Herr Gärtner, zweites Spiel, zweite 0:1-Niederlage. Was ist mit der Mannschaft los?

Harald Gärtner: Es ist genau das eingetreten, wovor wir von Anfang an gewarnt haben. Die Mannschaft hat die 2. Bundesliga vom Kopf her noch nicht vollständig angenommen. Deswegen stehen wir mit null Punkten da. Das ist sehr ernüchternd.

 

Auffällig war, dass sich in Sandhausen die Probleme durch alle Mannschaftsteile zogen. Die Abwehr stand schlecht beim Umschaltspiel, und im Angriff gab es wie schon gegen Union Berlin kaum gelungene Aktionen. Woran liegt das?

Gärtner: Ich kann immer nur betonen: Wir haben uns noch nicht auf das Spiel in der 2. Bundesliga eingelassen. Das heißt aggressiv sein, die Zweikämpfe annehmen, den Ball schnell nach vorne spielen und den Gegner jagen, wenn er in Ballbesitz ist. Wir aber werden gefoult und lamentieren oftmals, statt im Zweikampf aggressiv dagegenzuhalten. Am Freitag haben wir versucht, selbst unter Druck des Gegners von hinten heraus zu kombinieren, was zu riskanten Ballverlusten führte. Damit bringen wir den Gegner in unserem letzten Drittel immer wieder in torgefährliche Positionen. So sollten eigentlich wir spielen. Dahin müssen wir schnellstens zurückkehren.

 

Romain Brégeries Fehler im Spielaufbau leitete die Niederlage ein. Trainer Maik Walpurgis sprach davon, dass er den Fehler auf seine Kappe nimmt, weil er von der Mannschaft gefordert hat, mehr Fußball zu spielen. Wie sehen Sie das?

Gärtner: Fakt ist, dass wir dem Gegner damit eine Torchance ermöglicht haben. So machen wir es dem Kontrahenten zu leicht, Tore zu erzielen. Sandhausen hat so gespielt wie wir zuvor in der Bundesliga. Sie haben uns gejagt und uns dadurch zu Fehlern gezwungen.

 

Ist das auch eine Frage des neuen 3-5-2-Systems? Der Trainer wollte dadurch eine größere taktische Vielfalt erreichen. Bisher jedoch herrscht im Team mehr Verwirrung, die Abläufe klappen immer schlechter statt besser, und das nach fünf Wochen Saisonvorbereitung.

Gärtner: In erster Linie ist das keine Systemfrage, sondern eine Kopfsache. Wir müssen die Zweikämpfe annehmen und Laufbereitschaft mitbringen, das sind die Knackpunkte. Die Mannschaft muss sich wehren. Die Umstellung auf das neue System mag mit ein Grund sein, aber da haben viele Dinge in der Vorbereitung schon sehr ordentlich funktioniert.

 

Andererseits sagte der Trainer mehrfach, dass sich die Mannschaft im 3-4-3 wohlfühlt. Läge es da nicht nahe, zu dieser Variante zurückzukehren?

Gärtner: Diese Flexibilität bei der Systemwahl ist gegeben, das haben wir immer betont. Ich bin aber nicht der Trainer. Aber ich denke, er hat erkannt, wo die Probleme liegen, und er hat sie intern auch bereits angesprochen.

 

Die Mannschaft tritt aber auch nicht geschlossen auf.

Gärtner: Stimmt. Genau deshalb haben wir ja das Teambuildingcamp in Schweden gemacht, um den neu formierten Kader darauf einzustimmen, was auf ihn zukommt. Diesen Teamgeist müssen die Spieler Woche für Woche zeigen.

 

Rührt die Unruhe daher, dass Florent Hadergjonaj und auch Marcel Tisserand den Verein immer noch verlassen wollen?

Gärtner: Nein. Das ist doch in jeder Transferperiode so und kann nicht das Problem der Mannschaft sein. Die betreffenden Spieler müssen sich mit ihrer Situation auseinandersetzen. Und da war es beispielsweise bei Florent so, dass es ein Angebot gab und wir uns nicht mit dem Verein einigen konnten, also ist das Thema erledigt. Und Florent hat seinen Worten auch Taten folgen lassen und in Sandhausen Vollgas gegeben.

