Mittwoch, 30.05.2012 |

 

02.02.2012 21:25 Uhr | 3105x gelesen
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Wer hat’s erfunden? Der Schweizer!


Bild: Wer hat’s erfunden? Der Schweizer!. Mönchengladbach Mönchengladbach (DK) Geheimnisvoller Wunderheiler? Von wegen. In erster Linie ist Lucien Favre ein freundlicher Zeitgenosse. Umgänglich, selten schlecht gelaunt. Und erfolgreich. Der Schweizer Trainer formte den Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach zu einem Titelaspiranten.

Mönchengladbach (DK) Geheimnisvoller Wunderheiler? Von wegen. In erster Linie ist Lucien Favre ein freundlicher Zeitgenosse. Umgänglich, selten schlecht gelaunt. Und erfolgreich. Der Schweizer Trainer formte den Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach zu einem Titelaspiranten.


Marco Reus
Bild: © 2012 AFP Garant des Gladbacher Erfolgs: Marco Reus.
Ist seine Elf vom Niederrhein tatsächlich eine Spitzenmannschaft? Nein – zumindest, wenn es nach dem 54-Jährigen geht. Völlig egal, dass seine Borussen nach 19 Spieltagen nur einen mickrigen Punkt hinter dem Führungstrio liegen. Völlig egal, dass sie mit aktuell nur zwölf Gegentreffern die beste Defensivabteilung der gesamten Liga besitzen. „Wir schauen weiterhin nur von Spiel zu Spiel“, predigt der Chefcoach beinahe schon gebetsmühlenhaft: „Und gerade am kommenden Samstag, in Wolfsburg, wird es für uns extrem schwer.“ Woanders kosten solche Sätze drei Euro für Phrasenschwein.
 
Favre reißt bei seinen Ausführungen gerne beide Augen weit auf, um den Worten Nachdruck zu verleihen. Er ist kein Träumer, kein Fantast. Sondern vielmehr ein Perfektionist. Ein akribischer Arbeiter, der kaum hundertprozentig zufriedenzustellen ist. Umso schwerer wiegt eine Aussage, die ihm unmittelbar nach dem jüngsten 3:0-Auswärtssieg in Stuttgart über die Lippen huschte: „Für uns wird es nun schwer, noch besser zu spielen.“ Hoppla. Ein bisschen erschrak anscheinend auch er selbst darüber – um mit einem breiten Grinsen zu reagieren: „Ein paar Details gibt es aber schon noch zu verbessern.“

Am 14. Februar 2011 war er Chefcoach in Mönchengladbach geworden, also vor rund 50 Wochen. Beziehungsweise vor zwei Etappen, um es mit Favres Worten darzustellen: „Auf der ersten davon lernten wir, grundsolide in der Defensive zu stehen. Mit einem Schnitt von 2,7 Gegentoren pro Partie wäre es nämlich unmöglich gewesen, das Team vor dem Abstieg zu retten. Auf der zweiten lernten wir dann, mehr eigene Chancen zu kreieren – was seit Ende September, Anfang Oktober, ebenfalls schon ganz gut klappt.“

Und die dritte Etappe wäre nun? „Es zu schaffen, trotzdem zu gewinnen, auch wenn wir mal schlecht spielen sollten“, verrät der Schweizer. Bei den Auswärtsniederlagen in Hoffenheim sowie bei den Kellerkindern SC Freiburg und FC Augsburg hatte das in der Hinrunde ja nicht hingehauen. Aber was passiert, wenn die Borussen nun auch noch diese Schwäche abstellen könnten? Nicht auszudenken, oder auszusprechen.

Günter Netzer tut’s: „Am Ende können sie durchaus auch Meister werden“, so die lebende Legende, die mit den „Fohlen“ in der 70er Jahren ja schon so manchen Titel an den Niederrhein geholt hatte. Der aktuelle Manager Max Eberl nimmt solche Äußerungen eher schmunzelnd zur Kenntnis: „Träumen darf bei uns jeder. Voraussetzung dafür ist aber, dass man nicht die Realität aus den Augen verliert.“ Die Frage ist nun nur: Was ist für die Borussia 2011/12 realistisch – bei einem Vorsprung von acht Punkten auf den ersten Nicht-Champions-League-Platz? Und nach zwei nahezu perfekten Auftritten in der bisherigen Rückrunde?

Besonders originelle Journalisten bezeichnen das Favre-Team als kleine Kopie des ruhmreichen FC Barcelona, wollen verblüffende Parallelen zum katalanischen „Tiqui-taca“ erkannt haben. Der Mönchengladbacher Chefcoach registriert’s mit einem stolzen Lächeln, weiß das Ganze allerdings realistisch einzuschätzen: „Aber bitte! Dafür haben wir schon noch eine Menge zu tun.“

Also auch weiterhin er? Nachdem Anfang Januar bekannt wurde, dass Marco Reus (Dortmund) und Roman Neustädter (Schalke) die Borussia im Sommer verlassen, ging am Niederrhein die Angst um, dass Favre nach der Saison 2011/12 ebenfalls keine Lust mehr auf die Borussia hätte. Nun gut, der 54-Jährige besitzt zwar ein bis zum 30. Juni 2013 gültiges Arbeitspapier – aber was heißt das schon im Fußballgeschäft? Dementsprechend bemühen sich die Verantwortlichen, den Vertrag mit dem Schweizer vorzeitig zu verlängern. Sportdirektor Eberl macht Mut: „Lucien fühlt sich in Mönchengladbach wohl, hier kann er kontinuierliche Arbeit leisten. So hoffen wir, bald einen gemeinsamen Nenner mit ihm zu finden.“

 


Von Roland Kaufmann

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