Sonny Kittel ist mit sieben Toren und acht Vorlagen der Offensivtrumpf der Schanzer. Doch in den Spielen, in denen der 24-Jährige nicht selbst an einem Treffer beteiligt war, holten die Ingolstädter nur magere vier Punkte.
Sonny Kittel ist mit sieben Toren und acht Vorlagen der Offensivtrumpf der Schanzer. Doch in den Spielen, in denen der 24-Jährige nicht selbst an einem Treffer beteiligt war, holten die Ingolstädter nur magere vier Punkte.
Strisch/Eibner
Ingolstadt

Herr Vier, das 0:2 gegen Braunschweig war bereits die sechste Saisonniederlage. Kann man bei so einer Zwischenbilanz noch vom Aufstieg reden?

Angelo Vier: Der Aufstieg war vor dem Spiel und ist auch jetzt nicht unser Thema. Wir waren in den vergangenen Wochen auf einem guten Weg. Die Niederlage gegen Braunschweig war ein Dämpfer und enttäuschend, aber wir müssen das richtig einschätzen. Das Einzige, was wir uns vorwerfen müssen, ist, dass wir keine Tore erzielt haben. Aber an der Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben, sieht man, dass die Richtung stimmt.

 

Trotz guter Chancen hat der FCI seit zwei Spielen aber kein Tor erzielt.

Vier: Wir haben insgesamt viele Tore erzielt, und wir kreieren auch viele Chancen, aber wir haben in den vergangenen drei Spielen nur ein Tor erzielt. Damit kann man maximal fünf Punkte holen. Wir haben vier erreicht. Wir müssen wieder an der Gier und Konsequenz im Abschluss arbeiten, das muss die Schlussfolgerung sein. Das hat die Mannschaft auch selbst erkannt. Wie wir den Gegner bespielt und Chancen kreiert haben, war absolut in Ordnung, aber am Ende müssen wir das Tor machen. Die Jungs haben sich nicht belohnt, und das tat ihnen schon weh.

 

Ist es nur die Gier oder auch die Abhängigkeit von Sonny Kittel? Auffällig ist, dass das Team erst einmal gewann, wenn Kittel nicht selbst traf oder ein Tor vorbereitete.

Vier: Nein, wir sind nicht von Sonny abhängig. Er spielt bisher eine gute Serie. Aber Sonny war lange verletzt, dass da mal der Akku ein bisschen leer geht, ist normal. Es ist ja nicht so, dass wir keine Chancen hatten. Auch wenn er einmal nicht so präsent ist, hatten wir trotzdem genügend Chancen.

 

Aber aus dem Spiel heraus treffen die Stürmer selten. Stefan Kutschke bisher einmal, Dario Lezcano zweimal.

Vier: Das ist Fakt und daran müssen wir arbeiten. Das Spiel verschiebt sich jetzt auch ein bisschen. Wir haben mehr Ballbesitz, der Gegner steht tiefer. Wir kommen mehr über die Außen, es kommen mehr Flanken, wir haben mehr Standards. Da müssen wir uns eben im Strafraum besser durchsetzen und die Chancen nutzen. Da müssen auch andere Spieler einspringen.

 

Mit Antonio Colak, Robert Leipertz, Stefan Lex und Moritz Hartmann sind weitere Angreifer im Kader, aber es drängt sich keiner auf. Hat der FCI ein Stürmerproblem?

Vier: Der Kader wurde in der Offensive im Hinblick auf ein 3-5-2-System zusammengestellt. Durch die Verschiebung auf ein 4-3-3 ist klar, dass man auf der Mittelstürmerposition ein Überangebot hat. Jeder will spielen, und es ist eine Kunst, mit diesen Ansprüchen umzugehen. Aber Trainer und Mannschaft haben das gut hinbekommen, in dem Bewusstsein, dass jeder gebraucht wird und sich einfügen muss. Wenn ein Stürmer dann nicht trifft, ist es idealerweise so, dass dann der andere trifft. Aber da müssen wir uns sicher verbessern und eine andere Quote hinbekommen.

 

Laut Statistik gibt der FC Ingolstadt die meisten Torschüsse in der 2. Bundesliga ab, hat aber die fünftschwächste Abschlussquote.

Vier: Richtig. Wir müssen dahinkommen, dass wir prozentual mehr Tore erzielen. Da gehört neben dem Training auch die mentale Stärke dazu, das auch so umzusetzen und so zu wollen.

 

Wollen Sie personell etwas ändern? 1860 München soll an Stefan Lex Interesse haben.

