Ingolstadt: Näher am Mann
Wieselflink und traditionsbewusst: Der Japaner Takahiro Sekine verabschiedete sich nach seinem letzten Spiel für die Urawa Red Diamonds mit einer tiefen Verbeugung von den Fans. Neun Jahre lang trug der 22-Jährige das Trikot des J-League-Rennomierklubs. - Fotos: Imago
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Sekine fällt im Training durchaus auf. Zunächst einmal, weil er mit 1,67 Metern der kleinste Spieler auf dem Platz ist und ein Leichtgewicht dazu. Dann aber auch, weil der Japaner wieselflink ist und urplötzlich in Räumen auftaucht, in denen man ihn nicht vermuten würde. Dazu versucht sich der Außenbahnspieler auch körperlich zu behaupten und setzt in den Zweikämpfen ohne Scheu seinen schmächtigen Körper ein. Sein Ziel ist klar: "Ich will am Wochenende spielen", erklärt der Japaner. Eine Rückmeldung vom Trainer hat er dazu freilich noch nicht erhalten.

Von seiner Fitness her und dem taktischen Verständnis sollte das möglich sein. Sekine absolvierte seit Februar 28 Pflichtspiele für seinen bisherigen Klub Urawa Red Diamonds, die meisten davon über 90 Minuten. Außerdem kennt er aus der J-League das 3-4-3-System, auf das nun auch FCI-Trainer Maik Walpurgis wieder zurückgreift. Sekine hat in dieser Formation wechselweise auf der rechten oder linken Außenbahn gespielt und dabei in 22 Einsätzen in der J-League drei Tore und vier Vorlagen erzielt. Darüber hinaus hat der offensiv orientierte Spieler in fünf Spielen der asiatischen Champions League - Urawa steht im laufenden Wettbewerb im Viertelfinale - zweimal getroffen und ein Tor vorbereitet.

"Meine Stärken sind das Dribbling, Schnelligkeit und Beweglichkeit, und obwohl ich klein bin, gehe ich auch gerne in die Zweikämpfe", sagt Sekine mithilfe seines Dolmetschers Hideki Ogawa, der derzeit als Mitglied des Olympischen Komitees Japans ein Praktikum beim FCI absolviert. Woran Sekine arbeiten will, fügt er wie selbstverständlich hinzu: "Ich will anspielbar sein zwischen Abwehr und Mittelfeld, Passgeber in die Spitze sein und selbst auch gerne im Angriff spielen."

Als größten Unterschied zwischen dem Fußball in seiner Heimat und Deutschland hat er nach den ersten Trainingseinheiten die Zweikämpfe ausgemacht. "Die Abstände zwischen den Gegenspielern sind hier viel geringer. Hier ist man näher am Mann dran", sagt Sekine und ist auch über das individuelle Training erstaunt: "In Japan macht man alles mit der ganzen Mannschaft. Hier trainiert man in kleineren Gruppen. Das ist neu für mich."

Dass der Japaner gerade jetzt den Sprung nach Deutschland gewagt hat, liegt zum einen am Angebot des FC Ingolstadt und zum anderen an seinem Freund Genki Haraguchi. Der Hertha-Profi stammt wie Sekine aus der Provinz Saikama und wurde ebenfalls in der Nachwuchsakademie der Urawa Red Diamonds groß. "Ich habe Genki das erste Mal im Winter 2015 in Berlin besucht, weil ich schon damals nach Deutschland wechseln wollte, um mich weiterzuentwickeln. Jetzt hat es in Ingolstadt geklappt, und darüber bin ich froh", sagt Sekine, der als klares Ziel den Aufstieg in die Bundesliga nennt.

Erst einmal muss sich Sekine, der nur ein wenig Englisch spricht und vorerst im Hotel wohnt, in Ingolstadt zurechtfinden. Dazu gehören ein Deutschkurs, ein interkulturelles Programm und auch die Annäherung an hiesige Essgewohnheiten. Noch bevorzugt Sekine japanisches Essen, beispielsweise gibt es zum Frühstück Reis, Gemüsesuppe und Ei. Seine Teamkameraden, die ihm hilfsbereit zur Seite stehen, werden ihn da sicher begleiten. Bis ihn seine Eltern und die ältere Schwester im nächsten Jahr besuchen kommen, sollte Sekine dann ein echter Schanzer sein.