 

Liegen die Probleme auch darin, dass im Mittelfeld personell noch so viel im Umbruch ist? Max Christiansen ist verletzt. Sonny Kittel und Almog Cohen sind nicht 100-prozentig fit, Alfredo Morales und Tobias Schröck tauschten zuletzt die Positionen, Thomas Pledl war zweimal gar nicht im Kader. Sind sie von dieser Konstellation nach dem Ende der Saisonvorbereitung überrascht?

Gärtner: Wir haben das Problem, dass Almog und Sonny große Teile der Vorbereitung verpasst haben. Beide müssen schnell fit werden. Aber der Kader ist ausgeglichen besetzt, und dass es da Härtefälle geben kann, ist nichts Ungewöhnliches. Viel entscheidender ist, dass wir anders Fußball spielen. Noch mal, wir müssen aggressiv sein, den Ball vom eigenen Tor weghalten und den Gegner unter Druck setzen. Besser Fußballspielen können und müssen wir in der gegnerischen Hälfte, aber nicht tief in der eigenen.

 

Der Start erinnert allerdings an die vergangene Saison. Neues System, eine Mannschaft, die das nicht umsetzen kann und man läuft ohne Punkt bereits der Musik hinterher. Wie viel Zeit bekommt der Trainer, um das zu korrigieren?

Gärtner: Keine Diskussion. Wir sind 100-prozentig davon überzeugt, dass wir das hinbekommen. Es gab ja keine große Umstellung, der Kader wurde zu 70 Prozent zusammengehalten. Und ich bin sicher, dass Maik Walpurgis und das Trainerteam aus den ersten Spielen die richtigen Erkenntnisse ziehen werden. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass wir in beiden Spielen trotzdem punkten können. Gegen Union fällt das Tor durch einen Sonntagsschuss, zudem müssen wir am Ende einen Elfmeter bekommen. Und wenn Brégerie in Sandhausen den Fehler nicht macht, steht es 0:0, und wir haben zum Auftakt zweimal Unentschieden gespielt. Dass der Start holprig werden könnte, war uns aufgrund der Umstellung auf die neue Liga klar. Aber all das soll keine Ausrede sein, das Auftreten der Mannschaft ist bisher enttäuschend.

 

Jetzt steht am Sonntag das Pokalspiel bei den Münchner Löwen auf dem Programm, eine Woche später folgt in der Liga das Derby gegen Aufsteiger Regensburg. Beide Male ist der FC Ingolstadt klarer Favorit. Was erwarten Sie?

Gärtner: Wir sind nur dann der Favorit, wenn wir auch dort die Grundtugenden abrufen und uns darauf besinnen, was uns stark gemacht hat. Leidenschaft, hohe Laufbereitschaft, Zweikampfstärke, Teamgeist. Wenn wir das nicht zeigen, sind wir auch gegen einen hochambitionierten Regionalligisten und auch gegen einen Zweitliga-Aufsteiger kein Favorit und werden Probleme haben. Wir dürfen den Gegner nicht zur Ruhe kommen lassen, das ist keine Frage des Systems, sondern eine Frage, wie wir als Mannschaft zusammenarbeiten. Wir sind nicht da, um Fußball zu zelebrieren, sondern in erster Linie, um Fußball zu arbeiten.

 

Der FCI hat bisher einen stattlichen Transferüberschuss erzielt. Es heißt, Sie sind am japanischen Mittelfeldspieler Takahiro Sekine von den Urawa Red Diamonds interessiert. Werden Sie noch einmal auf dem Markt tätig?

Gärtner: Ich kann bestätigen, dass wir Sekine verpflichten wollen. Allerdings stehen noch der Medizincheck und einige Formalitäten aus. Wir hoffen, dass der Transfer in dieser Woche über die Bühne geht.

 

Das Interview führte

Gottfried Sterner. ‹ŒFoto: Bösl