FC Ingolstadt 04 - FC Schalke 04
Pascal Groß (Archiv)
Timm Schamberger (dpa)

Pascal Groß erlebt in der englischen Premier League bei seinem neuen Verein Brighton & Hove Albion derzeit einen Einstand nach Maß. In den ersten sieben Partien gelangen dem langjährigen Regisseur des FC Ingolstadt (165 Spiele, 17 Tore) zwei Tore und zwei Torvorlagen. Überdies rangiert der Aufsteiger als 14. im gesicherten Mittelfeld. Im Gespräch erzählt Groß von seinen Erlebnissen auf der Insel.

 

Herr Groß, Sie spielen Ihre erste Saison in England und sind gleich neben Größen wie Sergio Aguero, Harry Kane und Kevin de Bruyne für die Wahl zum Spieler des Monats September nominiert worden. Erleben Sie gerade einen Traum?

Pascal Groß: (lacht) Ich gehe zwar nicht davon aus, dass ich die Wahl gewinne - mein Tipp ist da eher Harry Kane -, aber die Nominierung ist natürlich eine große Ehre für mich. Ich durfte bislang alle Spiele machen, habe auch schon getroffen und Tore aufgelegt. Ich muss schon sagen: Bis jetzt läuft es wirklich super für mich.

 

Sie scheinen auf Anhieb das Spiel Ihrer Mannschaft zu prägen. Gegen West Bromwich haben Sie überdies mit dem ersten Ligator und dem ersten Sieg für Brighton Geschichte geschrieben.

Groß: Ja, der September ist gut gelaufen. Beim 3:1 gegen West Brom sind mir ja auch noch ein zweiter Treffer und eine Torvorlage gelungen. Danach habe ich in Bournemouth noch einen Treffer aufgelegt. Somit war ich an vier unserer fünf Treffer direkt beteiligt.

 

Außerdem haben Sie 15 Chancen vorbereitet, so viele wie sonst keiner im Team.

Groß: Ja, damit bin auch in der Liga unter den Top drei.

 

Wie kommt es, dass Sie sich so schnell akklimatisiert haben?

Groß: Meine Entscheidung für den Wechsel habe ich ganz bewusst schon sehr früh getroffen, das war sehr wichtig. Dadurch konnte ich im Sommer in den Urlaub fahren, Kraft tanken und mich mental auf die neue Situation einstellen.

 

Gab es gar keine Probleme bei der Umstellung?

Groß: Zunächst einmal ist es so, dass meine Freundin hier ist, außerdem kommt mein Vater zu jedem Spiel. Dadurch habe ich die wichtigsten Leute eigentlich immer um mich. Das macht vieles einfacher. Was die Umstellungen angeht, fällt mir die Esskultur ein. Beim Frühstück gibt es zum Beispiel nur Toastbrot, außerdem noch Bohnen und Würstchen. Da mache ich dann doch lieber einen Bogen drum. Nach einem Vollkornbrötchen muss man zum Beispiel extra fragen.

 

Und sportlich?

Groß: Da muss ich sagen, dass die Spiele hier physisch doch eine ganz andere Hausnummer sind. Auch bei der Spielleitung gibt es Unterschiede, weil hier kaum etwas abgepfiffen wird. Wir hatten mit Ingolstadt ja Zeiten, in denen wir versucht haben, viele Freistöße rauszuholen. So etwas würde hier nicht funktionieren.

 

Ebenso sind Schauspielereien verpönt.

Groß: Richtig. Seit dieser Saison gibt es eine Regel, dass eine bewusste Schwalbe im Strafraum mit zwei Spielen Sperre belegt wird.

 

Ist die Stimmung in den Stadien wirklich so besonders, wie oft angemerkt wird?

Groß: Es ist schon anders, wobei es auch in Deutschland tolle Fans und eine super Stimmung gibt. Grundsätzlich hat man in der Premier League aber den Eindruck, das alles einfach noch ein wenig größer aufgezogen wird.

 

Wie kommen Sie denn abseits der Spiele zurecht? Haben Sie sich in Brighton schon eingelebt?

Groß: Brighton ist auf jeden Fall eine sehr offene Stadt mit vielen jungen Leuten und entsprechend schönen Bars und Restaurants. Durch die Lage direkt am Meer war der Sommer wunderschön. Ich brauche mit dem Fahrrad vielleicht fünf Minuten bis ans Wasser - das hat schon was.

 

Und wie fußballverrückt sind die Leute in Brighton?

Groß: Sehr (lacht). In unser Stadion passen 30.000 Leute. In der zweiten Liga waren im Schnitt schon immer 28.000 da. Diese Saison ist jedes Spiel ausverkauft. Auch auswärts begleiten uns in der Regel zwischen 3000 und 5000 eigene Fans. Das ist schon cool.

 

Sprachlich können Sie auf einen Leistungskurs Englisch bauen. Reicht das?

Groß: Grundsätzlich ja. Das Wichtigste, zum Beispiel die Anweisungen vom Trainer, die verstehe ich ohne Probleme. Schwer wird es nur, wenn ein Schotte und ein Ire schnell miteinander reden. Dann verstehe ich keinen Ton.

