Mittwoch, 30.05.2012 |

 

03.02.2012 23:25 Uhr | 150x gelesen
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Für zwei Momente taut der Meister auf


Nürnberg (DK) Den Siegeszug von Borussia Dortmund durch die Fußball-Bundesliga kann weder der 1. FC Nürnberg noch die sibirische Kälte stoppen. Bei minus zwölf Grad im Frankenstadion gewann der Meister am Freitagabend mit 2:0 gegen den Club und übernachtete damit als neuer Tabellenführer.


Wäre der 1. FC Nürnberg kein Fußballverein, sondern ein Reiseunternehmen, dann hätte er es gestern ganz leicht gehabt, einen erstklassigen Eindruck bei seiner Kundschaft hinterlassen. Passend zum Besuch des deutschen Meisters Borussia Dortmund nahm der Club einen neuen Bus mit Champions-League-Qualitäten in Betrieb. 14 Meter lang, 505 PS stark und allerhand Schnickschnack an Bord. Für den Fahrer ein abstandsgeregelter Tempomat und und ein automatisches Spurüberwachungssystem. Für die Mitreisenden eine topmoderne Multimedia-Anlage und tiefenentspannende Schlafsitze.

Trotz des tollen Gefährts, in dem auch zwei Heißluftöfen und eine Tiefkühltruhe verbaut wurden, ist der 1. FC Nürnberg aber auch 111 Jahre nach seiner Gründung noch immer ein Fußballverein und kein Reiseunternehmen. Was die Sache mit der Kundenzufriedenheit im Heimspiel gegen den deutschen Meister natürlich ungleich schwieriger machte. Zumindest in der ersten Halbzeit boten die fränkischen Fußballer selbst bei Tiefkühltemperaturen einen absolut erstligatauglichen Eindruck. Doch nach beiden Treffern von BVB-Kapitän Sebastian Kehl (48.) und vom eingewechselten Lucas Barrios (82.) blieb es für den FCN trotz heißblütigem Einsatz nur ein bitterkaltes Null-Punkte-Spiel.

Auf der kurzen Busfahrt vom Herzogenauracher Teamhotel zum Stadion schienen die Club-Spieler den Komfort ihrer neuen Schlafsitze jedenfalls nicht zu intensiv genutzt zu haben. Denn nach einer dominanten Dortmunder Anfangsphase, in der die Nürnberger alle Mühe mit den Automatismen ihrer Abstandsregelung hatten, wagten sich die Gastgeber für einige Minuten derart frech nach vorne, dass sich BVB-Trainer Jürgen Klopp erstaunt die Wollmütze zurecht rückte. 5:0 betrug das Eckenverhältnis nach 20 Minuten, wohlgemerkt für den FCN, der gleich mehrfach in die Siegspur blinkte.

Ausgangspunkt war jeweils eine Ecke des gefährlichen Flankenschlägers Adam Hlousek. Doch erst wehrte BVB-Keeper Roman Weidenfeller einen Kopfball von Dominic Maroh ab (10.). Dann klärte der kleine Shinjoi Kakawa auf der Linie nach einem Kopfball von Timmy Simons (12.). Und schließlich verzog Tomas Pekhart aus kurzer Distanz und spitzem Winkel seinen Torschuss mit allerhand Pferdestärken (18.). Erst zur Mitte der ersten Halbzeit tauchte der Meister erstmals gefährlich vor dem Club-Tor auf, als der durchgestartete Robert Lewandowski frei vor dem FCN-Schlussmann Raphael Schäfer scheiterte.

Ab dieser Szene ging die Reise wieder ausschließlich vor das Nürnberger Tor. Kevin Großkreutz verzog vom Strafraumeck, als das Nürnberger Überwachungssystem kurz gegen Jakub Blaszczykowski versagte – übrigens der einzige Dortmunder Feldspieler mit langer Funktionsunterwäsche. Kurz darauf sorgten Robert Lewandowski mit seinem gefährlichen Schlenzer und Shinji Kagawa per Hacke dafür, dass auch Club-Keeper Schäfer bei eisiger Kälte kein bisschen kalt wurde. Eine sehr spezielle Form des Warmhalteprogramms absolvierte derweil Meistertrainer Klopp, der sich mehrfach mit dem Schiedsrichtergespann anlegte und rumpelstilzchenhaft an der Seitenlinie tobte.

Gleich nach dem Seitenwechsel rastete er wieder aus. Nun jedoch vor Freude über den Führungstreffer seiner Dortmunder, die nach der Viertelstunde in der warmen Kabine auch spielerisch für einen kurzen Moment aufgetaut waren. Einen Pass des eingewechselten Moritz Leitner zu Lukasz Pisczek ließ Hlousek leichtfertig passieren, ehe BVB-Kapitän Sebastian Kehl zum 1:0 einschob (48.). Eiskalt erwischt, hätte man wohl sagen müssen, wenn es nicht ohnehin so frostig im Frankenstadion gewesen wäre. Und spätestens beim 2:0 von Lucas Barrios kurz vor Schluss gefror gestern Abend auch dem letzten Nürnberger die Miene.

 


Von Jochen Münch

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