Heynckes als harter Hund
München (DK) Jupp Heynckes ist seit beinahe 50 Jahren im Profigeschäft. Daher weiß er nur zu gut, dass die simpelste Regel im Umgang mit einer Fußball-Mannschaft lautet: Öfter mal was Neues. Mach' das Unerwartete!
Verständnis und Harmonie sind schön und gut, aber eben nicht immer angebracht. Manchmal muss es eben laut sein. Und deutlich. Daher hat der Coach am Freitag den Medienvertretern in ungewöhnlich scharfem Ton erklärt, was er seinen Spielern wohl noch eindringlicher mitgeteilt haben dürfte. „Ich habe der Mannschaft gesagt, bis Ende Mai möchte ich sie in einem anderen Gewand sehen, von der ersten bis zur letzten Minute, rauf und runter, kämpfen, rennen, aber auch Fußball spielen. Daran muss sich die Mannschaft messen lassen, sonst an nichts.“ Punkt. Ende der Durchsage.
Drei Punkte sind also Pflicht gegen Wolfsburg. Vor allem deshalb, weil durch die Auftakt-Pleite zum Rückrundenstart bei Verfolger Gladbach (1:3) und den Siegen der anderen direkten Titelkonkurrenten Dortmund und Schalke unnötig Druck erzeugt wurde. Eine Niederlage gegen die Truppe von Ex-Bayern-Trainer Felix Magath würde die Anzahl der Saisonpleiten auf für die Verantwortlichen beunruhigende sechs erhöhen. In der vergangenen, teilweise chaotischen Saison mit Trainer Louis van Gaal waren es nach 34 Spieltagen sieben.
Daher fühlte sich Vereinsboss Karl-Heinz Rummenigge bemüßigt, im offiziellen Mitgliedermagazin der Mannschaft ebenfalls die Leviten zu lesen. „Die Mannschaft muss am Samstag gegen Wolfsburg sofort eine Reaktion zeigen“, schrieb Rummenigge und meinte mit Blick auf das Gladbach-Spiel: „Man konnte den Eindruck gewinnen, dass uns mit Leidenschaft, Biss, Aggressivität und Wille wichtige Attribute des Fußballs gefehlt haben. Unser Ziel, die deutsche Meisterschaft, können wir nur erreichen, wenn wir genau diese Attribute in den kommenden Monaten seriös und konzentriert einsetzen.“ Das Gerede vom Finale der Champions League in der eigenen Arena irritiere ihn. Wie es Heynckes und die Bosse irritiert hat, dass manch Spieler seine Konzentration eher auf Facebook-Aktivitäten oder sonstige Internetspielereien legt. Denn die Wahrheit ist nicht online, sondern auf dem Platz.
Dorthin kehrt Franck Ribéry trotz seiner Rückenprobleme gegen Wolfsburg zurück, für ihn muss einer aus der Offensive auf die Bank. Es wird wohl Anatoliy Tymoshchuk treffen, seine defensivere Position nimmt Toni Kroos ein.
Nach der Verletzung von Innenverteidiger Daniel van Buyten (Mittelfußbruch) rückt Jérome Boateng in die Abwehrmitte, der Brasilianer Rafinha auf die rechte Abwehrseite. Erstmals in dieser Saison wird Sorgenkicker Breno im Kader sein – für den Notfall.
Von Stephan David
Kommentare
Jetzt kostenlos Community-Mitglied werden und mitmachen!








