Ingolstadt: Genug gehadert
Kommt der Startelf näher: FCI-Stürmer Robert Leipertz. - Foto: Bösl
Ingolstadt

"Natürlich kann ich verstehen, dass der Trainer beim Personal nicht herumprobiert, wenn die Mannschaft achtmal ungeschlagen bleibt", sagt Robert Leipertz im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Warten auf die eigene Chance, ein Los, das viele Profikollegen mit ihm teilen, ist mitunter aber gar nicht einfach. Erst recht, wenn man sich - so wie Leipertz - fit fühlt.

"Ich habe mich definitiv wieder rangekämpft, bin viel näher dran, als noch vor zwei oder drei Monaten, als ich viel mehr mit mir gehadert habe", erzählt der 24-Jährige, der in dieser Saison bisher auf elf Kurzeinsätze kommt. Das könnte sich aufgrund seiner aufsteigenden Form jedoch bald ändern.

Auch Trainer Stefan Leitl bescheinigt Leipertz eine "positive Entwicklung". "Leipi", wie er den blondierten Angreifer nennt, zeige inzwischen "viel mehr Leben, viel mehr Präsenz". Genau das, was Leitl nach seiner Amtsübernahme von Leipertz gefordert habe. Die Umsetzung solcher Forderungen dauert mitunter aber ein bisschen.

Leipertz, der im persönlichen Gespräch eine sympathische Offenheit an den Tag legt und sich auch mal augenzwinkernd einen "kleinen Tollpatsch" nennt, versucht seit rund eineinhalb Jahren, beim FCI Fuß zu fassen. Kalt lässt den 24-Jährigen diese Hängepartie nicht. Denn so sehr sich Leipertz, der bei der gestrigen Einheit als einziger Profi in kurzen Sachen trainierte, die unbekümmerte Straßenfußballer-Attitüde auch bewahrt hat, der gebürtige Jülicher ist eben auch jemand, der sich viele Gedanken über seine Situation macht.

Wer seinen schwierigen Start in die Saison verstehen will, muss deshalb etwas zurückblicken. "In der Vorsaison habe ich nie eine richtige Chance bekommen. Irgendwie fühlte es sich so an, als würde ich dieses Pech die ganze Zeit mit mir herumschleppen", erklärt Leipertz.

Leitl-Vorgänger Maik Walpur-gis hatte ihm in der Abstiegssaison nur sechs Kurzeinsätze in der Bundesliga gegönnt, sodass für Leipertz (Vertrag bis 2020) im Sommer sogar ein vorzeitiger Abschied im Raum stand. Die Rückkehr zu seinem Ex-Klub 1. FC Heidenheim scheiterte aber am Veto des FCI. "Das war sehr konkret. Aber hier hat man mir gesagt, dass man mich halten will", erzählt Leipertz.

"Offene Gespräche" seien das seinerzeit gewesen, "alles absolut in Ordnung", wie Leipertz klarstellt. Deshalb kam es für ihn auch nicht infrage, seine Freigabe zu erstreiken, wie es Ex-Kollege Marcel Tisserand (inzwischen beim VfL Wolfsburg) getan hat. "Ich bin keiner, der irgendwelche unfairen Mittel anwendet", sagt er nur und grinst.

Einige Wochen habe er danach aber gebraucht, um "das Päckchen beiseitezulegen", sprich den mentalen Ballast abzuwerfen. Vor allem die persönlichen Gespräche mit Sportdirektor Angelo Vier ("Wir sind zusammen essen gegangen") und Leitl halfen ihm dabei. Seitdem geht es wieder aufwärts.

Sportlich wird er dabei sein Glück weiter auf der offensiven Außenbahn suchen. Dort, wo er nach zuvor zehn Kurzeinsätzen (kein Tor) gegen Braunschweig endlich mal über rund 20 Minuten ran durfte. Da Stammkraft Thomas Pledl dort zuletzt nicht immer überzeugte, könnte schon an diesem Sonntag (13.30 Uhr) beim 1. FC Kaiserslautern Leipertz' Startelf-Debüt ins Haus stehen. "Ich werde nicht zum Trainer gehen und sagen: ,Hey, wir haben einmal verloren, jetzt wechsel mal'", sagt Leipertz und schmunzelt. Vorbereitet sei er aber auf jeden Fall. "Wenn der Fall eintritt, bin ich da", sagt er selbstbewusst.

In Kaiserslautern und eine Woche später bei Union Berlin, den letzten beiden Liga-Spielen des Jahres, will der FCI noch mal zuschlagen. "Bis Weihnachten wollen wir 30 Punkte haben", verrät Leipertz. Zwei Siege bräuchte Ingolstadt dazu. Leipertz selbst hat noch ein weiteres Ziel: Für einen versöhnlichen Jahrsabschluss hofft er auf ein Tor und das langersehnte Startelf-Debüt.