Fast die ganze Woche über war man beim Bundesliga-Absteiger mit der Suspendierung der beiden Profis Florent Hadergjonaj und Marcel Tisserand beschäftigt. Umso mehr atmeten Trainer Maik Walpurgis und Kapitän Marvin Matip durch, dass nun klare Verhältnisse herrschen. "Das Thema hat die Mannschaft jetzt sechs Wochen begleitet. Jetzt herrscht 100-prozentige Klarheit, und darüber sind wir glücklich. Wir wissen, dass wir uns auf die Jungs, die jetzt da sind, verlassen können, und dass sie mit uns durchs Feuer gehen", sagte Matip und ergänzte: "Das ist auch gut für unser Spiel. Wir müssen auf dem Platz noch einige Sachen klären, da brauchen wir keine Ablenkung."

Der 31-jährige Verteidiger meint damit die Rückkehr von der neuen 3-5-2-Formation zum aus der vergangenen Saison gewohnten 3-4-3-System. Während der Woche haben die Schanzer die alten Abläufe bei einem Trainingsspiel gegen das eigene U 21-Team getestet und 5:1 gewonnen. "Die Mannschaft hat sich damit wohler gefühlt, und es sah deutlich besser aus. Das wird man auch am Sonntag sehen", versprach Matip und erklärte die Hintergründe: "Die Umstellung ist im Dialog mit dem Trainer entstanden. Er hat gesehen, dass der Schritt zur Systemänderung auf das 3-5-2 zu früh kam oder einfach der falsche Zeitpunkt war. Da waren wir uns relativ einig."

Walpurgis redete bei diesem Thema auch nicht um den heißen Brei herum, sondern räumte seine Fehleinschätzung ein. "Dass bestimmte Dinge nicht funktionieren, war für mich in der Vorbereitung so nicht erkennbar. Wir haben da keine Niederlage hingenommen und nur sehr wenige Möglichkeiten des Gegners zugelassen, das sah dort sehr gut aus. Ich war davon überzeugt, dass wir schon einen Schritt weiter sind", meinte der 43-Jährige. "Der Unterschied zu den Meisterschaftsspielen ist aber doch größer. Insofern haben wir einige Dinge verändert, und deshalb bin ich absolut zuversichtlich, dass wir wieder mehr Zugriff haben werden."

Dass der Bundesliga-Absteiger gegen den Regionalligisten seiner Favoritenrolle gerecht wird, daran lässt Matip keinen Zweifel. "Der Gegner ist in meinen Augen perfekt. Das ist das Derby, das mich in meiner Zeit beim FCI am meisten emotionalisiert hat. 1860 ist auch in der Regionalliga der große Rivale, und ich freue mich tierisch auf das Spiel. Ich weiß, dass es den Fans extrem viel bedeutet. Den Spielern, die neu hier sind, habe ich das schon erklärt", sagte Matip und ist vom Sieg seines Teams überzeugt. "Wenn wir 90 Minuten lang an unsere Grenze gehen, dann kann es nur einen Sieger geben. Das werden wir dann als erste Welle in die richtige Richtung nehmen und danach das nächste Derby angehen. Aber jetzt liegt unser Fokus erst mal nur auf 1860", sagte der Kapitän schon im Hinblick auf das nächste Zweitliga-Heimspiel am 20. August gegen Jahn Regensburg.

Dass die Schanzer schon zweimal im Pokal an Regionalligisten gescheitert sind (2014 an Offenbach, 2015 an Unterhaching), beschäftigt Matip nicht. "Wir sind genug gewarnt und wissen, dass 1860 ein besonderer Regionalligist ist. Da muss jeder bereit sein, und dieses Gefühl habe ich jetzt", erklärte der Verteidiger, der auch persönlich seiner Premiere im Grünwalder Stadion entgegenfiebert: "Das sind andere Rahmenbedingungen als zuletzt in Sandhausen. Da wird es brennen auf den Rängen und auch auf dem Platz. Da ist von Anfang an Feuer drin. Ich freue mich drauf." Und auch Walpurgis ist sicher: "Die Gier auf den Erfolg ist bei uns nach den Niederlagen umso größer. Wir wissen, dass wir noch Entwicklungspotenzial haben, und sind heiß auf den ersten Sieg." Die rund 1200 FCI-Fans im Stadion gewiss auch.

Mehr dazu lesen Sie hier: Wollen Ingolstadt vor Probleme stellen