Wohin geht es ohne Ekici und Gündogan?
Wolfsburg (DK) Der 1. FC Nürnberg steht nach den Abgängen seiner Mittelfeld-Zentrale um Ilkay Gündogan und Mehmet Ekici vor einer schweren Saison. Die Hoffnungen ruhen auf Neuzugang Markus Feulner, der mit drei sehenswerten Toren im DFB-Pokal am Wochenende einen perfekten Einstand feierte.
n Zitat der Saison: Im Bett kämen ihm stets die besten taktischen Einfälle, erzählte Trainer Dieter Hecking. Auf die Nachfrage, was denn seine Frau dazu sage, antwortete er: „Ich hab' ja schon fünf Kinder. Das muss reichen.“ In Nürnberg genoss man in der vergangenen Saison die Leichtigkeit des Bundesliga-Lebens jenseits des Abstiegskampfs. So locker und entspannt ging es im Frankenland in den letzten Jahren selten zu.
n So steht es um den Trainer: Heckings Vertrag wurde in der Sommerpause bis 2014 verlängert. Das Vertrauen in den Westfalen ist nach den Erfolgen in der Vorsaison bei Verantwortlichen und Fans sehr groß. Aber Vorsicht ist geboten: Auch die Verträge von Michael Oenning und Hans Meyer in Nürnberg waren jeweils vor jenen Spielzeiten verlängert worden, in denen sie dann entlassen wurden.
n Wer ist bei den Fans umstritten: Die Nürnberger Fans wissen nicht so recht, was sie von Club-Boss Martin Bader und seiner Transfer-Politik halten sollen. Spielt das erneut stark veränderte Team erfolgreich, gibt es wieder reichlich Lob. Doch die durchaus vorhandenen Kritiker warten bereits auf Niederlagen. Das Konzept auf Leihspieler zu setzen, wie in der vergangenen Saison Mehmet Ekici und Julian Schieber und aktuell Daniel Didavi und Jens Hegeler, dürfte Bader bei sportlichem Misserfolg als Fehler vorgehalten werden. Dass neben Mintal mit Andreas Wolf noch eine weitere Identifikationsfigur den Verein verlies, weil die Vertragsverhandlungen scheiterten, ebenso.
n Des Trainers Liebling: Eindeutig: Timmy Simons. Der belgische Routinier ist zwar nicht der auffälligste, aber wichtigste Spieler in Heckings System. Im Sommer gab es eine Millionen-Offerte vom RSC Anderlecht – wohlgemerkt für einen 34-Jährigen. Der Club lehnte das Angebot dankend ab.
n Innenansichten – Skurriles aus dem Verein: Das „easyCredit Stadion“ hat im Wettstreit um den grausigsten Stadionnamen der Liga beste Chancen. Die Club-Anhänger wehren sich seit Jahren gegen den Namen. Es gab sogar eine Demonstration vor der Zentrale der „Teambank“, die sich die Namensrechte von der Stadt Nürnberg gesichert hat – mit Erfolg. Die Bank kündigte genervt von der Kritik an, den 2012 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Das wiederum stimmt die Nürnberger Führung gar nicht froh, die eine höhere Stadionmiete und den Verlust des eigenen Sponsorenvertrags mit der Bank fürchtet.
n So wollen sie spielen: Die Nürnberger sind im Vergleich zur Vorsaison deutlich variabler geworden. Das Spiel ist nicht mehr auf die Solo-Spitze Schieber zugeschnitten. Denkbar sind Varianten mit einem, zwei oder gar drei Angreifern. Eine mögliche Aufstellung: Schäfer – Chandler, Wollscheid, Nilsson, Pinola – Simons, Feulner (Cohen) – Mak (Bunjaku), Didavi, Esswein – Pekhart (Eigler).
n Was muss sich ändern: Am liebsten hätten sie nach Platz sechs in der Vorsaison in Nürnberg ja gar nichts geändert. Nach dem Fortgang der Mittelfeld-Zentrale mit Ilkay Gündogan und Ekici müssen sich Taktik und Aufstellung zwangsläufig ändern. Dabei hoffen die Franken – wie im Vorjahr – von ihren deutlichen Fortschritten in der Nachwuchsarbeit zu profitieren. Unter anderem, um diese weiter zu stärken, baut der Verein derzeit am Trainingsgelände fleißig. Übrigens finanziert durch die Fans in Form einer Anleihe.
n Einlauftipp: Nach den vielen Wechseln wird der FCN wieder als Abstiegskandidat gehandelt. Dagegen spricht, dass der Club in der Defensive auf eine eingespielte Formation bauen kann – trotz des Abgangs von Wolf. Die Neuen Daniel Didavi und Alexander Esswein haben in der Vorbereitung angedeutet, dass sie in die Fußstapfen von Ekici und Schieber treten könnten. Platz zehn bis zwölf scheint für den Club durchaus realistisch.
Von Frank Kranewitter
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