Es könnte eigentlich auch im Fußball alles so einfach sein. Das erste Heimspiel des Jahres, eine mit 30 087 Zuschauern sehr gut gefüllte WWK-Arena, mit dem Hamburger SV ein namhafter, aber schwächelnder Gegner, ein 1:0-Sieg und Tabellenplatz sieben. Also heile Welt beim FC Augsburg?

Nicht ganz. "Natürlich tut uns der Sieg zum Start gut. Aber unsere Offensivleistung hat mir überhaupt nicht gefallen", mäkelte ein nachdenklicher FCA-Trainer Manuel Baum. "Wir haben zu wenige Chancen herausgespielt und sind mit dem Pressing des HSV stellenweise überhaupt nicht zurechtgekommen."

Danach hatte es in den Anfangsminuten nicht ausgesehen. Denn die leicht veränderte Augsburger Mannschaft - Koo und Sérgio Córdova begannen für Marcel Heller (Bank) und Alfred Finnbogason (verletzt) - übernahm das Kommando und brachte das Tor des neuen HSV-Keepers Julian Pollersbeck gleich in die Bredouille. Bereits in der vierten Minute hatte Caiuby freie Schussbahn, seinen Abschluss aus zehn Metern verzog er aber. Umso bitterer, weil in der Mitte Córdova völlig frei gestanden hatte.

Michael Gregoritsch, der gegen seinen Ex-Klub einen unglücklichen Tag erwischte, vertändelte nach einer Viertelstunde die Riesenchance zur Führung für die Fuggerstädter. FCA-Kapitän Daniel Baier hatte ihn in Szene gesetzt, doch der Österreicher ließ sich mit seinem Torabschluss viel zu lange Zeit, sodass HSV-Verteidiger Dennis Diekmeier noch klären konnte.

Die Hamburger waren in der Offensive erschreckend harmlos, standen defensiv aber weitgehend sicher. "Vom Gefühl her hatten wir sie gut im Griff", ordnete Coach Markus Gisdol richtig ein. Zumindest bis kurz vor dem Pausenpfiff. Denn als sich die Hamburger schon unversehrt in der Kabine wähnten, köpfte Koo eine Flanke Caiubys zum goldenen 1:0 für den FCA ins Tor.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs rückte Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) in den Mittelpunkt, als er in der 49. Minute den Videobeweis bemühte. HSV-Verteidiger Douglas Santos war Augsburgs Mittelfeldmotor Rani Khedira auf den Fuß gestiegen. Die FCA-Fans forderten die Rote Karte, Gräfe beließ es bei Gelb.

Augsburg gab weiter den Ton an und drängte auf das 2:0. In der 66. Minute wurde ein Schuss Baiers im letzten Moment geblockt, bei einem strammen Linksschuss von Philipp Max stand der Pfosten dem Glück der Schwaben im Weg (75.). Das Risiko für die Hausherren, die Führung noch zu verspielen, hielt sich indes in Grenzen, da der HSV viel zu ungefährlich blieb.

Für die Nordlichter, die somit auf Platz 17 der Tabelle kleben, steht am kommenden Samstagabend (18.30 Uhr) ein richtiges Kellerduell an, wenn das abgeschlagene Schlusslicht FC Köln im Volksparkstadion gastiert. Der FC Augsburg tritt wenige Stunden zuvor bei Borussia Mönchengladbach an (15.30 Uhr) - mit einer Menge Selbstvertrauen im Gepäck. "Wir fahren da hin, um was mitzunehmen", sagte Baier, dem nach kräftezehrenden 90 Minuten trotz des Heimsieges noch kein Lächeln über die Lippen huschen mochte.

Der Routinier war angefressen. Dass Teile des eigenen Publikums die Unzulänglichkeiten im Spiel der Schwaben mit Pfiffen quittierten, ärgere ihn tierisch: "Das Gepfeife bringt überhaupt nichts und verunsichert junge Spieler vielleicht sogar noch stärker. Ich weiß nicht, was die Leute für einen Anspruch haben."

Bei der Nachfrage eines Journalisten, wie lange Baier sich über die grantelnden FCA-Fans ärgern wolle, blickte der FCA-Kapitän ins Gesicht seiner kleinen Tochter, die er während der Interviews auf dem Arm hielt. "Gar nicht mehr", sagte der 33-Jährige, lächelte und verschwand. Manchmal ist es dann eben doch einfach.