, mit dem ich die nächsten Jahre und die nächsten Stationen bestreiten werde“, stellte der 40-Jährige klar und nahm so indirekt zur Verabschiedung des langjährigen Co-Trainers Michael Henke Stellung. Henke, der viereinhalb Jahre beim FCI gearbeitet und mit Chefcoach Ralph Hasenhüttl in die Bundesliga aufgestiegen war, hatte wie berichtet am Mittwoch den Verein verlassen. Nachdem der Klub beim Zweitligateam nur noch mit einem Assistenten arbeiten will, hatte man (erfolglos) versucht, Henke für eine andere Aufgabe zu gewinnen. „Bei den Überlegungen, wie wir den Verein besser machen können, entstand die Idee, die Stelle eines Individualtrainers zu schaffen. Ich habe gehofft, dass Michael diese Stelle annimmt“, erklärte Leitl. Diese Position wird nun anderweitig besetzt. Leitl bekannte sich unterdessen klar zu Mijatovic: „André war schon als Spieler jemand, mit dem ich mich in der Kabine reiben konnte. Dabei ging es aber immer um die Sache und darum, die Mannschaft besser zu machen.“ Diesen Ansatz kann das neue Trainer-Duo nun weiterverfolgen. (nor)