Alcantarilha: "Aufsteigen   aber nicht um jeden Preis"
"Wir haben jetzt wieder einen Trainer, der in unserem Verein groß geworden ist": Der FCI-Vereinsvorsitzende Peter Jackwerth freut sich über die Erfolge unter Trainer Stefan Leitl. ‹ŒArch - foto: Bösl
Alcantarilha

Herr Jackwerth, wie fällt Ihre Analyse zur Winterpause aus?

Peter Jackwerth: Wir hatten nach dem holprigen Start eine super Serie bis zum Spiel gegen Braunschweig. Da haben wir es letztendlich auch mit Unvermögen versäumt, an der Tabellenspitze anzudocken. Gott sei Dank haben wir das mit dem Sieg bei Union Berlin korrigieren können und sind jetzt in Schlagdistanz.

 

Man könnte auch sagen, beim FCI beginnt das Mittelfeld. Die Schanzer haben als Tabellenvierter fünf Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz, liegen aber auch nur sechs Punkte vor Platz 15.

Jackwerth: Das stimmt. Die nächsten Spiele werden zeigen, wie weit wir kommen können. Es ist klar, dass wir mehr nach oben als nach unten schauen. Aber es wäre vermessen zu sagen, wir wollen mit aller Macht aufsteigen. Wir haben gesehen, wie ausgeglichen die Liga ist.

 

Warum tun Sie sich mit der klaren Aussage, dass Sie es in dieser Saison unbedingt packen wollen, so schwer?

Jackwerth: Wir wollen ja aufsteigen. Aber nicht um jeden Preis und mit aller Macht. Wenn wir nicht aufsteigen, soll das kein Misserfolg sein. Wir sind wieder dran, aber nicht so nah, wie wir uns das gewünscht hatten. Aber für mich zählt noch etwas anderes.

 

Was?

Jackwerth: Wir haben jetzt wieder einen Trainer, der in unserem Verein groß geworden ist. Man kann mittlerweile sogar sagen, das ganze Trainerteam. Dadurch ist die Gemeinschaft im Verein wieder eine andere, das macht viel aus.

 

Es heißt immer, die Mannschaft muss stets am Limit spielen, um sich durchsetzen zu können. Kann man das 16 Spiele hintereinander? Es stehen bereits sechs Niederlagen zu Buche. In der Aufstiegssaison waren es insgesamt vier.

Jackwerth: Das ist schwer zu sagen. Jede Mannschaft, die oben stehen will, muss ans Limit gehen. Mit schön Fußballspielen gewinnt man in dieser Liga nicht.

 

Was machen Sie mit den Transferüberschüssen? Alleine Marcel Tisserand bringt zehn Millionen vom VfL Wolfsburg. Auch aus den Verkäufen von Markus Suttner, Pascal Groß und Mathew Leckie erwirtschaftete der FCI ein Plus.

Jackwerth: Es ist nicht so, dass wir im Geld schwimmen, sondern dass wir uns finanziell etabliert haben. Das hat lange genug gedauert. Die ersten Jahre haben wir uns schwergetan, aber wir hatten immer eine ausgeglichene Bilanz. Jetzt haben wir gute Rücklagen.

Schanzer trainieren in Alcantarilha

Wollen Sie die nicht jetzt einsetzen, um die Aufstiegschancen zu erhöhen?

Jackwerth: Wir müssen überlegen, wohin es geht. Wir sind in der Situation, dass wir den Etat für die nächste Saison bereits sicher aufstellen können, und das ist ein Vorteil gegenüber anderen Vereinen. Wir wissen, dass wir uns etwas leisten können. Wichtig ist, dass wir Spieler bekommen, die zu uns passen. Das kann auch noch im Winter sein, aber im Sommer tun wir uns leichter, weil wir dann wissen, in welcher Liga wir spielen werden.