 

Welche Rolle kann Brighton in der Premier League spielen?

Groß: Ich denke, die Top sechs stellen sich fast von selber auf. Dahinter gibt es zehn Mannschaften, die alle um den Klassenerhalt kämpfen. Dazu gehören auch wir. Bislang haben wir nur gegen Manchester City und Arsenal verdient verloren, alle anderen Partien waren ausgeglichen. Ich denke, wenn wir im ersten Jahr drinbleiben würden, wäre das super für uns.

 

Sie haben gemeinsam mit Markus Suttner vor einigen Wochen bei den alten Teamkollegen in Ingolstadt vorbeigeschaut. Gab es auch schon Gegenbesuche?

Groß: Nein, bislang noch nicht. Aber mein Kontakt zum FCI ist immer noch sehr gut. Ich habe fast jedes Spiel der Ingolstädter im Fernsehen sehen können.

 

Trauen Sie Ihren alten Kollegen zu, dass sie das Ruder rumreißen und vielleicht doch noch oben angreifen können?

Groß: Warum nicht? Ich sehe da schon enorme Fortschritte. Das Spiel gegen Darmstadt war zum Beispiel richtig gut. Sie sind auf jeden Fall auf einem guten Weg.

 

Angenommen, Sie würden mit Brighton gegen den FCI antreten: Wer würde den Vergleich gewinnen?

Groß: (lacht) Ach, im Fußball kann alles passieren, das kann man nicht sagen.

 

Jetzt antworten Sie aber sehr diplomatisch.

Groß: Das ist doch klar, oder (lacht)? Dafür liegt mir Ingolstadt viel zu sehr am Herzen.

Das Gespräch führte Norbert Roth.
 

Nur zwei Bankhocker

Ingolstadt (nor) Neben Pascal Groß haben weitere sieben Stammkräfte den FC Ingolstadt nach der vergangenen Saison verlassen. Wir haben nachgeschaut, wie sich die Ex-Schanzer bei ihren neuen Klubs in Szene setzen konnten.

 

  • Markus Suttner (Brighton & Hove Albion): Nach nur einem Monat Eingewöhnungszeit konnte sich der Teamkollegen von Groß einen Stammplatz erkämpfen. Sechsmal hintereinander stand der Linksverteidiger in der Startelf und spielte 90 Minuten durch. Nur gegen Arsenal (0:2) saß er auf der Bank.
 
  • Mathew Leckie: In Ingolstadt war dem Australier in der vergangenen Saison in 30 Spielen nicht ein einziger Treffer gelungen. Den Makel des ungefährlichen Offensivspielers konnte er in Berlin mit vier Toren in den ersten sieben Spielen ablegen. In der Bundesliga stand er dabei jedes Mal in der Startelf, in den beiden Europa-League-Partien reichte es dagegen nur zu einem Kurzeinsatz gegen Bilbao.
 
  • Martin Hansen (SC Heerenveen): Der Däne ließ sich am letzten Tag der Transferperiode in die erste holländische Liga ausleihen und verdrängte in Heerenveen auf Anhieb Stammkeeper Wouter van der Steen. Bei seinen vier Einsätzen feierte er drei Siege und blieb einmal ohne Gegentor. Lediglich gegen Ajax Amsterdam (0:4) gab es für den Tabellenfünften eine Niederlage.
 
  • Florent Hadergjonaj (Huddersfield Town): Der Schweizer mit kosovarischen Wurzeln hatte selbst auf einen Wechsel gedrängt, kommt bei seinem neuen Klub aber nicht zum Einsatz. Nur in drei von sieben Spielen stand er überhaupt im Kader, gespielt hat der Rechtsverteidiger bislang lediglich eine Minute. Nur im EFL-Cup, in dem die Premier-League-Klubs in den ersten Runden traditionell sehr stark rotieren, durfte er sich beim 0:1 gegen Crystal Palace einmal zeigen. 
 
  • Marcel Tisserand (VfL Wolfsburg): Der Innenverteidiger wollte unbedingt in der Bundesliga bleiben, forcierte deshalb ebenso seinen Abschied. In Wolfsburg gehört er zum Stammpersonal, musste aufgrund von Oberschenkelproblemen aber zeitweise aussetzen. Wenn er fit ist, bildet er mit Felix Uduokhai die Innenverteidigung der „Wölfe“.
 
  • Lukas Hinterseer (VfL Bochum): Der Ingolstädter Publikumsliebling hat bei seinem neuen Klub bereits zwei Trainerwechsel miterlebt – gehört aber dennoch zu den Stammkräften. Seinen bislang einzigen Saisontreffer erzielte der Österreicher in der Schlussminute gegen Dresden (3:2). Es war der Siegtreffer für den Tabellen-13.
 
  • Roger (Atletico Mineiro): Die Rückkehr in seine brasilianische Heimat hatte der 32-Jährige früh angekündigt. Nach seinem Abschied aus Ingolstadt stieg Roger ohne Pause in die Meisterschaft ein, bestritt drei Spiele in Folge, kam dann aber aus dem Tritt. In zwölf der folgenden 14 Partien stand er nicht mehr auf dem Feld.