Pascal Groß
Pascal Groß verlässt den FC Ingolstadt
Strisch
Fünf Jahre spielte Pascal Groß bei den Schanzern. In der Saison 2014/2015 war er einer der Garanten des Aufstiegs in die Bundesliga: Sieben Treffer und 23 Assists machten ihn zum wohl besten Feldspieler der damaligen Zweitliga-Saison. Seit dem vergangenen Wochenende steht der Abstieg der Ingolstädter in die 2. Liga fest - nach zwei Spielzeiten im deutschen Fußball-Oberhaus.
 
"Ich habe in Ingolstadt eine großartige Zeit erlebt, durfte zum Bundesliga-Spieler reifen und hätte mich gerne mit dem Klassenerhalt verabschiedet", sagt Groß. Sein Entschluss, den Verein zu verlassen, sei unabhängig davon festgestanden. "Ich bin stolz darauf, ein Teil des FCI gewesen zu sein."
 

Trainer Chris Hughton: Flexibler mit Groß

 
Brightons Cheftrainer Chris Hughton freut sich, dass Groß sich für Brighton & Hove Albion entschieden hat, obwohl er Angebote von mehreren Premier-League-Klubs und in ganz Europa hatte. Groß hätte "etwas Spezielles", er sei ein angreifender Mittelfeldspieler und werde dem Verein neue Optionen bieten. Hughton bevorzugte in der zweiten Liga Englands ein 4-4-2-System, sprach während der Woche aber darüber, einen Spieler zu benötigen, mit dem in der Premier League ein 4-4-1-1 möglich sei - dies dürfte mit Pascal Groß der Fall sein. Der irische Ex-Nationalspieler (53 Spiele, 1 Tor) gewann mit Tottenham Hotspurs 1984 den UEFA-Pokal und nahm mit der irischen Nationalmannschaft 1988 an der EM und 1990 an der WM teil. 2010 führte er Newcastle United zurück in die Premier League. Nach den Stationen Birmingham City und Norwich City wechselte er 2014 zu Brighton & Hove Albion.
 

164 Spiele, 16 Tore, 40 Vorlagen

 
Groß war 2012 ablösefrei vom Karlsruher SC nach Ingolstadt gewechselt. In 164 Spielen verbuchte er 16 Tore und 40 Torvorlagen im Trikot des FCI. Nur Kapitän Marvin Matip und Moritz Hartmann spielen noch länger beim FC Ingolstadt. 
 
FC Ingolstadt 04 - Borussia Dortmund, 1. Bundesliga, Fussball, Spieltag 2, 23.08.2015
Highlight in der Bundesliga: Im Audi-Sportpark hatte es Pascal Groß unter anderem mit BVB-Juwel Julian Weigl zu tun.
Oliver Strisch

"Pascal hat großen Anteil an der Entwicklung der letzten Jahre und wird für den Verein sicherlich als eine der prägenden Spielerfiguren in Erinnerung bleiben", lobt FCI-Sportdirektor Thomas Linke den Spielmacher. Dass ein Spieler wie er Begehrlichkeiten wecke, sei die logische Konsequenz. "Darauf waren wir gut vorbereitet." Der Verein habe Verständnis, dass Groß nach fünf Jahren in Ingolstadt den nächsten Schritt gehen wolle. "Wir wünschen ihm alles Gute in der Premier League."
 

Die Gegner heißen Liverpool, ManU und Chelsea

 
Brighton & Hove Albion schaffte im April dieses Jahres zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte den Aufstieg in die Premier League, der höchsten Spielklasse Englands. Über 100.000 Fans feierten ihre Mannschaft in der Stadt. In England wird Pascal Groß in der nächsten Saison auf Jürgen Klopp und den FC Liverpool, auf Topklubs wie Manchester City und Manchester United sowie auf Meister FC Chelsea stoßen. Die "Seagulls" (deutsch: die Möwen) sind im südenglischen Seebad Brighton beheimatet - Hove ist ein westlich vom Stadtzentrum gelegener Stadtteil Brightons. Spielstätte ist seit 2011 das Falmer Stadium. Der Stadionneubau bietet Platz für 30.750 Zuschauer - der Zuschauerschnitt in der zu Ende gehenden Saison beträgt knapp 25.600. Brighton & Hove Albion spielt in blau-weiß gestreifen Trikots.
 
Stadion Brighton & Hove Albion
Das Falmer Stadium - hier wird Pascal Groß in Zukunft auf Torejagd gehen.
James Boyes / Wikipedia

 
"Ja, der Verein hat eine gute Chance, in der Premier League zu bestehen", sagt Brian Owen, ein englischer Sportjournalist. Pascal Groß hat mit Uwe Hünemeier einen deutschen Kollegen. Der 31-Jährige spielte in der Bundesliga für Borussia Dortmund und den SC Paderborn, wechselte 2015 auf die Insel. Der Vertrag des dreifachen U17-Nationalspielers läuft noch bis 2018.
 
Toptorjäger ist Glenn Murray, der bereits von 2008 bis 2011 in Brighton spielte. Seit 2016 ist der inzwischen 33-Jährige vom AFC Bournemouth ausgeliehen. In der laufenden Saison traf er neunmal in 16 Begegnungen. Einen ähnlichen Stellenwert wie Groß beim FCI hat Anthony Knockaert in Brighton. Der 25-jährige Franzose (zehn U20- und drei U21-Länderspiele) wechselte zur Winterpause 2015/2016 zu dem Verein. Der Flügelstürmer - vorherige Stationen Leicester (93 Spiele, 13 Tore) und Standard Lüttich (20/5) - traf in 17 Spielen fünfmal für die "Seagulls".
 
Kapitän ist Bruno Saltor, inzwischen schon 36 Jahre alt (vorherige Stationen u.a. Espanyol Barcelona, UD Almeria, FC Valencia). Seit 2012 spielt der Katalane in Brighton, in 99 Partien erzielte der Verteidiger immerhin fünf Tore. 
 
"Pascal Groß könnte im Mittelfeld neben Dale Stephens spielen", glaubt Brian Owen. Der 27-Jährige verlängerte seinen Vertrag vor zehn Tagen vorzeitig bis 2021. Für geschätzte 800.000 Euro kam Stephens von Charlton Athletic, sein aktueller Marktwert wird auf fünf Millionen Euro geschätzt. 
 

Tolle Stadt, leidenschaftliche Fans

 
Ein weiterer Kenner des englischen Fußballs, der namentlich nicht genannt werden möchte, traut Brighton zu, in der Premier League mithalten zu können. "Die Mannschaft wurde intelligent zusammengestellt und es folgen weitere Transfers", sagt der in London lebende Fan. Er ist zuversichtlich, dass sich Groß den richtigen Verein ausgesucht hat. "Die Stadt ist toll, das Stadion auf dem neuesten Stand und die Fans sehr leidenschaftlich."
 
Pascal Groß dürfte nicht der einzige Abgang trotz bestehenden Vertrages für den FC Ingolstadt bleiben. Auf dem Sprung ist Marcel Tisserand. Nach Informationen der "L'Equipe" liegen dem Verteidiger der Schanzer mehrere Angebote vor - darunter auch von den Bundesligisten Werder Bremen und RB Leipzig. Fest steht der Abgang von Roger (zurück nach Brasilien), der Vertrag von Lukas Hinterseer läuft zum Saisonende aus. Am letzten Bundesliga-Spieltag trifft der FCI am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) im Audi-Sportpark auf Schalke 04.