Ingolstadt: "Ich stelle mich dem Druck"
Mit vollem Einsatz: Stefan Kutschke (vorne) geht stets engagiert zu Werke, ein Tor hat der Stürmer aber noch nicht erzielt. - Foto: Bösl
Ingolstadt

Die Zwischenbilanz ist allerdings mehr als unbefriedigend: Nach fünf Spielen hat er mit seinem neuen Klub erst drei Zähler geholt. Für den Mittelstürmer aber ungleich schlimmer: er selbst konnte in der Liga noch kein einziges Tor erzielen. Nur im DFB-Pokalspiel beim TSV 1860 München (2:1) traf er vom Elfmeterpunkt. "Wenn du in der Vorsaison 16-mal getroffen hast, wird der Druck natürlich nicht weniger - aber dem stelle ich mich", sagt er zum Auftakt der Trainingswoche im Gespräch mit unserer Zeitung.

Eine Woche, in der Kutschke und Kollegen daran arbeiten, dass aus zuletzt guten Ansätzen nach Möglichkeit schon beim Auswärtsspiel beim FC St. Pauli (Samstag, 13 Uhr) auch zählbare Ergebnisse werden. "Auch wir fragen uns, warum bei rund 30 Torchancen gegen Aue nicht wenigstens zwei Bälle reingehen." Das hätte den Ingolstädtern dann zumindest einen Zähler eingebracht. So aber unterlag das Team trotz großer Schlussoffensive mit 1:2.

Prompt wird die schlechte Chancenverwertung beim ambitionierten Bundesliga-Absteiger immer mehr zum Thema. Zumal in der Schlussviertelstunde mit Kutschke (kam in der 51. Minute), Dario Lezcano, Sonny Kittel, Thomas Pledl und Antonio Colak (ab der 77. Minute) fünf Offensivspieler auf dem Platz standen. Mehr als der Anschlusstreffer von Lezcano (84.) gelang aber nicht mehr.

Woran liegt das? Haben die Ingolstädter Stürmer ein Kopfproblem? Fehlt es an der Abstimmung oder gar an der Qualität?

Die Beteiligten wehren ab. "Wir haben gute Jungs vorne drin. Das ist auch eine mentale Sache. Aber wenn der Bann irgendwann gebrochen ist, läuft es auch wieder", ist sich Sportdirektor Angelo Vier, als Profi selbst ehemaliger Stürmer, ganz sicher. Hadern mag auch Kutschke nicht. "Natürlich könnte ich sagen: Ich bin neu in der Mannschaft, die Abstimmung auf dem Platz ist noch nicht so gut und deshalb klappt es nicht. Aber für mich ist das alles Quatsch, das sind alles Ausreden."

Der gebürtige Dresdner schaut eher auf sich selbst, und sagt: "Ich bin bereit, vorneweg zu gehen. Es sollte jetzt bei jedem ,Klick' machen, schließlich wird es höchste Zeit, dass wir aus den vielen Chancen endlich Tore machen."

Dazu gehört für den 1,94-Meter-Mann auch, dass er akzeptieren muss, wenn er - wie gegen Aue - von der Bank kommt. Im unter Interimstrainer Stefan Leitl eingeführten 4-3-3-System gibt es schließlich nur noch einen Stoßstürmer. Und hier erhielt zuletzt Lezcano den Vorzug. Erst als es nach den Treffern von Pascal Köpke (15.) und Sören Bertram (50.) aus Sicht der Ingolstädter bereits 0:2 stand, durfte Kutschke ran.

"Natürlich ärgert man sich. Aber ich habe dem Coach sofort gesagt, dass auf mich Verlass ist, dass ich mich trotzdem reinhaue." Tatsächlich hatte Kutschke auch eine der besten Ingolstädter Möglichkeiten, sein Abschluss wurde jedoch von Aues Verteidiger Sebastian Hertner auf der Linie geklärt (82.).

Der Blick geht nach vorne. "Die Englische Woche wird zeigen, welcher Charakter in der Mannschaft steckt und wohin der Weg führt", sagt Kutschke und erhöht damit selbst den Druck. Den Anfang macht das Spiel beim ebenfalls zum Kreis der Aufstiegskandidaten zählenden FC St. Pauli, dann folgt am Dienstag (18.30 Uhr) die Partie daheim gegen den MSV Duisburg, ehe es am Sonntag (13.30 Uhr) zum VfL Bochum geht. "Die Mentalität ist zurück. Wir werden die Woche daran arbeiten, dass wir hoffentlich die Maximalanzahl an Punkten aus diesen Spielen mitnehmen", erklärt Flügelflitzer Thomas Pledl im vereinseigenen Videokanal.

Zwei Parallelen zur Vorsaison stimmen unterdessen Stürmer Kutschke optimistisch. "Natürlich zieht man Vergleiche", sagt er zunächst über die Runde, in der er immerhin bis zum neunten Spieltag auf seinen ersten Treffer warten musste. "Da habe ich auch im DFB-Pokal mein erstes Tor erzielt", erinnert er sich. Im Weiteren durfte er dann auch in der Liga noch 16-mal jubeln. Es scheint also, als sei noch alles möglich.

Vielleicht platzt ja schon bei St. Pauli der Knoten. "Warum nicht? Es wäre auf jeden Fall schön, dort habe ich nämlich noch nie gewonnen", sagt Kutschke. Kein schlechter Zeitpunkt, um das zu ändern.