Alcantarilha: "Ich werde meinen Platz schon finden"
Der "Bomber": Moritz Hartmann (Zweiter von links) mit dem Nachwuchs in Portugal, Patrick Sussek (U 19), Fatih Kaya (U 19) und Paul Grauschopf (U 21). - Foto: Sterner
Alcantarilha

Nach diesem Motto ist er seine ganze Karriere verfahren und hat sich im wahrsten Sinne des Wortes hochgearbeitet. Einst von Christoph Daum im Kölner Profikader nicht für gut genug befunden, schoss der Mittelstürmer die Schanzer nach seinem Wechsel 2009 von der 3. Liga in die 2. Bundesliga. 21 Treffer gelangen ihm damals in 36 Spielen, weshalb ihm sein Mitspieler "Zecke" Neuendorf den Spitznamen "Bomber" verpasste. Danach gab es immer wieder Rückschläge. Erst musste er sich an die neue Liga anpassen, dann folgten 2011 und 2013 zwei langwierige Innenbandverletzungen im Knie. Und doch kämpfte sich Hartmann immer wieder zurück und erzielte seine Tore. Am wertvollsten war er jedoch, als er mit dem FCI den Sprung in die Bundesliga schaffte, seine Karriere in der Saison 2015/16 mit zwölf Treffern krönte und den Schanzern zum Klassenerhalt verhalf. Jetzt hofft er mit seinem Team auf die Rückkehr - es wäre sein dritter Aufstieg mit dem FCI. "Das wäre eine runde Sache", meint Hartmann. "Wir haben eine große Chance, die oberen Drei sind trotz unseres Katastrophenstarts wieder in Reichweite. Aber wir dürfen uns nicht viele Fehler erlauben und müssen punkten, punkten, punkten."

Ob er dazu beitragen kann, ist unklar. "Ich bin noch nicht bei 100 Prozent. Mein Ziel ist es, die Vorbereitung komplett mitzumachen und Spielpraxis zu sammeln. Wir haben noch drei Testspiele. Vielleicht bekomme ich 70, 80 oder sogar 90 Minuten. Ich muss einfach mal ins kalte Wasser springen. Anders geht's nicht. Ich mache mir da keine großen Gedanken." Mit seiner Einstellung kann er anderen ein Vorbild sein. Beispielsweise den drei Nachwuchsspielern im Kader. Der 18-jährige Fatih Kaya, wie Hartmann Mittelstürmer, weiß das. "Man kann von den Profis viel lernen. Für mich geht es darum, zu sehen, wo die größten Unterschiede sind und wo ich am meisten tun muss, um auf dieses Niveau zu kommen", sagt der Gießener, der 2016 nach Ingolstadt kam.

Mit Individualtrainer Marcel Hagmann arbeitet er daran, trainiert verstärkt seinen linken Fuß, macht Torabschlüsse und 100 bis 150 Schüsse mit beiden Beinen. "Die Spielgeschwindigkeit, die Qualität im Passspiel und im Dribbling, da fehlt mir als Jugendspieler schon noch ein großes Stück", erkennt Kaya, der im Frühjahr am Christoph-Scheiner-Gymnasium sein Abitur schreibt. "Die Jungs sind Maschinen, wie sie ihre Übungen machen. Ich muss mich da richtig anstrengen und dabei trotzdem versuchen, nicht zu verkrampfen. Das ist eine Riesenerfahrung, und die Profis helfen mir dabei."

Wenn Familienvater Hartmann, dessen Tochter am Donnerstag ein Jahr alt wird, die jungen Talente im Training sieht, wird auch ihm bewusst, dass er schon eine Weile dabei ist. "Die Jungs saugen alles auf, was passiert. Das erinnert mich an mein erstes Trainingslager mit den Kölner Profis", sagt der "Bomber" und muss schmunzeln, wenn er über den 17-jährigen Patrick Sussek spricht. "Er war damals neun, als ich nach Ingolstadt kam. Das ist schon ein bisschen verrückt. Für ihn als gebürtigen Ingolstädter ist es eine besonders tolle Sache, hier mit dabei zu sein und sich etwas abzuschauen. Er kann eine große Zukunft haben beim FCI."

Hartmanns Zukunft ist dagegen offen. Im Juni läuft sein Vertrag aus, Gespräche gab es noch nicht. "Es ist noch zu früh, darüber zu reden. Nur eines ist klar: Solange mein Körper mitmacht, will ich noch Fußball spielen", sagt Hartmann, getreu nach seinem Motto, dass er seinen Platz schon finden wird.