 

Wollen Sie in dieser Ausnahmesaison ohne einen übermächtigen Konkurrenten nicht versuchen, mit aller Macht aufzusteigen?

Jackwerth: Wir haben das in der Vergangenheit ja auch schon probiert, uns im Winter zu verstärken, und hatten damit nicht viel mehr Erfolg. Wir werden nur aktiv, wenn wir wirklich von einem Spieler überzeugt sind. Es nützt uns nichts, wenn jetzt einer sieben Spiele Anlaufzeit braucht. Der Neue muss sofort funktionieren. Der wahrscheinlichere Weg ist, dass wir uns für den Sommer aufstellen. Wer uns aber kennt, weiß auch: Sollten wir aufsteigen, werden wir die Mannschaft ja nicht austauschen, sondern ihr die Chance geben, sich in der Bundesliga zu beweisen.

 

Der SC Freiburg hat jetzt Lucas Höler vom SV Sandhausen für 1,1 Millionen Euro verpflichtet. Sind solche Spieler nicht interessant für den FCI oder wollen diese nicht nach Ingolstadt?

Jackwerth: Die Ablösesumme können wir auch stemmen. Aber solche Spieler gehen lieber in die Bundesliga, weil sie dort mehr verdienen. Und wir werden nicht unsere Gehaltsstruktur zerstören und einen Spieler holen, der doppelt so viel verdient wie unsere Spitzenverdiener. Das werden wir uns nicht antun.

 

Beispiele wie Düsseldorf, Braunschweig oder Nürnberg zeigen, dass es schwierig wird, wenn man es nicht schnell schafft.

Jackwerth: Das sehe ich nicht so. Unser dauerhaftes Ziel ist, noch mal aufzusteigen. Wir wollen uns irgendwann einmal in der Bundesliga etablieren. Aber wann das sein wird, ist nicht planbar. Deshalb jetzt auf Biegen und Brechen Geld auszugeben, was uns in der nächsten Saison fehlt, dazu sind wir nicht bereit. Wir holen uns keinen, jetzt sage ich einfach mal, Bastian Schweinsteiger, der gerade arbeitslos ist, nur um aufzusteigen. Damit würden wir alles sprengen, so etwas funktioniert nicht.

 

Ein Spieler wie Dominik Kaiser, dessen Vertrag in Leipzig im Sommer ausläuft, könnte doch auch schon helfen.

Jackwerth: Es ist schwierig, wenn man einen Spieler holt, der deutlich mehr verdient. Wir hatten Glück mit Christian Träsch, der mit seiner Familie heim nach Ingolstadt wollte und hier auch Führungsqualitäten zeigt. Ich glaube nicht, dass wir einen solchen Spieler nochmals bekommen, der dafür Abstriche macht.

 

Machen die ersten Vier die Aufsteiger unter sich aus?

Jackwerth: Nein. Ich bin ganz sicher, dass noch eine Mannschaft anklopft, mit der keiner rechnet. Man kann in dieser Saison mit einer Serie auch aus dem Mittelfeld noch nach oben kommen. Warum nicht Bochum oder selbst Braunschweig? Es kann auch oben mal einer drei Spiele verlieren. Favorit ist für mich aufgrund des Umfeldes Düsseldorf, aber auch wir haben Chancen. Kiel muss schauen, wie es den Erfolg verdaut. Es gibt genügend Mannschaften, die aufsteigen können. Ich bin sicher, dass es ein Fünf- oder Sechskampf wird.

 

Wie viele Punkte braucht man für den Aufstieg?

Jackwerth: Für den Aufstieg 65. Mit 60 oder 62 spielt man Relegation. Es war bei uns in der Vergangenheit häufiger so, dass wir den Start verkorkst haben. Wenn es wieder so kommt, dass wir in der Rückrunde mehr Punkte holen als in der Vorrunde, dann sind wir sicher ganz oben dabei.

 

Das Interview führte Gottfried Sterner.