Vier: Konkret ist niemand auf mich zugekommen und hat Interesse bekundet. Stefan Lex ist zudem ein Außenspieler, deshalb haben wir uns nicht damit beschäftigt, ihn abzugeben. Für uns ist die Mannschaftsstruktur wichtig, die wollen wir festigen. Und da schauen wir schon, wo wir jemanden abgeben und ob wir jemanden dazunehmen. Wir wollen den Kader nicht aufblähen.

 

Möglicherweise sind aber aktuell Spieler wie Cedric Teuchert oder Tim Leibold vom 1. FC Nürnberg zu haben. Sind Sie nicht interessiert?

Vier: Wir beschäftigen uns grundsätzlich mit Spielern, die Perspektive haben. Aber im Winter ist es schwierig, jemanden zu bekommen, der uns sofort weiterhilft. Wir haben ja auch jetzt Stürmer mit hoher Qualität, die das auch schon bewiesen haben. Jetzt geht es darum, so mit ihnen zu arbeiten, dass wir diese Qualität auch auf den Platz bekommen. Es ist nicht unsere Art zu sagen: Mit dem Spieler funktioniert es nicht, also weg, der nächste bitte. Fakt ist: Wir haben noch nicht alle Spieler ans Limit gebracht.

 

So wie bei Colak und Leipertz zum Beispiel?

Vier: Colak ist ein Zentrumsstürmer und war für das ursprüngliche System mit zwei Spitzen eingeplant. Er gibt im Training Gas, aber es ist schwierig für ihn, reinzukommen. Leipertz ist ein anderer Spielertyp, der eine gute Entwicklung genommen hat. Er kann auch rechts und links spielen.

 

Die Mannschaft war vor der Niederlage gegen Braunschweig in acht Spielen hintereinander ungeschlagen geblieben, hat 17 Punkte geholt und das Pokal-Achtelfinale erreicht. Wie fällt Ihr Zwischenfazit vor dem letzten Vorrundenspiel aus?

Vier: Wir sind mit null Punkten aus den ersten drei Spielen gestartet. Wenn wir die Entwicklung danach sehen, sind wir zufrieden, aber wir sind nicht am Ende. Die Mannschaft ist gierig auf mehr, das ist das Wichtige. Wir haben noch zwei Liga-Spiele und die DFB-Pokalpartie in Paderborn. Danach wissen wir, in welchem Geschäft wir noch dabei sind.

 

Kann der FC Ingolstadt noch oben angreifen, wenn aus den Spielen in Kaiserslautern und bei Union Berlin sechs Punkte geholt werden?

Vier: Das weiß man nicht. Wahrscheinlich würde man wieder dabei sein. Wir werden versuchen, das Optimum zu erreichen. Wir sind auch in der Lage dazu, das bestimmen wir selbst. Wenn wir so weiterspielen und unsere Chancen nutzen, werden wir auch wieder gewinnen. Wir fangen jetzt nicht an zu zweifeln. Jetzt heißt es weitermachen.

 

Das Interview führte Gottfried Sterner.
 

SO WERTVOLL IST SONNY KITTEL

Der FC Ingolstadt ist seit zwei Spielen ohne Torerfolg. Insgesamt blieben die Schanzer schon in fünf Partien ohne eigenen Treffer. Dabei gaben die Mannen von Trainer Stefan Leitl bereits 182 Torschüsse ab, so viele wie kein anderer Zweitligist. Allerdings: Mit einer Erfolgsquote von 13,2 Prozent weisen die Schanzer den fünftschwächsten Wert der Liga auf.

Und noch etwas fällt auf: Die Schanzer sind extrem abhängig von Sonny Kittel. Mit sieben Treffern ist er nicht nur bester Torschütze, sondern mit acht Vorlagen auch bester Vorbereiter im Team. Auch ligaweit ist das Spitze. Das Problem: Wenn Kittel nicht selbst trifft oder ein Tor vorbereitet, holt das Team kaum Punkte - bisher nur vier.

Das liegt auch daran, dass die anderen Stürmer zu selten aus dem Spiel heraus erfolgreich sind. Stefan Kutschke hat drei seiner vier Tore vom Elfmeterpunkt aus erzielt, Dario Lezcano eines von drei, Thomas Pledl traf einmal. Alle Stürmer zusammen - ohne Kittel - bringen es auf acht Tore und drei Vorlagen. Mit 24 Treffern haben die Ingolstädter derzeit den achtbesten Angriff der Liga.

"Wir sind nicht abhängig von Sonny. Wir müssen nur konsequent unsere Tore machen. Auch gegen Braunschweig hatten wir klare Chancen", meint FCI-Coach Leitl und zählt die Möglichkeiten durch Stefan Kutschke, Hauke Wahl und Almog Cohen auf. "Woran wir definitiv arbeiten müssen, sind unsere Standards. Da müssen wir gefährlicher werden. Dann können wir auch leichter in Führung gehen", sagt Leitl.