„Sandhausen ist ein sehr unangenehmer Gegner. Das wird ein hartes Stück Arbeit, und wir werden Geduld an den Tag legen müssen.“ Das sagte FCI-Trainer Stefan Leitl vor dem Anpfiff. Und wie recht er behalten sollte! Phasenweise bis zu 80 Prozent Ballbesitz hatte sein Team, aber es wusste damit nicht viel anzufangen. Immer wieder störten die gut gestaffelten Sandhäuser, während den Schanzern stets der letzte Pass für eine gelungene Offensivaktion fehlte.

Fotostrecke: FC Ingolstadt - SV Sandhausen 0:0
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„Auf geht‘s schwarz-rote Jungs, schießt ein Tor für uns“, skandierten die Fans in der Kurve. Doch es halft nichts. Vielmehr demonstrierten die Gäste, warum sie mit nur 18 Gegentreffern die beste Defensivabteilung der Liga stellen. Und ihre Marschroute artikulierten sie bereits nach 15 Minuten bei einem Einwurf, als Nejmeddin Daghfous seinem Mitspieler zurief: „Lass dir Zeit.“

Entsprechend ruhig ging es auf dem Rasen zu. Lediglich Dario Lezcanos schwacher 16-Meter-Schuss zwang SV-Keeper Marcel Schuhen zum Eingreifen (7. Minute). Danach musste er nochmals gegen Alfredo Morales auf der Hut sein, als dieser von Thomas Pledl bedient wurde, und aus spitzem Winkel abzog (14.). Letzte Offensivaktion vor der Pause war dann Sonny Kittels 22-Meter-Schuss, der knapp über den Querbalken zischte. Das war‘s. Und die Fans? Sie forderten bereits nach 25 Minuten den genesenen und erstmals seit langem wieder in den Kader berufenen FCI-Rekordtorjäger Moritz Hartmann mit Sprechchören.

Obwohl die Schanzer bis auf Linksverteidiger Paulo Otávio, der den kurzfristig wegen einer Oberschenkelblessur passenden Marcel Gaus ersetzte, eine eingespielte Mannschaft aufbieten konnten, fiel ihnen gegen die dezimierten Gäste nichts ein. Im Gegenteil: Die Sandhäuser, die auf drei Offensivspieler verzichten mussten, die alleine 14 ihrer 24 Saisontreffer erzielten, wagten sich allmählich sogar in die FCI-Hälfte. Und Julian Derstroff gab dann kurz vor der Pause sogar noch den ersten Torschuss ab, auch wenn er sich dafür lange Zeit ließ und erst knapp vor der Torauslinie abzog – FCI-Keeper Örjan Nyland klärte (40.).

Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst nichts. Der FCI mühte sich vergeblich, und die Gäste lauerten auf ihre Chance. Die kam in der 55. Minute, als José Pierre Vunguidica plötzlich frei vor Nyland auftauchte, der Norweger aber parieren konnte. Die gefährlichste Szene des Spiels, in dem der Schanzer Ballbesitzanteil mittlerweile nur noch 63 Prozent betrug.

Die Zuschauer waren schon dankbar, dass Tobias Levels nach einer Stunde Schuhen mit einer Flanke zu einer Faustabwehr zwang, und Christian Träsch einen Freistoß aufs SV-Tor brachte (65.). Danach reagierte Leitl und brachte mit Hartmann und Robert Leipertz zwei frische Offensivkräfte und stellte auf ein 4-4-2-System um. Doch richtig wollten die Ingolstädter nicht ins Laufen kommen, und die Fans leiteten die Schlussviertelstunde mit „Wir-wollen-euch-kämpfen-sehen“-Sprechchören ein. Leitl brachte mit Stefan Kutschke den letzten Joker, doch auch der Stach nicht. Am Ende hatten die Schanzer sogar Glück, dass Manuel Stiefler in der Nachspielzeit den Ball nicht noch Nyland durch die Beine zum Sieg über die Linie stochern konnte, und Vunguidica erneut im FCI-Keeper seinen Meister fand. Am Freitag im Derby bei Jahn Regensburg (18.30 Uhr) brauchen die Schanzer mehr Durchschlagskraft und Mut in ihren Aktionen, um den Angriff auf die Aufstiegsplätze tatsächlich starten zu können.
 
Hier finden Sie die Einzelkritik.



FC Ingolstadt: Nyland – Levels, Matip, Wahl, Otávio – Träsch – Morales (66. Leipertz), Cohen – Pledl, Lezcano (79. Kutschke), Kittel (66. Hartmann). SV Sandhausen: Schuhen – Klingmann, Knipping, Karl, Paqarada – Linsmayer, Förster (73. Jansen) – Daghfous, Zejullahu (85. Stiefler), Derstroff (67. Gislason) – Vunguidica. Schiedsrichter: Fritz (Korb). Zuschauer: 7575.

Stimmen zum Spiel


FC Ingolstadt
Thomas Pledl:
Wir sind gut ins Spiel gekommen, haben aber unsere Chancen nicht gemacht. In Halbzeit zwei waren wir nicht mehr so kreativ.

Trainer Stefan Leitl: Wir waren am Anfang gut im Spiel, müssen eigentlich in Führung gehen. Das haben wir nicht geschafft. Sandhausen hat es dann auch gut gemacht.

SV Sandhausen
Marcel Schuhen:
Grundsätzlich sind wir zufrieden, bei einer so starken Mannschaft ein Unentschieden geholt zu haben. Zum Schluss können wir fast noch ein Tor machen, dann wäre es ein perfekter Start gewesen.

Trainer Kenan Kocak: Es hat nicht gut angefangen, nach 25 Minuten konnten wir uns befreien. Im zweiten Durchgang waren wir dem Siegtreffer sehr nah.